Geiselnehmer drohen Mainzer Juwelier in die Luft zu sprengen

Das Schicksal des Juweliers Richard W. erschütterte 2002 ganz Mainz. Nachdem Unbekannte den Mainzer überfallen hatten, um Schmuck zu rauben, drohten die Verbrecher dem Juwelier, ihn in die Luft zu sprengen.

Geiselnehmer drohen Mainzer Juwelier in die Luft zu sprengen

In über 50 Jahren „Aktenzeichen XY…ungelöst“ wurden in der ZDF-Show mehr als 4800 Verbrechen präsentiert. Dabei standen auch besonders tragische Fälle aus Mainz im Fokus. In unserer Serie stellen wir euch die bewegendsten Kriminalfälle vor.

Einer der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte

Was dem Mainzer Goldschmied Richard W. im Dezember 2002 passierte, bezeichnete Moderator Rudi Cerne als ein Verbrechen, das „es in Deutschland so noch nie gegeben“ hat. Der bekannte Juwelier, der sogar Papst Johannes Paul II. als Kunden hatte, wurde am Abend in seiner Garage von zwei unbekannten Männern überfallen. Anschließend raubten sie sein Haus aus und hielten ihn über Nacht in einem Transporter gefangen.

Doch damit war der Überfall nicht beendet: Die unbekannten Männer legten W. am Morgen des 18. Dezember 2002 eine vermeintliche Bombe an und verlangten von ihm, ins Geschäft in der Großen Bleiche zu fahren, Schmuck zu holen und diesen zu einem vereinbarten Treffpunkt zu bringen. Käme die Polizei ins Spiel, so die Täter, würden sie die Bombe explodieren lassen: „Das ist eine Bombe, Sprengstoff. Das ist eine Kamera. Damit sehen wir, was du machst. Eine falsche Bewegung und boom!“ - damit sollen die Täter dem Mainzer Juwelier gedroht haben, wie es in der XY-Ausgabe vom April 2003 hieß. Die gesamte Aktion scheiterte jedoch, da die Polizei zwischenzeitlich von einem Zeugen informiert worden war und vor dem Juweliergeschäft wartete. Bei der Bombe handelte es sich letztlich um eine Attrappe.

Verbrechen hinterlässt „tiefe Spuren“

Trotz intensiver Ermittlungen gegen zwei mögliche Tatverdächtige wurde das Verfahren im November 2003 eingestellt, da sich der Tatverdacht nicht bestätigte. In den Folgejahren wurde regelmäßig versucht, die Täter zu ermitteln. Bis heute ist das jedoch nicht gelungen. Wie „Die Welt“ wenige Tage nach dem Verbrechen berichtete, habe sich W. nach seiner Befreiung bei Freunden versteckt. „Im Nachhinein betrachtet ist das Ganze ja gar nicht so wild“, habe er nach dem Überfall gegenüber der Polizei gesagt. Zwar habe er Angst gehabt, real in Gefahr sei er aber nicht gewesen.

Der Mainzer Carneval Club (MCC), in dem W. Komiteemitglied und Ordensschmied war, und der Mainzer Automobilclub berichteten, dass der Juwelier Mitte 2014 im Alter von 79 Jahren starb. Dem MCC zufolge hinterließ das Verbrechen „tiefe Spuren“ bei ihm. „Auch die Art und Weise, wie manche Menschen mit dem Ereignis umgingen, hat ihn zutiefst getroffen und ruhiger werden lassen. Erst in den letzten Jahren wurde er wieder mehr der Alte“, heißt es in dem Bericht von 2005.

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