Als die Mainzer Fastnacht ausfiel

Vor 30 Jahren wurde die gesamte Mainzer Fastnacht abgesagt. Während in diesem Jahr die Corona-Pandemie der Grund dafür ist, dass es leise auf den Straßen ist, war es 1991 ein Krieg. Die Hintergründe.

Als die Mainzer Fastnacht ausfiel

So leise und grau wie jetzt, war es in den Mainzer Straßen schon lange nicht mehr zwischen Altweiberfastnacht und Aschermittwoch. In diesem Jahr sorgt die Corona-Pandemie dafür, dass die Fastnacht ausfällt. Doch während 2021 zumindest noch Online-Veranstaltungen stattfinden, gab es für Mainzer Fastnachter vor fast genau 30 Jahren nichts zu lachen. Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg fiel die Fastnacht 1991 einem Krieg zum Opfer. Der Beginn des Golfkriegs im Irak weckte die Frage nach Pietät und Sicherheit und beendete die Mainzer Fastnacht, bevor sie anfing.

„Wir können doch nicht mit fröhlichem Helau durch Mainzer Straßen ziehen, wenn gleichzeitig Tausende amerikanischer Frauen um das Leben ihrer Männer am Golf bangen.“ - Rudi Henkel, Mainzer-Carneval-Verein

„In der Nachbarstadt Wiesbaden steht das größte US-Lazarett für den Golfkrieg. Wir können doch nicht mit fröhlichem Helau durch Mainzer Straßen ziehen, wenn gleichzeitig Tausende amerikanischer Frauen um das Leben ihrer Männer am Golf bangen“, sagte der Präsident des Mainzer-Carneval-Vereins (MCV) Rudi Henkel damals der Tageszeitung (taz). „Das wäre doch pietätlos!“ Der MCV, der Mainzer Carneval Club (MCC) und 41 weitere Mainzer Kooperationen waren die ersten in Deutschland, die ihre Veranstaltungen schon Mitte Januar absagten. Auch „Mainz bleibt Mainz, wie’s singt und lacht“ fiel aus - das ZDF zeigte stattdessen eine Folge der Krimiserie „Eurocops“ und den Filmklassiker des amerikanischen Bürgerkriegs „Vom Winde verweht“.

Andere Städte sagten nur Teile ab

Doch es kam nicht bei allen gut an, dass die Mainzer Clubs und Garden ihre Veranstaltungen vergleichsweise früh absagten. Der „Bund Deutscher Karneval“ (BDK), eine Dachorganisation von etwa 3000 Mitgliedsvereinen im Land, fand es einen Tag vor Kriegsausbruch noch zu früh für Absagen. Der Bund empfahl laut taz, „die geplanten Karnevals- und Fastnachtsveranstaltungen zunächst durchzuführen und die Vorbereitungen für die Umzüge fortzusetzen.“ Nur „wenn es zu schwersten kriegerischen Auseinandersetzungen kommen sollte“, könnte „diese Auffassung geändert werden“. Am Ende sollte aber jeder Verein selbst entscheiden. In der Nacht nach dieser Empfehlung fielen die ersten Bomben im Irak, kurz danach gingen beim Kölner Karnevalisten anonyme Bombendrohungen ein. Daraufhin wurden auch dort alle Umzüge abgesagt - anders als in Mainz entschied man sich aber, andere Veranstaltungen stattfinden zu lassen und trotz des Krieges und des Sicherheitsrisikos zu feiern.

Gleichzeitig zeigten sich Mainzer Studenten berührt von den Ereignissen im Irak. Auf dem Platz vor der Christuskirche regte sich Widerstand gegen den Krieg. Um auf die Toten des Krieges aufmerksam zu machen, platzierten sie Ende Januar hunderte Holzkreuze auf der Grünanlage.

Keine erneute Absage wegen des Golfkriegs 2003

Durch die Absage der Mainzer Fastnachts-Veranstaltungen mussten die Vereine mit hohen finanziellen Verlusten kämpfen. Der MCV rechnete mit 500.000 Mark, der MCC mit 250.000 Mark. Einige Jahre später stand dann wegen des zweiten Golfkriegs erneut eine Absage der Fastnacht im Raum. Wie aus einem Artikel des Handelsblatts hervorgeht, wurde das Thema allerdings ganz anders behandelt, als noch 1991.

Die Fastnacht sollte in jedem Fall stattfinden, sagte der Vorsitzende des MCV Werner Mundo damals. Im Rückblick sei die Absage 1991 „Unfug gewesen“. Für einige kleinere Karnevalsvereine hätte sie fast das Aus bedeutet. Außerdem sei „immer irgendwo Krieg“. Wenn man deswegen ständig die Feiern absage, wäre die Fastnacht gestorben, sagte Mundo.

Zuletzt musste der Rosenmontagsumzug 2016 abgesagt werden

Zum letzten Mal vor 2021 wurde ein wichtiger Teil der Fastnacht vor fünf Jahren abgesagt. Der Rosenmontagsumzug konnte 2016 wegen einer Sturmwarnung nicht stattfinden. Die Vereine hatten Angst, dass die Teilnehmer von herabfallenden Ästen getroffen oder die Wagen durch Sturmböen umgeworfen werden könnten.

Logo