Die „Sintflut“ am Rhein: Als das höchste Hochwasser Mainz überschwemmte

Vor 140 Jahren, am 28. November 1882, stieg der Pegel bei Mainz auf fast acht Meter an – mit verheerenden Folgen.

Die „Sintflut“ am Rhein: Als das höchste Hochwasser Mainz überschwemmte

„Von Rastatt bis Mainz gleicht das Rheinthal […] einem Meere“, „es war als ob eine ‘Sündfluth’ am Rhein stattfinden würde“ – so beschreiben alte Aufzeichnungen den 28. November vor 140 Jahren. Auf Zeichnungen ist zu sehen, wie Helfer in Booten Menschen aus ihren Häusern in Mainz retten.

Auf 7,95 Meter war der Pegel damals angestiegen, das Wasser schwappte über das Ufer und verursachte viele Schäden. Tagelang hatte es stark geregnet, Teile der Mainzer Altstadt und Neustadt wurden komplett überflutet. „Dieses Hochwasser 1882/83 liegt statistisch im Bereich eines Extremhochwassers und hätte für Mainz noch schlimmer kommen können, wären nicht oberhalb von Mainz mehrere Deiche gebrochen“, sagte Heiko Wingert, Sprecher des Landesamts für Umwelt einmal gegenüber Merkurist.

Menschen wurden aus Booten heraus versorgt

Die Menschen fuhren mit Booten durch die Stadt, versorgten so die Leute in den oberen Stockwerken. Erdgeschossbewohner mussten ihre Häuser verlassen. Als alles überstanden war, ordnete das bischöfliche Ordinariat eine achttägige Bittandacht an. Sie sollte zur „Abwendung der Wassernot“ führen. Vier Jahre später wurde die Rheinstraße zum Hochwasserdamm umgebaut.

Eine Säule an der Rheinstraße, Ecke Fischtorplatz, weist noch auf das Ereignis hin:

Noch verheerender war wohl das Hochwasser, das mehr als 600 Jahre zurückliegt: 1342 verwüstete das Magdalenenhochwasser ganz Mitteleuropa und verursachte unvorstellbare Schäden. Der Pegelstand des Mains soll damals auf über zehn Meter gestiegen sein – die Stadt wurde überflutet. Fast alle Brücken im Rhein-Main-Gebiet wurden damals zerstört, Flussläufe änderten sich. „Für Mainz wird berichtet, dass das Wasser im Dom ‘einem Manne bis zum Gürtel gestanden’ hat“, so Wingert. Seit Beginn der regelmäßigen Pegelbeobachtungen vor fast 200 Jahren habe im Mainzer Dom nachweislich kein Rheinwasser mehr gestanden.

Das letzte extreme Hochwasser entstand 1988 – mit einer Pegelhöhe von 7,70 Metern. Damit landet es nach den Hochwassern 1882/83 auf Platz zwei der höchsten Pegelstände in Mainz. Erst zwei Jahre zuvor war der Hochwassermeldedienst für den Rhein eingerichtet worden. Ein solch verheerendes Hochwasser hat es danach nicht mehr gegeben. Die heutigen Hochwasserschutzmauern halten einem Pegel von 8,30 Metern stand.

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