Seit 20. März ist die Mainbrücke bei Hochheim auf der A671 voll gesperrt. Bis die Arbeiten vollständig abgeschlossen sind, wird es jedoch noch dauern. Der Verkehr soll erst im Juli wieder ohne Einschränkungen fließen können. Ursprünglich sollten die Instandssetzungsarbeiten bereits Ende April abgeschlossen sein.
Grund für die Verzögerungen sind zusätzliche Schäden an der Brücke, die erst während der Bauarbeiten entdeckt und daraufhin untersucht wurden (wir berichteten). Inzwischen muss die gesamte Brückenfahrbahn erneuert werden. Die Aspahltdecke wurde in den letzten Jahren undicht, sodass das Stahl-Deckblech, das die Fahrbahn trägt, angerostet ist. Ursprünglich sollten nur die verschlissenen Fahrbahnübergänge an den Brückenenden ausgestauscht werden. Die Vorbereitungen begannen bereits im Herbst – inklusive Wochenendsperrungen.
Wurden die Arbeiten zwischenzeitlich unterbrochen?
Doch kam es zu Verzögerungen, weil die Arbeiten zwischenzeitlich unterbrochen wurden? Manche Merkurist-Leser teilten diese Vermutung in einem Snip. „Bei dem ausgelösten Verkehrschaos sollte 24/7 gearbeitet werden“, heißt es in dem Snip. Auf Anfrage beteuert ein Sprecher der Autobahn GmbH, dass die Arbeiten „soweit möglich“ rund um die Uhr stattfinden.
Durchgehend gearbeitet werden könne allerdings nicht immer. An Feiertagen werde aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht gearbeitet. Sonntags seien Arbeiten laut dem Sprecher dann möglich, wenn dies arbeitsrechtlich zulässig ist und „im Sinne der gerade auszuführenden Arbeitsschritte“ notwendig erscheint. Zudem müsse der Baulärm nachts reduziert werden.
Auch das Wetter muss mitspielen: Einige der Arbeitsschritte seien witterungsabhängig, insbesondere bei der Instandsetzung der Schäden. Viele Baumaterialien benötigen für ihren Einbau bestimmte Witterungsbedingungen oder brauchen im Nachgang Zeit zum Trocknen und Aushärten, erläutert der Sprecher.
Bis zum Abschluss der Bauarbeiten werden weiterhin die betroffenen Bereiche des Stahl-Deckblechs instand gesetzt, neu abgedichtet und anschließend die Fahrbahn neu asphaltiert. Die Autobahn GmbH des Bundes geht zurzeit von einer Verkehrsfreigabe im Juli aus. Das bestätigt sie am Dienstag (9. Juni) gegenüber Merkurist. Unklar bleibt weiterhin, ob eine frühere Öffnung der Mainbrücke und eine Verkehrsführung mit einem Fahrstreifen pro Fahrtrichtung möglich ist. Dazu könnten bislang keine Angaben gemacht werden.
Immer wieder Staus in den angrenzenden Orten
Die Sperrung bringt seit über zwei Monaten immense Belastungen für die umliegenden Ortschaften mit sich. Eigentlich nutzen die Autobahnbrücke nach Betreiberangaben täglich rund 67.000 Fahrzeuge, darunter 8,5 Prozent Schwerverkehr. Der Verkehr wird zwischen den Anschlussstellen Hochheim-Süd und Gustavsburg über andere Autobahnen großräumig umgeleitet. Doch viele Verkehrsteilnehmer umfahren die Brücke von Hochheim über Mainz-Kostheim nach Gustavsburg.
Dort kommt es regelmäßig zu erheblichen Verkehrsbehinderungen – für Autofahrer, Anwohner, Lastwagen und die Stadtbusse. Emil, ein Anwohner aus Kostheim, berichtet gegenüber Merkurist, dass sein Bus zur Uni öfter verspätetet ist, weil der Verkehr immer wieder an den Hauptstraßen stockt. Zu Beginn der Sperrung, noch bevor die Wiesbadener Stadtpolizei am Ortsausgang Kontrollen durchführte, haben sich die Fahrzeuge in Kostheim sogar durch die Wohnstraßen gestaut (wir berichteten). Entlang der angrenzenden Straßen wurden laut der Autobahn GmbH die Ampelschaltungen durch Hessen Mobil angepasst, um mehr Grünphasen zu ermöglichen.
Auch Christian spürt die Auswirkungen der Sperrung deutlich. Als Handwerker ist er regelmäßig in Hochheim und Umgebung zu Aufträgen unterwegs. Mittlerweile fährt er aus Mainz wesentlich früher los – um bereits vor 7 Uhr auf der anderen Rheinseite zu sein. Er versucht seine Termine in und um Hochheim auf bestimmte Tage zu bündeln und die Autobahn zu meiden. Das gelinge mal besser, mal schlechter, erzählt Christian. Dennoch stehe auch er immer wieder im Stau. „Da muss man die Kunden um Geduld bitten und mehr Zeit einplanen.“
Auch 2027 Bauarbeiten an der Brücke
Die Autobahngesellschaft plant im Übrigen, die Vorlandbrücke auf der Mainseite Richtung Wiesbaden in den nächsten Jahren durch einen Neubau zu ersetzen. Die vorbereitenden Bauarbeiten könnten womöglich schon im nächsten Jahr beginnen, heißt es auf der Projektwebseite. Dazu soll die Brücke auf der einen Hälfte befahrbar bleiben, währen die andere Hälfte neugebaut wird.