Als Jens Lehmann durch das Bruchwegstadion irrte

Was war an diesem Nachmittag im Jahr 2009 nur in Jens Lehmann gefahren? Erst kostete eine dumme Aktion des Torhüters seiner Mannschaft den Auswärtssieg in Mainz. Dann irrte er noch durch das Bruchwegstadion und klaute einem Fan die Brille.

Als Jens Lehmann durch das Bruchwegstadion irrte

Jens Lehmann gehört zu den erfolgreichsten deutschen Torhütern. Mit seinen gehaltenen Elfmetern im WM-Viertelfinale 2006 brachte er die deutsche Nationalmannschaft in das Halbfinale. Außerdem gewann er unter anderem Meisterschaften in Deutschland und England. Seit der vergangenen Woche ist Lehmann neuer Co-Trainer des FC Augsburg und trifft mit seiner neuen Mannschaft am Sonntag auf Mainz 05. Vor beinahe zehn Jahren verlor er bei einem Spiel in Mainz die Nerven - und irrte danach durch das Bruchwegstadion.

An einem Sonntagnachmittag kurz vor Weihnachten spielte Lehmann mit dem VfB Stuttgart in Mainz. Früh waren die Stuttgarter in diesem Bundesligaspiel mit 1:0 in Führung gegangen und versuchten, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Allen voran: Jens Lehmann. Wo es nur ging, spielte der Torwart auf Zeit. Mal hielt er sich nach einem leichten Rempler mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter, wenig später rauschte Mainz-Stürmer Aristide Bancé in Lehmann - und der ließ sich danach minutenlang behandeln. Doch kurz vor Spielschluss sah Jens Lehmann dann buchstäblich rot.

Revanchefoul und Taxi-Suche

Nachdem er einen Ball gefangen hatte, stellte sich ihm Bancé in den Weg. Lehmann nutze die Chance zur Revanche und trat dem Stürmer mit voller Absicht auf den Fuß. Anschließend zeigte der Torwart mit dem Finger: „Ich habe nichts gemacht.“ Hatte er eben doch: Und Schiedsrichter Wolfgang Stark entschied nicht nur auf Elfmeter für Mainz 05, sondern zeigte Lehmann auch noch die rote Karte. Mainz schoss den Ausgleich und Lehmann legte sich auf dem Weg in die Kabine mit einem Mainzer Ordner an. Doch das war erst der Beginn seiner Odyssee durch das Bruchwegstadion.

Minuten später stapfte Lehmann durch die Räume im Haupttribünentrakt des Stadions. Der noch immer aufgebrachte Torwart war auf der Suche nach einem Taxi, denn nach der Heimreise mit den Teamkollegen im Mannschaftsbus war ihm offenbar nicht zumute. Von Fernsehkameras verfolgt ließ Lehmann sich von Fans erklären, wie er auf schnellstem Wege ein Taxi erreichen könnte. Doch irgendwie fanden der Torwart und die Fan-Entourage einfach keinen Weg aus dem Stadion. Als ihn ein Fan dann noch vor dem Stadion ansprach und sagte „Mensch, sei doch einmal normal“, klaute Lehmann diesem die Brille. Noch immer von Kameras verfolgt, gab er sie über einen Mittelsmann nach einigen Sekunden wieder.

„Was soll ich jetzt dazu sagen?“ - Stuttgart-Manager Horst Heldt

In den Bruchweg-Katakomben versuchte Stuttgart-Manager Horst Heldt irgendwie zu beschwichtigen: „Es ist doch klar, dass nach so einer Situation erstmal die Nerven blank liegen. Was soll ich jetzt dazu sagen? Soll ich eine vernünftige Antwort geben? Das kann ich nicht.“ Als Lehmann endlich ein Taxi gefunden hatte, ließ er sich zum Frankfurter Flughafen bringen und flog von dort weiter nach München. Von da aus ging es in sein Haus am Starnberger See. Und in den kommenden Tagen gab es in den bundesweiten Medien nur ein Thema: Jens Lehmann und seine Odyssee am Bruchweg.

(nh)

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