Ein Stück deutsche Geschichte in Mainz

Heute vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer - ein Ereignis, das ganz Deutschland und sogar die ganze Welt bewegte. Auch in der Stadt Mainz gab es kurz nach dem Jahrhundertereignis einige bewegende Momente.

Ein Stück deutsche Geschichte in Mainz

An diesem 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Familien, Freunde und Paare waren 1961 durch den Bau der Mauer auseinandergerissen worden. Umso größer war die Freude, das erste Mal ohne Probleme von der DDR in die BRD reisen zu können.

300 DDR-Bürger nach Mainz eingeladen

Schon in der ersten Woche, nachdem die Mauer in Berlin gefallen war, kamen über 300 Thüringer nach Mainz und auch 300 nach Wiesbaden. Die „Allgemeine Zeitung“ berichtete am 13. November 1989 darüber. Mit Stadtbussen wurden die Besucher am Grenzübergang in Herleshausen abgeholt. Der damalige Mainzer Oberbürgermeister Hermann-Hartmut Weyel und sein Stellvertreter waren in den Bussen selbst als Reiseleiter unterwegs, sie erzählten ihren Gästen von der Stadt Mainz, heißt es in dem Bericht.

Die Besucher wurden dann von Hunderten Mainzern durch die Stadt geführt. Es wurden Freundschaften geschlossen, Verabredungen getroffen. Insgesamt sechs Stunden dauerte der Besuch in der Stadt. In dem AZ-Artikel erzählt Hermine Mädler aus Gotha: „So eine Herzlichkeit, so ein Empfang.“ In einem weiteren AZ-Artikel vom 14. November 1989 sagte der damalige Mainzer Oberbürgermeister Weyel: „Die Freude der Leute, nach 28 Jahren zu uns kommen zu können, die Umarmungen und Tränen - das hat mich sehr, sehr bewegt.“

Am 14. Juli 1990 unterzeichneten Weyel und der Erfurter OB Manfred Ruge eine neue Partnerschaftsvereinbarung zwischen den Städten. Viele Kontakte und Freundschaften wurden bereits in den ersten Wochen geknüpft und bestehen teilweise bis zum heutigen Tag, heißt es auf der Seite der Stadt Mainz.

Ein Stück Berliner Mauer in Mainz

Doch nicht nur die Begegnung mit 300 DDR-Bürgern ist Teil der Mainzer Geschichte zum Mauerfall. An der Auffahrt zur Theodor-Heuss-Brücke steht seit zehn Jahren ein kleines Stück deutscher Geschichte: ein Teil der Berliner Mauer. Der Axel-Springer-Verlag hatte sich 16 Originale gesichert und je eines von ihnen 2009 jedem Bundesland überreicht. Ziel war es, an die Geschichte des geteilten Deutschlands zu erinnern.

Auch auf dem Gutenbergplatz stand schon ein Stück der Berliner Mauer: Der New Yorker Pop-Art Künstler James Rizzi hatte sie gestaltet und entworfen. Das 3,8 Tonnen schwere Mauerstück wurde im Jahr 2014 direkt aus Berlin nach Mainz transportiert. Der Frankfurter Hof stellte für ein paar Wochen rund 500 Exponate aus dem Nachlass des Künstlers aus - darunter das Stück Berliner Mauer. (rk)

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