Bewegende TV-Doku: So leben Mainzer Obdachlose in Corona-Zeiten

Welche Ängste, Sorgen und Nöte Mainzer Obdachlose in der Corona-Krise haben, zeigt eine aktuelle Doku des Senders 3sat. In „Besonders normal - Leben in Zeiten von Corona“ wird unter anderem auch die Arbeit des Vereins „Wohnsitzlos in Mainz“ gezeigt.

Bewegende TV-Doku: So leben Mainzer Obdachlose in Corona-Zeiten

Mainzer Obdachlose trifft die aktuelle Krise besonders hart. Viele karitative Einrichtungen mussten in den vergangenen Wochen schließen - aus Angst vor Ansteckung und weil soziale Distanz das Gebot der Stunde ist. Wie das Leben der Mainzer Obdachlosen aktuell aussieht und wie ihnen geholfen wird, ist unter anderem Thema einer TV-Doku des Senders 3sat. Im Mittelpunkt stehen Nathalie Böhm vom Verein „Wohnsitzlos in Mainz e.V.“ und die Obdachlose Nana.

Angst zu erkranken

So schildert die 49-jährige Böhm, die früher selbst obdachlos war, dass viele Obdachlose zurzeit Angst hätten, wenn sie hörten, wie viele Menschen an Corona erkranken und sterben. „Sie haben Angst, dass sie nirgendwo mehr hinkommen dürfen. Sie haben Angst zu verhungern, zu erkranken“, erzählt Böhm dem Fernsehteam. Viele Obdachlose hätten auch keinen Zugang zu den öffentlichen Medien, weshalb sie nicht umfassend über Corona informiert sind.

Das traf zunächst auch auf die 30-jährige Nana zu, die seit zehn Jahren mit ihrem Hund auf der Straße lebt und oft in der Mainzer Innenstadt zu sehen ist. Dass es eine Art Grippevirus gibt, habe sie zwar mitbekommen. Wie weit dieser sich aber schon ausgebreitet hat und welche Angst die Menschen davor haben, hätte sie erst im März mitbekommen. Dass die Hilfseinrichtungen letztlich schließen mussten, kam für Nana dann überraschend.

Obdachlose auf Spenden angewiesen

Weil bis zuletzt nur vereinzelt Leute in der Stadt unterwegs waren, bekamen die Obdachlosen auch nur wenige Spenden. Viele sind daher auf die Unterstützung durch „Wohnsitzlos in Mainz“ angewiesen, wie die Doku zeigt. Dort sorgt Nathalie Böhm, die nach einem Krebsleiden selbst zur Risikogruppe gehört, für den Einkauf beziehungsweise die Abholung der gespendeten Lebensmittel.

Auch die Aktion „Take Care“-Gutscheine (wir berichteten) wird in der Doku vorgestellt. Dafür kochen Mainzer Gastronomen für Obdachlose. Finanziert wird das Essen dabei durch private Spenden. Zudem wendet sich Böhm in der Doku an Privatpersonen mit der Bitte, Obdachlosen einen Rückzugsort in der Krise zu bieten. Unter anderem Gartenhütten in Schrebergärten oder Flächen auf Feldern wären hier schon geeigneter als die Unterbringung in Wohncontainern, schildert Böhm.

Die 3sat-Doku „Besonders normal - Leben in Zeiten von Corona“, in der auch noch über weitere Personen und Aktionen außerhalb von Mainz berichtet wird, kann in der 3sat-Mediathek abgerufen werden. (rk)

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