Zukunft der Mainzer Abwasserreinigung: Studie soll Klarheit bringen

Mikroplastik, Weichmacher oder Arzneimittelrückstände stellen die Klärwerke vor neue Herausforderungen. Um zu prüfen, ob und wie darauf reagiert werden kann, hat der Wirtschaftsbetrieb Mainz eine Studie in Auftrag gegeben.

Zukunft der Mainzer Abwasserreinigung: Studie soll Klarheit bringen

Durchschnittlich 45 Millionen Liter Abwasser werden in der Mainzer Kläranlage am Tag gereinigt. Immer häufiger landen darin Fette, Feuchttücher, Kondome und andere Abfälle, die eigentlich in den Mülleimer gehören. Sie können Pumpen lahmlegen und Kanäle verstopfen. Größere Sorgen bereiten den Kläranlagenbetreibern allerdings Medikamentenrückstände, Mikroplastik und Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft, die bislang kaum gefiltert werden können.

„Wir machen, was wir machen können, aber nicht blauäugig.“ - Katrin Eder, Umweltdezernentin

„Die sogenannten prioritären Stoffe sind in gewissen Konzentrationen schädlich“, so Herbert Hochgürtel, Abteilungsleiter für Abwasserreinigung. Aktuell gebe es keine klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Stoffe. Im Hinblick auf EU-Richtlinien rechne er aber damit, dass sich das in den kommenden Jahren ändern könne. „Es ist gut, vorbereitet zu sein“, erklärte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne). „Wir machen, was wir machen können, aber nicht blauäugig.“ Aus diesem Grund hat der Wirtschaftsbetrieb Mainz bei der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern eine Studie in Auftrag gegeben. Sie kostet 85.000 Euro und soll klären, ob und wie der Wirtschaftsbetrieb auf die neuen Anforderungen reagieren soll.

Eine Möglichkeit, Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu filtern, sei das Klärwerk um eine sogenannte vierte Reinigungsstufe zu ergänzen. Hier werden laut Professorin Heidrun Steinmetz, Leiterin des Fachgebietes „Ressourceneffiziente Abwasserbehandlung“ der TU Kaiserslautern, zwei Techniken eingesetzt: Durch Ozonierung, das heißt der Zugabe von Sauerstoff, können die Schadstoffe teilweise eliminiert werden. Ein weiterer Schritt zur Wasseraufbereitung sei der Einsatz von Becken mit Aktivkohlefiltern. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. „Deshalb erhoffen wir uns von der Studie auch einen Hinweis darauf, ob und wie eine Kombination beider Verfahren möglich wäre“, erklärte Jeanette Wetterling, Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsbetriebs. „Wenn, dann wollen wir tatsächlich auch die bestmögliche Lösung für Mainz.“

Energie aus Abfallprodukten

Laut Umweltdezernentin Eder seien die Kosten für Bau und Betrieb der Anlage der wichtigste Kritikpunkt. Aus diesem Grund prüfe das Team der TU einen neuen Ansatz, bei dem die Schadstoffbeseitigung mit Energieerzeugung gekoppelt werden kann. „Um energieeffizienter zu werden und Strom- und Wärmeversorgung auszubauen, haben wir einen Langzeitspeicher- und Flexibilitätsbedarf“, erklärte Steinmetz. Überschüssiger Strom aus regenerativen Energiequellen könne zur Wasser-Elektrolyse genutzt und so gespeichert werden.

Hierzu wird Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Der Sauerstoff könne dann zur Ozonierung verwendet werden, um das Klärwasser aufzubereiten. Mit dem Wasserstoff können die Blockheizkraftwerke der Kläranlage betrieben werden. Er könne aber auch zur Stromversorgung gespeichert, als Treibstoff oder in der Industrie genutzt werden.

Laut Steinmetz gibt es für die Nutzung von Überschussstrom zur Elektrolyse bislang nur wenige Erfahrungen. Und diese nur außerhalb von Kläranlagen. In der Studie wollen sie und ihr Team prüfen, ob eine solche Anlage in Mainz realisierbar wäre und eine Kostenabschätzung sowie die Beantragung von Fördergeldern ermöglichen. Im Anschluss könne dann ein auf Mainzer Bedürfnisse zugeschnittenes Pilotprojekt entwickelt werden.

Logo