Als die Pulverturm-Explosion die Mainzer Innenstadt verwüstete

Vor 165 Jahren legte eine gewaltige Explosion Teile der Mainzer Stadt in Schutt und Asche. Die Trümmer flogen bis zum Rhein.

Als die Pulverturm-Explosion die Mainzer Innenstadt verwüstete

153 Tote, 57 komplett zerstörte Häuser und jede Menge zertrümmerte Dächer: Als am Nachmittag des 18. November 1857 der Pulverturm auf dem Kästrich explodierte, wurden Teile der Mainzer Innenstadt verwüstet, Menschen starben durch die Druckwelle, Fenster barsten.

Kein Haus in der Stadt sei unbeschädigt davongekommen, die Stephanskirche wurde zur Ruine – so berichtete es die Illustrierte Zeitung Leipzig nach der gewaltigen Explosion des Pulverturms. Die Wucht war so gewaltig, dass Trümmerteile Hunderte Meter weit flogen, bis zum Ballplatz, zum Weihergarten und sogar bis zum Rhein.

Ein Brocken ist heute noch zu sehen: Am Ballplatz liegt ein Giebelstein mit einem Gewicht von 620 Kilogramm. Er ist fast 500 Meter durch die Luft geflogen und hier eingeschlagen. Ein Messingschild erinnert an das Ereignis. Auf seinem Flug hatte er zusätzlich das Dach und mehrere Stockwerke des gegenüberliegenden Fechenbacher Hofs durchschlagen. Sogar die Fensterscheiben im Mainzer Dom und der Quintinskirche gingen zu Bruch. Der äußere, mittelalterliche Gauturm, der neben dem Pulvermagazin in der Bastion Martin stand, wurde komplett zerstört. Vor allem im angrenzenden Wohnviertel waren die Schäden enorm.

Die Ursache der Explosion konnte nie eindeutig geklärt werden. Möglicherweise hatte ein österreichischer Unteroffizier aus „Rachsucht“ das Pulvermagazin im Martinsturm in Brand gesetzt. Zur Zeit der Explosion lagerten rund zehn Tonnen Pulver im Lager, das insgesamt 60 Tonnen fassen konnte. Allein 120 Soldaten starben.

Sogar internationale Medien berichteten damals über das Ereignis, aus ganz Deutschland kamen Spenden, der Deutsche Bund zahlte Schadenersatz. Nach der Katastrophe entstanden mehrere Friedenspulvermagazine außerhalb der Stadt.

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