Mainzer fährt mit dem Rad zur WM nach Russland

Während die wohl überwiegende Mehrheit aller Fußball-Fans mit dem Flugzeug zur WM nach Russland angereist ist, hat ein Mainzer ein anderes Verkehrsmittel gewählt. Mit dem Fahrrad fuhr Saverio Comandatore mehr als 2500 Kilometer von Mainz nach Moskau.

Mainzer fährt mit dem Rad zur WM nach Russland

Insgesamt neun Monate hat sich der Mainzer Saverio Comandatore auf sein Abenteuer vorbereitet. Sein Ziel: die Fußball-WM in Russland. Doch anstatt in Frankfurt ins Flugzeug zu steigen, um innerhalb von wenigen Stunden vor Ort zu sein, wählte der gebürtige Italiener eine andere Route - und vor allem ein anderes Verkehrsmittel. Für seine Reise von Mainz nach Moskau setzte sich der Mainzer aufs Fahrrad. Nach 22 Tagen kam er schließlich auf dem Roten Platz an. Mit Merkurist sprach der 60-Jährige über seine Motivation, dieses Abenteuer anzugehen, und seine Erlebnisse, die er auf der langen Tour durch sieben Länder sammeln konnte.

Fahrrad-Panne in Polen

Seit August 2017 war Comandatore damit beschäftigt, sich intensiv auf sein Vorhaben einzustimmen. Um seine Ausdauer zu verbessern, habe er unter der Woche intensiv trainiert. An den Wochenenden sei er zudem oft bis zu 20 Kilometer spazieren gegangen. „Ich wollte mir beweisen, dass man auch noch mit 60 Jahren fähig ist, so etwas zu leisten“, sagt Comandatore. Zudem habe er sich gewünscht, Menschen aus vielen verschiedenen Nationen kennenzulernen.

Am 26. Mai machte sich der gebürtige Italiener dann auf seinen 2650 Kilometer langen Weg nach Moskau. Immer mit dabei, wie Comandatore sagt, war sein „Nummernschild“ hinten am Rad, auf dem in der jeweiligen Landessprache „Mainz - Moskau“ stand. Egal, wo er hingekommen sei, hätten ihn die Menschen darauf angesprochen und mit ihm geredet. „Die Leute waren immer sehr nett und haben sich für mich interessiert.“ Nach fünf Tagen kam der Mainzer dann in Prag an. Danach habe er erst einmal ein, zwei Tage Pause gemacht, sich regeneriert und sich die Stadt angeschaut.

Ein paar Tage später erreichte Comandatore Polen. Dort passierte ihm das erste Malheur. Nachdem er in der Nähe von Warschau übernachtet hatte, fuhr der Hoteldirektor ein Stück mit, um ihm den Weg aus der Stadt zu zeigen. Plötzlich habe es „klack“ gemacht und einen Schlag getan. Dabei gingen Speichen kaputt. „Zum Glück war eine Werkstatt nur zweieinhalb Kilometer entfernt und mein Rad konnte schnell repariert werden“, so Comandatore. Anstrengender wurde es dann wenig später. Als ihn eine Baustelle an der Weiterfahrt hinderte, musste er eine Alternativroute nehmen, die ihn über einen Feldweg führte. Dort landete er dann auf einmal mitten in einer Sandkuhle. „Da musste ich absteigen und das Rad schieben, die ganze Kette war danach voll mit Sand“. Im nächsten Ort habe er das Rad dann aber mit einem Hochdruckreiniger wieder sauber gemacht und dann durch Weißrussland und Litauen gefahren, so Comandatore.

Plötzlich umzingelt

„Was neues“ erlebte der Mainzer schließlich in Lettland. Dort wurde er nämlich plötzlich umzingelt, die Situation sehr kritisch. Es waren aber keine Diebe, die dem Mainzer zu schaffen machten, sondern ausgerechnet Bienen. „Sie kamen auf einmal von überall her und waren sehr aggressiv.“ Je schneller er gefahren sei desto wilder seien die Tiere geworden. Letztlich, so Comandatore, habe er sich eine lange Hose, ein Shirt mit langen Ärmeln angezogen, eine Brille aufgesetzt und den Mund zugemacht und sei ganz langsam weitergefahren, um nicht gestochen zu werden. „Am Ende war ich froh, dass ich das überstanden habe, ohne gestochen zu werden.“

Im Schnitt sei er 120 Kilometer pro Tag gefahren, sagt Comandatore. Um gut bei Kräften zu sein, habe er um 5:30 Uhr reichlich gefrühstückt, alle drei Stunden wieder gegessen und rund acht Liter Wasser am Tag getrunken. Da er anfangs zu viele warme Anziehsachen eingepackt hatte, habe er dann unterwegs rund sieben Kilogramm Gepäck per Post wieder nach Deutschland geschickt. Schließlich kam der Mainzer nach 22 Tagen in Moskau an. „Da habe ich mich wie ein Weltmeister gefühlt“, sagt Comandatore. Am Roten Platz gönnte er sich dann ein Bier und kam dabei wieder mit vielen Leuten ins Gespräch.

Ex-Bundesliga-Trainer nicht erkannt

Dass er sich dabei unter anderem auch mit einem Fußball-Promi unterhalten hatte, fiel dem Mainzer gar nicht auf. „Ich habe dort auch mit einem Deutschen gesprochen, der sagte, dass er aus Hannover kommt. Am Ende haben wir ein Foto gemacht. Erst mein Bruder hat mich später darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Mann um den ehemaligen Bundesliga-Trainer Mirko Slomka gehandelt hat“, so Comandatore.

Eigentlich wollte sich der gebürtige Italiener in Moskau dann die Vorrunden-Partie Deutschlands gegen Mexiko angucken. Doch nachdem er in vier Bewerbungsphasen um Tickets jeweils leer ausgegangen war und er auch vor Ort keine regulären Tickets mehr bekam, entschied er sich für das Public Viewing. „Die Fanmeile war ein Traum und die Russen sehr gastfreundlich. Es war wirklich ein Fest der Völkerverständigung“, so Comandatore. Alles sei friedlich abgelaufen und die Stimmung grandios gewesen. Nach einer Woche in Moskau habe er sich dann schließlich auf den Heimweg gemacht. Auf das Fahrrad sei er dafür aber nicht mehr gestiegen. „Für den Rückweg habe ich dann doch ein Flugzeug genommen“, sagt Commandatore.

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