Verwunderung über nicht geleerte Mülltonnen

Rund 20 Jahre standen Gerds Mülltonnen immer am selben Ort zur Abfuhr bereit und wurden geleert. Doch dann erhielt der Mainzer plötzlich selbst eine Abfuhr vom Wirtschaftsbetrieb.

Verwunderung über nicht geleerte Mülltonnen

Gerd* aus Drais versteht die Welt nicht mehr. Seit Jahren stehen seine Mülltonnen immer am selben Ort und wurden auch immer ohne Beanstandung geleert. Doch im vergangenen Winter dann die böse Überraschung: Obwohl die Müllabfuhr in seinem Viertel regulär unterwegs war, wurde sein Müll plötzlich nicht entsorgt. Doch die Müllmänner hatten seine Tonne nicht etwa vergessen, und es lag auch nicht daran, dass der Draiser seinen Abfall falsch entsorgt hätte. Stattdessen habe er vom Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz erfahren, dass nun plötzlich der Standort seiner Mülltonnen der ausschlaggebende Punkt war, weshalb diese nicht geleert wurden.

Woran es konkret scheiterte

Wie Gerd erzählt, habe man ihm in einem offiziellen Schreiben mitgeteilt, dass er plötzlich gegen die „Anforderungen an die Standplätze für Abfallbehältnisse“ – so wie sie in der Mainzer Abfallsatzung stehen – verstoßen habe. Demnach befänden sich die seinem Grundstück zugeteilten „Abfallgefäße“ auf Standplätzen vor dem Haus, die wesentlich tiefer als der Bürgersteig liegen würden. Die Mülltonnen müssten daher über eine Steigung befördert werden, die zuletzt auch noch mit nassem Laub „verunreinigt“ gewesen sei und somit „Rutschgefahr“ bestehe, so der Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz in seiner Begründung. Und diese Verhältnisse seien eben nicht satzungskonform.

Denn laut Satzung dürfen die „Transportwege“ für das „Entsorgungspersonal“ keine Steigungen, Stufen oder Treppen beim Abholen der Mülltonnen aufweisen, erklärt der Entsorgungsbetrieb in dem Schreiben an Gerd. Unvermeidbare Höhenunterschiede müssen gemäß Satzung deshalb durch Rampen (maximale Steigung 1:20) ausgeglichen werden. Führt der Transportweg durch Türen, Tore oder Pforten, müssen diese geeignete Feststellvorrichtungen besitzen. Zudem müssten die Tonnen am Abfuhrtag bis 6 Uhr morgens in höchstens 15 Metern Entfernung zur Straße, auf der das Müllauto unterwegs ist, bereitstehen. Dies scheint nach Ansicht des Wirtschaftsbetriebs bei Gerds Mülltonnen jedoch nicht der Fall gewesen zu sein.

Gerd hat nachgemessen: Die Entfernung seiner Mülltonnen zur Straße beträgt zehn Meter. Also dieser Punkt konnte es nicht sein. Aber dann gibt es noch den Punkt Gefälle: auf den letzten zwei Metern fällt das Gelände statt der vorgeschriebenen maximal 40 Zentimeter doch satte 55 Zentimeter ab. Da hat Gerd doch glatt 20 Jahre gegen die Mainzer „Müllentsorgungssatzung“ verstoßen. Gut, dass dieses Vergehen nun endlich dem Entsorgungsbetrieb aufgefallen ist und geahndet wurde. Gerd überlegt nun, ob er jede Woche die Mülltonnen die starke Steigung hochziehen oder einen Handwerker beauftragen soll, eine weniger Steile Rampe zu bauen.

„Es lebe die Bürokratie“

Doch wie konnte es nun passieren, fragt Gerd, dass man nun nach 18 Jahren, in denen immer alles reibungslos ablief, plötzlich zu dem Ergebnis kommt, dass der Standplatz seiner Mülltonnen nicht mehr korrekt sei. Merkurist fragt beim Wirtschaftsbetrieb der Stadt Mainz nach. Dort verweist man zunächst allgemein auf die gültige Satzung. Schwer zu sagen sei, warum man nun aber jetzt nach all den Jahren erst festgestellt habe, dass der Standort der Tonnen nicht satzungskonform ist. Möglicherweise sei ein Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs beim Abholen der Tonne auf dem mit (wie oben erwähnt) nassem Laub verunreinigten „Transportweg“ tatsächlich gestürzt. „Dies könnte der Mitarbeiter dann zum Anlass genommen haben, einmal etwas genauer hinzuschauen, ob mit dem Standort der Tonnen alles in Ordnung ist“, so ein Sprecher des Entsorgungsbetriebs. Generell sei man aber immer daran interessiert, mit den Anwohnern in den Dialog zu kommen, um etwaige Probleme zu besprechen beziehungsweise zu klären.

Für Gerd bleibt die Entscheidung des Wirtschaftsbetriebs dennoch unbegreiflich. „Es lebe die Bürokratie.“ Inzwischen hat er Änderungen vorgenommen, damit seine Tonnen wieder geleert werden. Kurios findet Gerd die Angelegenheit jedoch weiterhin.

*Name geändert

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