Warum das Mainzer Impfzentrum von Dr. Umlauf geschlossen hat

Anfang Dezember eröffnete der Arbeitsmediziner Dr. Mathias Umlauf in Hechtsheim ein eigenes Impfzentrum. Seitdem hat er fast 40.000 Menschen gegen das Corona-Virus geimpft. Nun beendet er den Impfbetrieb. Wir haben mit ihm gesprochen.

Warum das Mainzer Impfzentrum von Dr. Umlauf geschlossen hat

Am 1. Dezember ging es los. 500 bis 1000 Impfungen gegen Covid-19 wollte Dr. Mathias Umlauf in seiner Arztpraxis in Hechtsheim täglich verabreichen, so war damals der Plan. Um diese großen Mengen organisatorisch stemmen zu können, schloss er sich mit „Schnelltest Deutschland“ zusammen. Über die Plattform konnte man einen Termin zum Testen vereinbaren, der dann gleichzeitig der daran anschließende Impftermin war. Die Teststation war direkt vor der Praxis des Arbeitsmediziners eingerichtet worden. Nur wer getestet war, erhielt auch Eintritt in die Praxis. „Das war unser Alleinstellungsmerkmal: Durch den Schnelltest wussten wir direkt, ob aktuell eine Infektion vorliegt“, erklärt er im Rückblick.

Personal aufgestockt

Inzwischen ist Umlauf dabei, die Räumlichkeiten in Hechtsheim umzubauen. Im November erst war er in die Athener Allee umgezogen. „Das war das perfekte Timing, um den Schritt zum Impfzentrum zu gehen.“ Er richtete also die Räume erst einmal nicht für seine arbeitsmedizinische Praxis ein, sondern für die Impfungen von täglich Hunderten von Menschen. Er fragte Rettungsdienstler, ob sie ihn beim Impfen unterstützen, administratives Personal kam von Schnelltest Deutschland. „Unser Team war plötzlich von zwei auf 20 Leute gewachsen, anders wäre das nicht zu stemmen gewesen.“

„Die Leute fragten, ob ich auch ihre Familienmitglieder impfen kann, da wird der Aufwand sehr schnell sehr groß“ – Dr. Mathias Umlauf

Geimpft hatte er schon vor Eröffnung seines Impfzentrums, jedoch nur die Mitarbeiter seiner Kunden – Betriebe und Unternehmen, die er als Betriebsarzt betreut. Doch die Nachfrage stieg immer mehr an: „Die Leute fragten, ob ich auch ihre Familienmitglieder impfen kann, da wird der Aufwand sehr schnell sehr groß“, so Umlauf. So kam ihm die Idee, seine Tätigkeit als Betriebsarzt für einige Zeit zu unterbrechen und ein eigenes, privates Impfzentrum aufzubauen.

Mit Erfolg: Nach eigenen Angaben hat Umlauf seit seinem Start im Dezember 38.877 Impfungen durchgeführt, von knapp 600 am ersten Tag bis fast 2000 kurz vor Weihnachten. Seit Anfang Januar hat die Zahl der von ihm geimpften Menschen wieder abgenommen, etwa 200 waren es nun noch. Kurz vor Schließung seines Impfzentrums kam sogar Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zu Besuch, um Dr. Umlauf sowie seinem Team „für den Einsatz in den vergangenen Wochen“ zu danken.

Warum das Impfzentrum jetzt geschlossen hat

Nun hat der Arbeitsmediziner seinen Impfbetrieb eingestellt. Viele Merkurist-Leser interessiert die Frage, warum er den Betrieb nicht fortsetzt: „Warum schließt das private Impfzentrum Dr. Umlauf in Hechtsheim?“, fragt etwa eine Leserin in einem Snip. „Wenn man sieht, wie rückläufig die Zahl der ‘Impfwilligen’ seit Weihnachten war, wird es sich nicht mehr gelohnt haben, die Infrastruktur vorzuhalten. Dr. Umlauf kehrt zu seiner eigentlichen Tätigkeit zurück“, vermutet eine andere Leserin.

Tatsächlich gebe es die aktuelle Auslastung nicht her, den Betrieb als Impfzentrum fortzuführen, sagt der Arzt selbst. „Mit den wenigen Menschen, die jetzt noch kommen, ist es nicht mehr kostendeckend.“ Nun wird Umlauf endlich seine neue Praxis als Betriebsarzt einrichten und seinem eigentlichen Beruf wieder nachgehen.

Dass er eines Tages wieder ein solches Impfzentrum einrichten wird, halte er für unwahrscheinlich. Zum einen habe er dann seine Arztpraxis eingerichtet, zum anderen sehe er nicht, dass Impfungen gegen Covid-19 langfristig die Lösung sein können. „Ich bin ein großer Verfechter von Impfungen. Doch gegen die Pandemie können sie nicht allein die Rettung sein. Es müsste viel mehr darüber diskutiert werden, was im medizinischen und pflegerischen Bereich vorangetrieben werden kann, um die Versorgung der Menschen zu verbessern.“

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