Sandro Schwarz: Warum ich früher Busfahrer werden wollte

Von Stadionwurst bis Helene Fischer: Im großen Merkurist-Geburtstags-Interview spricht Mainz 05-Coach Sandro Schwarz über Privates und seine Arbeit als Trainer. Und verrät dabei Überraschendes.

Sandro Schwarz: Warum ich früher Busfahrer werden wollte

Heute feiert Mainz 05-Trainer Sandro Schwarz seinen 40. Geburtstag. Im Merkurist-Geburtstags-Interview spricht er auch über private Themen. Zum Beispiel sein peinlichstes Fastnachtskostüm, warum er als Kind unbedingt Busfahrer werden wollte und was ihn so richtig wütend macht.

  1. Notbremse oder Gegentor?

Schwarz: (Lacht) Das fängt ja gut an. Dann nehme ich lieber das Gegentor.

  1. Ballbesitz oder Konter?

Es gibt unterschiedliche Phasen im Spiel, das musst du beides beherrschen.

  1. Bruchwegstadion oder OPEL ARENA?

OPEL ARENA! Und das sage ich, obwohl ich viele tolle Erfahrungen im Bruchwegstadion gemacht habe.

  1. Stadionwurst oder Avocado-Burger?

Stadionwurst - definitiv.

  1. Sandro oder Herr Schwarz?

Sandro.

  1. Rheinland-Pfalz oder Hessen?

(Lacht) Rheinland-Pfalz!

  1. Facebook oder Instagram?

Nichts von beidem.

  1. Terminator oder Titanic?

Oh! Ich stehe schon auf Titanic, das muss ich zugeben.

  1. Hund oder Katze?

Ich bin ohne Haustiere groß geworden, da bin ich neutral.

  1. Weinstube oder Bierbar?

Unterschiedlich: mal so, mal so.

  1. Marktfrühstück oder Waldlauf?

Marktfrühstück.

  1. Klassenclown oder Streber?

Nichts von beidem. Wenn ich mich entscheiden müsste, eher Streber.

  1. TV-Serie oder Kinofilm?

TV-Serie. Wir gucken Zuhause gerade die Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht. Auf Englisch heißt die Serie 13 Reasons Why. Die Serie ist krass, es geht um das Thema Mobbing an der High School und wie Jugendliche mit Mobbing umgehen. Das finde ich sehr interessant.

  1. Helene Fischer oder Metallica?

(Überlegt) Ich war mal auf einem Helene Fischer-Konzert. Es war in Ordnung, ich hatte Spaß mit der Runde, mit der ich da war. Ich hatte es meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt und bin mitgegangen. Aber sonst höre ich lieber Depeche Mode.

  1. Neustadt-Hipster oder Altstadt-Flair?

Altstadt.

  1. Stau oder Mainzelbahn?

(Lacht) Stau! Nee, natürlich die Mainzelbahn.

  1. Sie werden heute 40. Was halten Sie von 40 Punkten am Ende der Saison?

Wir haben die „magischen 40 Punkte“ nicht als Ziel ausgegeben, sondern das übergeordnete Ziel ist einfach der Klassenerhalt. Wie viele Punkte man dafür am Ende braucht, steht auf einem anderen Blatt. Wir wollen die Spieler und die Mannschaft auf ein höheres Niveau bringen.

  1. Was fiel Ihnen mit 20 leichter als heute?

Wahrscheinlich der Waldlauf. Das ging damals einfacher von statten. Das Aufstehen passt, das geht immer noch ganz gut (lacht).

  1. Und was können Sie heute besser?

Puh, gute Frage. Wahrscheinlich die Lebenserfahrung. Menschen zu führen und mit ihnen zu kommunizieren. Da habe ich Erfahrungen als Trainer und Vater gesammelt.

  1. Und was würden Sie generell gerne besser können?

Fremdsprachen. Mein Englisch ist zwar ganz gut, aber ich habe mich generell immer schwer damit getan, Sprachen zu lernen.

  1. Ihr Vater ist Italiener. Sprechen Sie auch Italienisch?

Ich verstehe auch Italienisch ganz gut, aber sprechen kann ich nur ein paar Sätze.

  1. Was wollten Sie als Kind werden?

Busfahrer (lacht). Wir haben in Ginsheim beziehungsweise Bischofsheim gewohnt und ich bin dann immer mit meinen ganzen Kumpels von dort nach Mainz in die Schule gefahren. Wir hatten so viel Spaß im Bus, dass wir alle irgendwann den Berufswunsch hatten, Busfahrer zu werden. Wir hatten echt Spaß, wenn wir hinten zusammen saßen und so kam das dann. Irgendwann hat uns jemand gesagt, dass der Job aber nicht immer so spannend ist (lacht).

  1. Würde der Trainer Sandro Schwarz den Spieler Sandro Schwarz aufstellen?

Wenn er Leistung bringt, dann schon.

  1. Und würde der Spieler Sandro Schwarz mit dem Trainer Sandro Schwarz auskommen?

Eigentlich auch ganz gut, muss ich sagen. Kommunikation war mir schon als Spieler wichtig und das ist es mir jetzt auch als Trainer. Es hätte wahrscheinlich immer wieder Reibungspunkte zwischen dem Spieler Schwarz und dem Trainer Schwarz gegeben, das ist aber auch normal. Ich war als Spieler nicht nachtragend und bin es als Trainer auch nicht, wir hätten wohl eine gute Verbindung.

  1. Bei welchem Thema müssen Sie aufpassen, dass Sie nicht wütend werden?

Wenn es um das Thema Gerechtigkeit geht, dann kann ich schnell sehr emotional werden. Auch so etwas wie Schubladendenken mag ich nicht. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat und dann über mehrere Wochen in eine Schublade gesteckt wird, das finde ich nicht gut.

  1. Was an Ihnen ist italienisch?

Meine Emotionen. Ich kann schon sehr temperamentvoll sein. Dann gebe ich die Dinge vielleicht nicht immer in einer ruhigen Tonlage von mir (lacht).

  1. Bei Mainz denke ich sofort an…

… Mainz 05.

  1. Mein Lieblingsort in Mainz ist…

… die OPEL ARENA!

  1. Mein schlimmstes Fastnachtskostüm war…

… ein rosafarbener 80er-Jahre-Anzug. Den habe ich schon öfter an Fastnacht getragen, das muss so in den frühen Zweitausendern gewesen sein. Es war ein richtiger 80er-Jahre-Anzug, wie er im Buche steht, mit ganz weiten Hosen und Schulterpolstern. Manchmal bin ich auch schon als Football-Spieler gegangen, so richtig in voller Montur. Bei gefühlten 100 Grad musste ich in den Kneipen aber den Helm abziehen, das wurde doch ein bisschen zu warm.

  1. Mein Lieblings-Fastnachtslied ist…

Verliebt in eine Stadt von Oliver Mager.

  1. Mainz ist schöner als Wiesbaden, weil…

… es zwar in Wiesbaden auch schöne Flecken gibt, aber nicht so viele.

  1. Sehr gut lachen kann ich über…

… mich selbst.

  1. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, denke ich…

… Kappe anziehen!

  1. Das letzte Mal im Q-Block war ich…

… noch zu Bruchweg-Zeiten. Das muss ein Pokalspiel der U23 gegen Borussia Mönchengladbach gewesen sein. Da standen wir mit der Profi-Mannschaft im Q-Block und haben die Jungs angefeuert. Leider haben sie im Elfmeterschießen verloren.

  1. Wenn ich nicht Fußballer geworden wäre, dann wäre ich jetzt…

… Busfahrer (lacht).

  1. Der bisherige Höhepunkt meiner Trainerkarriere war...

… das kann ich so nicht sagen. Der Höhepunkt meiner Karriere ist, wenn ich eine tolle Bindung zu meinen Jungs habe und darüber hinaus auch Spiele gewinne. Ich hatte diese Momente auf allen meinen bisherigen Trainerstationen.

  1. Der Tiefpunkt meiner Trainerkarriere war...

… das kann ich so auch nicht sagen. Man muss auch mit schmerzhaften Rückschlägen umgehen können. Gleichzeitig muss man begreifen, dass sie immer auch ein Wendepunkt sein können, an dem sich wieder etwas zum Positiven verändert.

  1. Als Jean-Philippe Mateta im September gesagt hat „Warum nicht Meister mit Mainz 05 werden?“, hab ich gedacht...

… da habe ich überhaupt nichts gedacht, ich habe mich vorm Fernseher kaputtgelacht. Er hat am Sonntagabend das Interview in der SWR-Sendung Flutlicht gegeben. Montags war frei und am Dienstag habe ich ihn dann gefragt, ob er die Übersetzungen vom Dolmetscher richtig verstanden hat. Und dann hat er sich auch kaputtgelacht.

  1. Am Ende der Saison machen wir eine Riesenparty vor dem Theater, wenn…

(Überlegt)… wenn wir im Verein mit unserer Spielweise zufrieden sind. Also wenn es so ein bestimmtes Bild gezeigt hat, wie der Weg von Mainz 05 aussieht. Und die Leute auch zufrieden sind und sehen, dass sich der Verein und die Mannschaft komplett verausgabt haben. Wenn man im Verein und in der Stadt das Gefühl von Zusammenhalt hat.

  1. Diese Merkurist-Schlagzeile möchte ich mal über mich lesen:…

… Busfahrer Schwarz erzielt drei Punkte in Flensburg (lacht). Aber im Ernst: Fahrt bitte anständig, Leute!

Danke für das Gespräch, wir wünschen einen schönen Geburtstag, Sandro Schwarz!

Das Interview führten Ralf Keinath und Peter Kroh

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