Gutenberg-Museum Mainz erhält originalgetreuen Druckstock

Das Gutenberg-Museum in Mainz hat einen neuen Schatz: Ein dänischer Drucker hat die Druckvorlage einer 500 Jahre alten Armenbibel originalgetreu nachgebaut. Sie soll Besuchern die Technik vermitteln.

Gutenberg-Museum Mainz erhält originalgetreuen Druckstock

Ein neuer Schatz für das Gutenberg-Museum in Mainz: Der in Dänemark lebende Drucker Jorge Larguito hat einen über 500 Jahre alten Druckstock originalgetreu nachgebaut und dem Museum überreicht. Das teilt das Gutenberg-Museum mit.

Die Vorlage für den Nachbau war eine Seite der sogenannten Armenbibel (Biblia Pauperum), die das Museum 2024 für rund 1,85 Millionen Euro erwerben konnte. Bei der Armenbibel handelt es sich um eines der bedeutendsten Blockbücher aus dem 15. Jahrhundert. Für die detailgetreue Nachbildung aus einem einzigen Holzstück benötigte Larguito rund 100 Arbeitsstunden. „Nun können wir nicht nur das Originalwerk zeigen, sondern mit diesem beeindruckenden Exponat unseren Besucherinnen und Besuchern die historische Drucktechnik des Holzschnitts künftig auch anschaulich und nachvollziehbar vermitteln“, so Museumsdirektor Dr. Ulf Sölter.

Eine kleine Zeitreise

Jorge Larguito hat sich mit seiner Werkstatt auf die möglichst authentische Nachahmung historischer Drucktechniken spezialisiert. „Wenn man dann die Chance bekommt, ein Werk aus dem 15. Jahrhundert zu schnitzen, ist es wie eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit“, erklärt der Drucker, der für die Übergabe extra aus Dänemark anreiste. Wie beim historischen Vorbild wurde auch die Nachbildung aus einem einzigen Stück Holz gefertigt. Jeder Fehler beim Schnitzen hätte bedeutet, dass die Arbeit von vorne hätte begonnen werden müssen.

„Die Neuerwerbung zeigt uns noch einmal sehr anschaulich das Revolutionäre an Gutenbergs Erfindung“, so Dr. Nino Nanobashvili, Kuratorin für Buch- und Druckgeschichte. „Auf der einen Seite der Druckstock, bei dem alle Buchstaben und Bilder auf einer Holzplatte in einem Stück geschnitzt werden müssen. Und dagegen Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern, der sowohl Korrekturen zulässt als auch die flexible und wiederholte Nutzung der Lettern.“ Die Armenbibel und der neue Druckstock werden künftig in der Schatzkammer des Gutenberg-Museums in der Nähe der Gutenberg-Bibel ausgestellt.