Mainzer Gruppen fordern Umbenennungen von „belasteten“ Straßennamen

15 Straßen und Plätze tragen bis heute Namen von Nationalsozialisten. Warum werden sie nicht umbenannt? Einige politischen Gruppen in Mainz fordern nun, diese historisch belasteten Namen endlich aus dem Mainzer Stadtbild zu entfernen.

Mainzer Gruppen fordern Umbenennungen von „belasteten“ Straßennamen

Einst ernannte er als Reichspräsident Adolf Hitler zum Reichskanzler, er war Ehrenbürger und hatte mehrere Ehrendoktorwürden inne. In Mainz ziert Paul von Hindenburgs Name seit vielen Jahren einen Platz sowie eine Straße in der Neustadt. Solche Denkmäler sind bis heute umstritten. „Wir halten es für inakzeptabel, dass Nationalsozialist*innen und Antidemokrat*innen noch heute durch Denkmäler und Straßennamen geehrt werden“, heißt es nun in einem offenen Brief, den 17 politische Gruppierungen an die Fraktionen des Mainzer Stadtrats geschickt haben. Unter den Unterzeichnern der Aktion „Bunte Straßen, buntes Mainz“ finden sich etwa die Jusos Mainz und die JUSO der Hochschulgruppe, Fridays for Future Mainz, die Grüne Jugend, Extinction Rebellion sowie die Linke Liste.

„Fehlende Aufarbeitung der Geschichte“

Hindenburgplatz, Pfitznerstraße, Mölderstraße: 15 Mainzer Straßen und Plätze sollen umbenannt werden, so die Forderung. Denn die Namen seien „Ausdruck eines größeren Problems der fehlenden Aufarbeitung der Geschichte, die zu der anhaltenden Ehrung von Nationalsozialist*innen und deren Unterstützer*innen führt.“ Stattdessen sollen die Namen von Opfern rechtsextremer und rassistischer Anschläge auf den Schildern stehen.

Bei der Stadt Mainz beschäftigt sich seit 2011 die Arbeitsgruppe „Historische Straßennamen“ mit der Thematik. Unter ihnen sind etwa Historiker und Angehörige des Stadtarchivs und des Amts für Kultur und Bibliotheken sowie Mitglieder der Stadtratsfraktion. Ihre Aufgabe ist es, die historisch belasteten Straßen- und Platznamen zu überprüfen und Vorschläge zum Umgang mit diesen zu machen. Lösungen werden dann gemeinsam mit den jeweiligen Ortsbeiräten und dem Stadtrat entwickelt. Bislang kommen aus Sicht der Arbeitsgruppe drei Möglichkeiten in Betracht: ergänzende Hinweise auf den ehemaligen Namen, eine Rückbenennung zum Namen vor 1933 oder die Umbenennung in einen neuen, unbelasteten Straßennamen.

Jeder in Frage kommende Name wird innerhalb der Gruppe diskutiert, insgesamt sind das 148. Die Namen „Hindenburgplatz“ sowie „Hindenburgstraße“ empfiehlt die Arbeitsgruppe „nach eingehender Diskussion“ beizubehalten. Es liegen „keine hinreichenden Gründe für eine Umbenennung“ vor, heißt es in einem Bericht aus dem Jahr 2020. Anders ist es bei der Pfitznerstraße in der Mainzer Neustadt. Der Komponist Hans Pfitzner habe sich „auch noch nach 1945 als unbelehrbarer Antisemit gezeigt“, so die Begründung. Ähnlich entschieden die Mitglieder bei der Agnes-Miegel-Straße in Finthen. Die Schriftstellerin hatte sich öffentlich positiv über Adolf Hitler geäußert. Die Poppelreuterstraße wurde bereits in „Im Sommergarten“ umbenannt.

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