Mainzer Rollstuhlfahrer: „Habe die Schnauze voll“

Wenn Rollstuhlfahrer Mario Spandl in Mainz mit dem Öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, erlebt er manchmal böse Überraschungen. So kommt es vor, dass ihm von Bus- oder Tramfahrern nicht geholfen wird. Dagegen will er sich jetzt wehren.

Mainzer Rollstuhlfahrer: „Habe die Schnauze voll“

Mario Spandl hat „die Schnauze voll“. Immer wieder erlebt der Rollstuhlfahrer, dass ihn Mainzer Bus- oder Tramfahrer nicht beim Einsteigen unterstützen oder ihn er erst gar nicht mitnehmen. Doch das will sich der 54-Jährige nicht mehr gefallen lassen. In Zukunft will Spandl mit einer drastischen Maßnahme im ÖPNV auf sich aufmerksam machen.

Oft sehr deprimierend

Spandl sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl. Nach einer Bauch-Operation in einer Frankfurter Klinik war der ehemalige Buskontrolleur plötzlich querschnittsgelähmt. Wegen dieses Handicaps und anderer gesundheitlicher Probleme hat Spandl häufig Termine in der Innenstadt, zu denen er mit Bus und Tram anreist. Dabei habe er über die Jahre viele negative Erfahrungen mit den Fahrern im ÖPNV gemacht, sagt der 54-Jährige im Gespräch mit Merkurist. So sei es ihm schon passiert, dass ein Busfahrer, den er um Hilfe beim Einsteigen bat, ihn aufforderte, die Einstiegsrampe selbst auszuklappen.

Nachdem er sich bei der Mainzer Mobilität (MM) mehrmals beschwert hatte, habe er gehört, dass der Fahrer eine Abmahnung bekommen haben soll. „Ob das aber wirklich stimmt, weiß ich nicht“, sagt Spandl. Bei all seinen Beschwerden habe er nur einmal eine Rückmeldung per Mail und Brief von der MM erhalten, dass es dem Verkehrsunternehmen leid tue. Eine negative Erfahrung habe er auch an der Haltestelle Südring gemacht. Dort gebe es eine kleine Höhendifferenz zwischen Bahn und Haltestelle, so Spandl. Für Leute ohne Rollstuhl sei das leicht machbar, für ihn ohne Hilfe fast nicht zu bewältigen. „Da haben mir dann Fahrgäste geholfen einzusteigen. Der Fahrer hat nicht einmal nach mir geguckt“, sagt Spandl.

Generell sei es für ihn immer sehr deprimierend, wenn er stehengelassen werde. Das war auch einmal so, als der 54-Jährige mit der Linie 9 fahren wollte. „Da habe ich dem Fahrer schon von Weitem gewunken, dass ich einsteigen will. Der hat dann zurückgewunken und ist einfach weitergefahren.“ Wie Spandl sagt, wisse er, dass es auch noch andere Rollstuhlfahrer gebe, die von solchen Problemen betroffen seien.Wenn er sich dann an die MM wende, bekomme er immer zu hören, dass er so ziemlich der einzige sei, der sich beschwert, so Spandl. Begreifen könne er das nicht. „Fehlt denn denen der Mut, sich zu beschweren.“

Was die Mainzer Mobilität sagt

Die MM nimmt indes die Beschwerden von Mario Spandl ernst. Wie Pressesprecher Michael Theurer sagt, seien die Bus- und Tramfahrer dazu angehalten, Leuten mit Handicap beim Ein- und Aussteigen zu helfen. „Die Fahrer müssen die Rampe selbst ausklappen, um damit Rollstuhlfahrern den Zustieg zu ermöglichen.“ Vereinzelt könne es aber auch einmal vorkommen, dass der Fahrer bei einem großen Andrang an den Haltestellen gar nicht mitbekomme, wenn zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer zusteigen möchte. In einem Fall, den Spandl beschreibt, habe man mit dem Busfahrer besprochen, dass er in Zukunft anders reagieren muss, sagt Theurer.

Drastische Maßnahme

Mario Spandl will in Zukunft bei seinen Fahrten im ÖPNV zu einem drastischen Mittel greifen, sollte er von den Fahrern nicht beachtet oder unterstützt werden. „Dann werd ich mich aus dem Rollstuhl heraus einfach auf die Einstiegsrampe setzen, so dass die Türen nicht schließen können.“ Dann müssten die Fahrer ja notgedrungen nach ihm schauen. Zu dieser Maßnahme werde er aber nur greifen, wenn er wirklich wichtige Termine habe, so Spandl. Sollte er Zeit haben, um von einem Ort zum anderen in Mainz zu kommen, könne er es auch einmal verschmerzen, wenn er warten müsse.

Bei allen Problemen mit einigen Fahrern im ÖPNV hat Spandl aber auch viele gute Erfahrungen gemacht. So schätzt er zum Beispiel den „Lollibusfahrer“ Michael Beltz sehr. Auch einen Busfahrer namens Boris findet er gut. „Der begrüßt und verabschiedet immer alle Fahrgäste und erzählt während der Fahrt wie ein Fremdenführer, an welchem Gebäude man gerade vorbeifährt“, sagt Spandl. Das sei fabelhaft und zeige, dass es eben auch sehr aufmerksame Fahrer im ÖPNV gebe. (df)

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