Abschlepp-Ärger am Bruchwegstadion: Das sagt die Stadt Mainz

Wurden genügend Halteverbotsschilder aufgestellt? Waren diese deutlich zu erkennen? Nachdem am Wochenende vom 18. Juni rund 120 Autos abgeschleppt wurden, gibt es noch viele offene Fragen. Das sagt die Stadt Mainz.

Abschlepp-Ärger am Bruchwegstadion: Das sagt die Stadt Mainz

Fast 120 abgeschleppte Fahrzeuge am Mainzer Bruchwegstadion: Das war die Bilanz vom vorvergangenen Wochenende (wir berichteten). Eigentlich fand an der Mewa Arena eine große Übung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) statt. Am Bruchwegstadion war ein Bereitstellungsraum des ASB aufgebaut, für den man entsprechenden Platz brauchte. Als die Übung am Samstag (18. Juni) stattfand, standen aber offenbar immer noch rund 120 Autos im Weg, die dann auch abgeschleppt wurden.

Die Stadt hatte danach erklärt, dass schon acht Tage vor der Übung Halteverbotsschilder aufgestellt worden seien – also am 10. Juni. Doch kurz darauf meldete sich eine Leserin bei Merkurist. Ihre Kritik: Die Schilder seien viel zu schlecht erkennbar aufgestellt worden. So seien beispielsweise im Bereich des Wohnmobilstellplatzes keine Schilder platziert worden, die Schilder, die am nächsten an ihrem Auto standen auf der anderen Seite des Parkplatzes, hätten entgegen der vorgegebenen Fahrtrichtung gestanden. Diese habe sie also erst am nächsten Morgen bemerkt – als ihr Auto schon abgeschleppt war. „Es gab wenige Schilder und die standen auch noch sehr weit weg von meinem Parkplatz.“

Leserin wusste zwei Tage nicht, wo ihr Auto ist

Auch im Nachgang sei das „Chaos“ weitergegangen, so die Leserin. Obwohl sie noch am Samstag die Polizeiinspektion und sämtliche Abschleppunternehmen wiederholt angerufen habe, habe sie den Standort ihres Autos „aufgrund der hohen Datenmenge“ erst am darauffolgenden Montag erfahren. Die Leserin habe also zwei Tage lang nicht gewusst, wo ihr Auto ist. Erst am Montag habe sie dies schließlich von der Verkehrsüberwachung erfahren. Mittlerweile habe sie mit anderen Betroffenen eine Whatsapp-Gruppe gegründet. Denn immerhin gehe es hier um voraussichtlich 400 Euro Kosten für jeden.

Doch was sagt die Stadt Mainz zu dem Abschlepp-Ärger? Auf Merkurist-Anfrage teilt ein Sprecher mit: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Stadt Mainz den Frust um die erforderlichen Abschleppvorgänge nachvollziehen kann.“ Der Sprecher weist aber auf die Wichtigkeit der Katastrophenübung des ASB hin. Die Übung diene dem Schutz der Bevölkerung und müsse deshalb problemlos stattfinden können. „Da die Einsatzkräfte des ASB sich bereits in ihrer Anreise befanden, bestand entsprechender Handlungsdruck vor Ort. Der genehmigte Raum für die Fahrzeuge musste entsprechend zur Verfügung gestellt werden, sodass kein zeitlicher Handlungsspielraum für eventuelle Kulanz gegeben war. Dies hätte andernfalls Verzögerungen im Ablauf der ASB-Katastrophenschutzübung bedeutet und war somit keine Option.“

Laut Stadt wurden 22 Schilder aufgestellt

Doch gab es dafür auch genügend Schilder? Laut Stadt-Pressesprecher seien insgesamt 22 Schilder mit Halteverboten auf dem gesamten Parkplatz aufgestellt worden. „Die Installation erfolgte am 10. Juni und ist somit klar innerhalb der vorgeschriebenen Frist von mindestens fünf Tagen.“ Die Schilder seien auch in Blickrichtung der Autofahrer aufgestellt worden, so dass man „sie beim Auffahren auf den Parkplatz erkennen konnte“, so der Sprecher. Dass auch einige Schilder entgegen der Fahrtrichtung aufgestellt worden seien, wie die Leserin sagt, ist laut Stadt-Pressesprecher richtig. Damit habe man auch Verkehrsteilnehmer erreichen wollen, die das „Verbot der Einfahrt“ missachten und entgegen der Fahrtrichtung auf den Parkplatz fahren.

Der Pressesprecher widerspricht der Aussage der Merkurist-Leserin, wonach es im Nachgang ein „Chaos“ gegeben habe. „Während der laufenden Abschleppmaßnahmen wurde am Abend des 17. Juni die Polizei fernmündlich über die laufenden Maßnahmen informiert. Um 0:01 Uhr wurde ein erstes Fax, der bis dahin abgeschleppten Fahrzeuge an die Polizei übersandt und diese zusätzlich nochmals telefonisch in Kenntnis gesetzt, dass noch weitere Abschleppmaßnahmen folgen. Am 18. Juni um 8 Uhr wurden dann die nach 0 Uhr entfernten Fahrzeuge an die Polizei per Fax übermittelt.“

Stadt will künftig mehr Schilder aufstellen

Dennoch erfuhr die Merkurist-Leserin offenbar erst am Montag, wo ihr Auto steht. Und mit ihr übersahen rund 120 weitere Autofahrer die 22 Schilder. Die Leserin sagt: „Das Ziel der Stadt muss es doch sein, mit dem Schildern die Bürger zu informieren. Dieses Ziel ist offensichtlich deutlich verfehlt worden.“ Sie habe die Stadt Mainz in der vergangenen Woche um Einsicht in den Beschilderungsplan gebeten sowie um einen persönlichen Termin, bei dem sie auch der Frage nachgehen möchte, welche Maßnahmen die Stadt Mainz in Zukunft aus dieser Situation ableiten wird. Eine Antwort habe sie bisher nicht erhalten.

Die Stadt zieht jedenfalls Konsequenzen aus dem Vorfall. Der Sprecher sagt: „In der Vergangenheit hat sich bei Veranstaltungen die Beschilderung als ausreichend erwiesen. Gemeinsam mit dem ASB haben wir beschlossen, bei zukünftigen Veranstaltungen dieser Größenordnung und dieser Priorität über den rechtlich verpflichtenden Rahmen hinaus zusätzliche Beschilderung aufzustellen.“

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