Geschäftsmann endet erschossen im Rhein

In 55 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch etliche Mainzer Fälle im Fokus. Der Mord an einem Geschäftsmann gehört dabei zu den „mysteriösesten Fällen“ der deutschen Kriminalgeschichte.

Geschäftsmann endet erschossen im Rhein

In der ZDF-Show „Aktenzeichen XY…ungelöst“ wurden in über 50 Jahren mehr als 4800 Verbrechen präsentiert. Dabei standen auch besonders tragische Fälle aus Mainz im Mittelpunkt. In unserer Serie stellen wir euch die bewegendsten Kriminalfälle vor.

Rückkehr aus Brasilien

Was mit dem Geschäftsmann Hans-Herbert K., der in Mainz das letzte Mal lebend gesehen wurde, im September 1969 passierte, bezeichnete Moderator Eduard Zimmermann als „einen der mysteriösesten Mordfälle, mit dem sich die deutsche Kriminalpolizei auseinandersetzen musste“. Warum der Mann bei der Rückkehr in seine Heimat sterben musste, bleibt bis heute ein Rätsel.

Erst zwei Wochen vor seinem Tod war Hans-Herbert K. von Rio des Janeiro nach Deutschland gereist, um dort unter anderem seine Frau zu treffen. Fast 20 Jahre hatte der Geschäftsmann in Brasilien gelebt und sich dort ein großes Vermögen erarbeitet. Mit dem Geld wollte er nun Hotelier in Europa werden. Schon beim Flug nach Frankfurt am 24. August fiel K. vielen Leuten auf, weil er eine schwarze Aktentasche direkt an seinem Armgelenk festgebunden hatte. Mit dabei hatte er auch zwei auffällige Koffer, die später noch eine wichtige Rolle spielen sollten. Am fünften Tag nach seiner Ankunft eröffnete K. ein Konto bei einer Frankfurter Großbank. Er zahlte dabei Dollar-Noten und Reiseschecks in Höhe von rund 180.000 D-Mark ein.

Mysteriöses Treffen am Flughafen

Wenige Tage später reiste der Geschäftsmann mit seinem gesamten Gepäck aus Frankfurt ab. Seiner Frau sagte er, nach Südeuropa fliegen zu wollen, um seine Hotel-Pläne zu verwirklichen. Ob er aber tatsächlich die Absicht hatte, dort hinzureisen, ist zweifelhaft. Am Flughafen wurde er nämlich von einem Mann erwartet, mit dem er sich vermutlich verabredet hatte. Kurze Zeit darauf betraten K. und der Mann das Flughafenrestaurant, wo sie einen weiteren Mann trafen.

Im selben Restaurant saß auch der arbeitslose Schauspieler Klaus A., der später zum wichtigen Zeugen wurde. Klaus A. beobachtete, wie sich Hans-Herbert K. mit den zwei anderen Männern offenbar über Geschäftstätigkeiten unterhielt. Dabei fiel ihm auf, dass K. gegen Ende des Gesprächs einem der Männer seinen schwarzen Aktenkoffer überreichte, den er sonst meistens an sein Armgelenk gebunden hatte. Wenig später verließen die drei Männer das Restaurant.

Nach diesem Gespräch wurde das Verhalten des Geschäftsmanns dann völlig rätselhaft. Nach einiger Zeit kam K. in das Restaurant zurück und setzte sich zu Klaus A. an den Tisch, obwohl er den Schauspieler noch nie zuvor gesehen hatte. Zusammen fuhren K. und Klaus A. am Abend nach Mainz, wo sie in einem Hotel übernachteten. Am nächsten Morgen gingen die beiden dann zum Mainzer Hauptbahnhof. K. deponierte hier einen grünen Koffer in einem Schließfach. In diesem Koffer befanden sich mit ziemlicher Sicherheit Akten und eine Pistole. Klaus A. bestätigte später gegenüber der Polizei, dass er die Pistole gesehen habe.

Erschossen im Rhein

K. erzählte Klaus A. dann, dass er sich später noch mit einem der Männer aus dem Flughafenrestaurant in Mainz treffen wolle. Aber auch mit Klaus A. wollte sich der Geschäftsmann noch am selben Abend im Mainzer Bahnhofslokal wiedertreffen. Nachdem K. dem arbeitslosen Schauspieler noch 800 D-Mark schenkte, stieg er in ein Taxi und fuhr davon. Danach wurde der Geschäftsmann nicht mehr lebend gesehen.

Vier Tage später, am 10. September 1969, entdeckte der Bootsführer eines Schwimmbaggers im Rhein bei Rüdesheim eine männliche Leiche: Es war Geschäftsmann Hans-Herbert K. Er wurde erschossen und in den Rhein geworfen. Wie sich erst viel später herausstellte, muss der Mörder seinem Opfer den Schlüssel für das Mainzer Schließfach abgenommen haben. Denn am 19. September holte ein Unbekannter Ks grünen Koffer aus dem Bahnhof-Schließfach ab. Warum sich der Unbekannte so sehr für den Koffer interessierte und warum Geschäftsmann Hans-Herbert K. sterben musste, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

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