Volle Busse und Bahnen: Mainzer Mobilität will bald reagieren

In Zeiten der Corona-Krise gilt: Abstand halten. Doch wie einige Merkurist-Leser berichten, ist das in Mainzer Bussen und Bahnen immer schwieriger. Denn langsam würden die Fahrgastzahlen wieder steigen. Was sagt die Mainzer Mobilität dazu?

Volle Busse und Bahnen: Mainzer Mobilität will bald reagieren

Seit Mittwoch (10. Juni) gelten in Rheinland-Pfalz einige Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen (wir berichteten). So dürfen sich zum Beispiel wieder zehn Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen. Und das wird vermutlich auch Auswirkungen auf den Betrieb im ÖPNV haben, Busse und Bahnen dürften mit der Zeit wieder voller werden. Doch während der Corona-Krise musste die Mainzer Mobilität (MM) ihre Taktung zurückfahren. Das liegt nicht nur daran, dass weniger Mainzer die Busse und Bahnen nutzen, das Unternehmen ist selbst von der Krise betroffen.

Bereits vor den Lockerungen am Mittwoch haben viele Merkurist-Leser festgestellt, dass die Fahrzeuge im ÖPNV immer voller werden. Abstandsregeln einzuhalten ist also im Bus oder in der Straßenbahn manchmal ziemlich schwierig. Zudem seien manche Stadtteile nun durch die verringerte Taktung deutlich schlechter mit dem ÖPNV zu erreichen.

Der Pressesprecher der MM, Michael Theurer erklärt auf Anfrage von Merkurist: Die Nachfrage an Fahrgästen sei mit dem Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen im März deutlich zurückgegangen. „Gleichzeitig erforderte die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der MM-Mitarbeiter eine erhöhten betrieblichen Aufwand und es mussten und müssen bis heute Vorkehrungen getroffen werden, um für Erkrankungs- und Quarantänefälle im Unternehmen Reserven für einen geordneten Betrieb zu haben“, sagt Theurer.

Angebot und Nachfrage

Die MM musste ihr Angebot Stück für Stück zurückfahren, zeitweise seien nur zehn Prozent der üblichen Fahrgäste im ÖPNV-Angebot der MM unterwegs gewesen. Der Verkehrsbetrieb habe zu dieser Zeit trotzdem aber 35 Prozent der üblichen Fahrten durchgeführt, sagt Theurer. „Nach den ersten Lockerungen wurde das Angebot anschließend schrittweise wieder hochgefahren. Aktuell liegt es bei ungefähr 80 bis 85 Prozent des Regelfahrplans, während die Fahrgastzahlen inzwischen aber erst wieder etwa 30 bis 35 Prozent des ursprünglichen Niveaus erreicht haben.“ Unterm Strich läge das Angebot derzeit also „deutlich über der tatsächlichen Nachfrage“.

Einige Beobachtungen der Merkurist-Leser kann Theurer bestätigen: „Es ist in der Tat so, dass wir zuletzt auf einigen Streckenabschnitten bemerkt haben, dass es dort zu einer verstärkten Fahrgastnachfrage kommt. Deshalb wird ab dem 20. Juni unter anderem das Angebot nach Finthen ausgeweitet.“ Die Linie 58 soll ab dann beispielsweise montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr und von 13 bis 19 Uhr wieder nach den nahezu üblichen Zeiten fahren. Ab dem 4. Juli sollen dann wieder alle Linien auf den regulären Strecken im Einsatz sein. Die Streckenführungen einiger Linien wurden während der Corona-Krise nämlich verkürzt oder verändert. Dann gelte allerdings wegen der Sommerferien zunächst der Ferienfahrplan.

Mainzer Mobilität von Krise betroffen

Wie viele Unternehmer in ganz Deutschland ist auch die Mainzer Mobilität stark von der Corona-Krise betroffen. Nach Unternehmensangaben rechnet die MM wegen der Krise mit Einnahmeausfällen in zweistelliger Millionenhöhe. Daher befinden sich die Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs derzeit in Kurzarbeit, die meisten arbeiten nur 80 Prozent der üblichen Stunden ab. Rund 400 MM-Mitarbeiter arbeiten sogar lediglich 20 Prozent der eigentlichen Zeit ab.

Einem Kommentar von Merkurist-Leser Erik widerspricht Theurer deutlich: „Der von einem Merkurist-Leser gemachte Vorwurf, die MM verdiene durch die Kurzarbeit in Coronazeiten, ist nicht zutreffend.“ Die Kurzarbeit schmälere allenfalls einen kleinen Teil der weiterlaufenden oder sogar gestiegenen MM-Kosten während der Krise. Das aktuelle Verhältnis von 85 Prozent der üblichen Fahrten bei 30 bis 35 Prozent des üblichen Fahrgastaufkommens würde das auch unterstreichen, so Theurer. „Es macht deutlich, dass die Abwägung Angebot für die Fahrgäste versus Wirtschaftlichkeit eindeutig im Sinne der Daseinsvorsorge und zu Gunsten der Fahrgäste erfolgt ist.“ (mo)

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