Albtraum für Bauern und Anwohner: Werden Saatkrähen jetzt abgeschossen?

In vielen Teilen von Rheinland-Pfalz sorgen Saatkrähen für immensen finanziellen Schaden in der Landwirtschaft. Die Bauern fordern nun, die Vögel zum Abschuss freizugeben. Auf dem Lerchenberg will man Probleme mit den Tieren aber anders lösen.

Albtraum für Bauern und Anwohner: Werden Saatkrähen jetzt abgeschossen?

Kot soweit das Auge reicht, ohrenbetäubender Lärm und vereinzelt auch Totalschäden auf den Feldern: Kritiker der Saatkrähe lassen kaum eine gute Feder an dem schwarzen Vogel, der in Mainz in größerer Population vorkommt. Auch Leser Sebastian ist von der Krähe genervt. Er spricht von einem regelrechten „Saatkrähen-Horror“ auf dem Lerchenberg und wünscht sich, dass endlich etwas getan wird gegen den „Lärm und den Dreck“, den die Tiere produzieren.

Forderung nach Abschuss der Tiere

Die Nase voll von den Vögeln haben inzwischen auch die Bauern. Mit Blick auf die zunehmenden Krähenschäden in der Landwirtschaft wirft der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV), Eberhard Hartelt, den zuständigen Behörden mangelnde Unterstützung vor. So hätten die Schäden durch Saat- und Rabenkrähen in den letzten Jahren stark zugenommen. Wirksame Gegenmaßnahmen würden jedoch oft an fehlenden Genehmigungen der Behörden scheitern. „Die Betriebe werden im Stich gelassen und haben die Verluste durch die in Schwärmen auftretenden Krähen ohne jeglichen Schadensausgleich hinzunehmen“, erklärt der BWV-Präsident. Betroffen seien sowohl der Ackerbau als auch der Gemüse- und Obstbau. Dabei entstünden Schäden in Höhe von Zehntausenden Euro.

Alle bisher umgesetzten Gegenmaßnahmen, wie eine Vergrämung durch Schussapparate, Vogelscheuchen und Vogelattrappen hätten nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Deshalb bringt Hartelt nun sogar einen Abschuss der Krähen ins Spiel. Es müssten Genehmigungen für gezielte Abschüsse erlaubt werden. Aus Sicht des BWV-Präsidenten sei der Schutzstatus der Saatkrähe mittlerweile sowieso überholt. Es könne nicht tatenlos zugeschaut werden, wie die Krähen in einigen Regionen einen Großteil der Ernte zerstören, sagt Hartelt.

Zugekoteter Spielplatz

Auch auf dem Lerchenberg sind die Krähen laut Leser Sebastian mittlerweile zum Problem geworden. Wie Ortsvorsteherin Sissi Westrich (SPD) zuletzt gegenüber Merkurist erklärte, würden die meisten der Vögel im Bereich des Spielplatzes zwischen Brahmsweg und Silcherwerg nisten. „Zu gewissen Zeiten ist es wahnsinnig laut, manche Bänke, die auf dem Spielplatz sind, eignen sich nicht zum Niederlassen, weil sie ständig verkotet sind.“

Für drastische Maßnahmen gegen die Tiere ist die SPD-Politikerin aber nicht. „Erfahrungen zeigen, dass bisher keine nachhaltigen Methoden der Vergrämung bekannt sind.“ Westrich schlägt andere Maßnahmen vor: So könnten Bänke überdacht werden, um die Bürger vor Vogelkot zu schützen. Auch sei es wichtig, dass genügend Mülleimer vorhanden seien und die Leute ihren Müll nicht liegen lassen, damit die Krähen auf diese Weise „nicht noch gefüttert werden“. Dass man zumindest vor Jahren nicht zimperlich mit den Krähen umgegangen ist, beschreibt der Naturschutzbund (Nabu). So wurden 2010/2011 noch 130.000 Krähen allein in Nordrhein-Westfalen abgeschossen. Teils hätten sich damals auch sogenannte Crowbuster-Gruppen formiert, die den Abschuss der Tiere als Hobby betrieben und „Spaß am Töten“ gehabt hätten.

Das wird aktuell gegen die Saatkrähe unternommen

Doch die Zeiten, in denen die Vögel zum Abschuss freigegeben waren, sind längst vorbei. Inzwischen sind die Tiere sogar geschützt. Gefangen oder getötet werden dürfen sie laut Bundesnaturschutzgesetz nicht. Und daran ändern wird sich demnächst auch in Rheinland-Pfalz nichts. So teilte Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) kürzlich mit, dass Saatkrähen auch künftig nicht zum Abschuss freigegeben werden. „Bei streng geschützten Arten haben wir als Land leider überhaupt keine Handhabe zu sagen, dass man diese Arten abschießt.“ Man könne nicht jede Art, bei der sich Populationen erholen, wieder ins Jagdrecht aufnehmen, sagte Eder und berief sich dabei auf das europäische Artenschutzrecht. Darüber könne sich auch Rheinland-Pfalz nicht hinwegsetzen. Und somit müssen sich die Gegner der Saatkrähe auch weiterhin damit abfinden, mit den Tieren zu leben.

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