Winzer und Landwirte fürchten um ihre Existenz

Die rheinhessischen Landwirte wehren sich gegen das neu beschlossene Agrarpaket. Viele von ihnen befürchten, ihre Betriebe unter den strengen Auflagen bald nicht mehr halten zu können. Durch Mahnfeuer wollen sie auf ihre Situation aufmerksam machen.

Winzer und Landwirte fürchten um ihre Existenz

Deutschlandweit machen sich Landwirte zurzeit Sorgen um ihre Existenz. Strenge Umweltschutzgesetze wie die neu beschlossenen Insektenschutz- und Düngeverordnungen erschweren den Landwirten den Alltag. Bei politischen Entscheidungen fühlen sie sich übergangen. So sehen das auch die Hechtsheimer Peter Beickler vom Rheinhessenhof und Christoph Meier vom Weingut Karthäuserhof. Gegenüber Merkurist sagt Beickler: „Politik und Umweltverbände zeigen wenig Bereitschaft, auch mit den Landwirten ins Gespräch zu gehen.“

„Wir zerstören die eigene, bessere Landwirtschaft, um aus schlechterer Landwirtschaft zu importieren“ - Beickler

Sie fordern zum Beispiel einheitliche Standards, auch beim Import ausländischer Produkte. Durch die strengen Auflagen des kürzlich verabschiedeten Agrarpakets müssten deutsche Landwirte ihre Preise erhöhen und seien nicht mehr wettbewerbsfähig. „Die deutsche Landwirtschaft hat die höchsten Standards weltweit“, sagt Beickler. „Wir zerstören die eigene, bessere Landwirtschaft, um aus schlechterer Landwirtschaft zu importieren.“

Kritik an Unkraut-, Insektenschutz- und Düngeverordnung

Viele der Gesetze aus dem Agrarpaket seien im Wein-, Obst- und Ackerbau problematisch. „Weniger Düngung mindert den Ertrag und die Qualität der Ernte. Und Weinbau ohne Insektenschutz zu betreiben, ist biologisch unmöglich“, sagt Meier. Wünschenswert sei es daher, mit anderen Stellen zu kooperieren und gemeinsam eine Lösung zu finden.

„Landwirte haben bisher den geringsten Widerstand geleistet“ - Beickler

Zum Beispiel werde nicht berücksichtigt, dass nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Pharmaindustrie und die Deutsche Bahn große Mengen des Unkrautvernichters Glyphosat oder ähnliche chemische Verbindungen verwenden, ergänzt Meier. „Aber in der Vergangenheit waren wir Landwirte die geringsten Widerstandsgeber, was politische Entscheidungen angeht“, so Beickler. Das soll sich nun ändern. Mit Protesten wolle man daher Aufmerksamkeit erregen – zum Beispiel durch Demonstrationen in Großstädten oder grüne Kreuze auf dem Land.

Mainzer Landwirte wehren sich mit Mahnfeuer

Eine weitere Aktion: „Rheinhessen in Flammen“. Dabei zünden Landwirtschafts-Betriebe aus Hechtsheim, Bretzenheim, Marienborn und Ebersheim am Dienstagabend ein großes Mahnfeuer. Die Aktion findet auf dem Rheinhessenhof in Hechtsheim statt, Interessierte werden zu einem Becher Glühwein eingeladen. „Wir wollen über Misstände aufklären, sind gern bereit, ins Gespräch zu gehen und bieten uns dafür auch an“, so Beickler.

Weitere Feuer der Mainzer Landwirte seien außerdem in Laubenheim und Finthen geplant. Rheinhessenweit wird es fast hundert Feuer geben. Beickler erzählt: „Es wurden extra Standorte ausgesucht, die an stark befahrenen Straßen liegen, damit sie auch gesehen werden.“

Das Mahnfeuer findet am Dienstagabend ab 17 Uhr auf dem Rheinhessenhof (Rheinhessenstr. 208, Hechtsheim) statt. Weitere Informationen zu den Anliegen der Landwirte findet Ihr hier. (rk)

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