Mit im Stadtgebiet platzierten Aufklebern möchte das Frauenbüro der Stadt auf den Internationalen Frauentag aufmerksam machen und Denkanstöße geben. Passanten sollen dazu eingeladen werden, über die Fortschritte, aber auch die bestehenden Herausforderungen der Frauenbewegung nachzudenken. Gerade in Zeiten intensiver politischer Debatten – etwa um den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, Gleichstellung oder den Schutz vor Gewalt – stehen diese mehr denn je im Fokus.
„Der Internationale Frauentag ist für mich kein symbolischer Termin im Kalender, sondern ein kraftvoller Erinnerungsruf. Er erinnert uns an den Mut der Frauen, die für ihre Rechte gekämpft haben, und daran, dass dieser Kampf noch nicht beendet ist“, sagt Oberbürgermeister Nino Haase. „Gleichberechtigung passiert nicht von allein, wir müssen sie jeden Tag verteidigen und voranbringen. Mainz steht klar für eine Gesellschaft, in der niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt wird.“ Die Stadt lädt alle Mainzerinnen und Mainzer ein, ihre Gedanken unter dem Hashtag #FrauenStärkenMAINZ zu teilen. Die Aufkleber sollen nach dem 8. März übrigens wieder entfernt werden.
Der Ursprung des internationalen Gedenk- und Aktionstags geht auf das Jahr 1857 zurück, als Textilarbeiterinnen in New York für bessere Arbeitsbedingungen und gleiche Rechte protestierten. Heute wird der Frauentag weltweit am 8. März als Symbol für den andauernden Einsatz für Gleichstellung und gegen Diskriminierung begangen.
Demos am Sonntag und Montag in der Innenstadt
Wie jedes Jahr ruft das Bündnis „Mach’s wie …“ dazu auf, am „feministischen Kampftag gegen Faschismus, Krieg und Patriarchat“ auf die Straße zu gehen. Das Motto des Bündnisses, an dem unter anderem die Partei Die Linke beteiligt ist, erinnert jährlich wechselnd an das Werk bedeutender Feministinnen. In diesem Jahr also „Mach’s wie Ettie Gingold“ – 8. März ab 17 Uhr am Theaterplatz.
Am Montag, 9. März, findet eine zweite Kundgebung vom Töchterkollektiv statt. In der bundesweiten Bewegung haben sich laut eigenen Angaben innerhalb weniger Wochen Tausende Menschen zusammengeschlossen, um gemeinsam den „Frauen*streik 2026“ zu organisieren. „Ohne uns Frauen steht vieles still. Der Frauen*streik zeigt, was passiert, wenn wir unsere Arbeit niederlegen“, heißt es auf der Homepage. Los geht’s um 16 Uhr am Gutenbergplatz.
Lesung, Film und Ausstellung
Bereits am Freitag, 6. März, liest Katharina Linnepe in der Kulturei aus ihrem Buch „Wenn das Patriarchat in Therapie“ geht, in dem sie humorvoll gesellschaftliche Verhaltensmuster, Glaubenssätze und Denkmuster entlarvt. Ab 19 Uhr, Eintritt frei.
Am Mittwoch, 11. März, zeigt das Ciné Mayence um 19:30 Uhr eine Auswahl an Kurzfilmen von drei französischen Regisseurinnen. Die Filme thematisieren weibliche Selbstbestimmung, familiäre Bindungen und unsere ökologische Zukunft. Im Anschluss findet ein Austausch mit den Regisseurinnen Apolline Andreys und Katia Crivellari statt. Gezeigt wird die Originalversion mit deutschen Untertiteln.
Im Landtag ist noch bis zum 1. April die Graphic Novel „Kreppl, Kokarden, Kanonen. Anna und die Mainzer Republik“ von Cornelia Kandler ausgestellt. In dieser kurzen, aber intensiven republikanischen Phase der Mainzer Republik wurden erstmals Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Mitspracherecht eingeführt, was auch für Frauen neue Möglichkeiten eröffnete. Kandler hat intensiv zu Frauen in der Mainzer Republik geforscht und verbindet in ihrem Werk nun diese wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den erzählerischen und gestalterischen Freiheiten einer Graphic Novel.
So kurz vor der Landtagswahl ist der Frauentag dieses Jahr politisch aufgeladen wie selten zuvor – und dürfte für viele Akteure ein willkommener Anlass sein, noch mal ordentlich Wahlkampf zu machen. So lädt etwa die SPD zu einer Matinée mit Malu Dreyer unter dem Motto „Warum Engagement heute zählt“. Am 8. März um 11 Uhr im Unterhaus.