Party am Schillerplatz: Viele Impfpässe nicht kontrolliert

Um die Fastnachts-Party auf dem Schillerplatz gab es viele Diskussionen. Merkurist-Leser berichten unter anderem von fehlenden Einlasskontrollen zum Party-Gelände. Wir haben bei den Sicherheitsbeauftragten nachgefragt.

Party am Schillerplatz: Viele Impfpässe nicht kontrolliert

Für die einen war es eine ausgelassene Feier, für die anderen war es eine „Katastrophe“ – die Party auf dem Schillerplatz am Donnerstag sorgte angesichts der massiv steigenden Corona-Zahlen für viele Diskussionen. Befürworter der Veranstaltung rechtfertigten sie damit, dass sie unter der 2G-Regel stattfand und somit keine Gefährdung für Ungeimpfte gewesen sei. Obwohl das Land gut eine Woche zuvor Lockerungen für Veranstaltungen im Freien beschlossen hatte, entschied sich der Mainzer Carneval-Verein (MCV) dafür, die Veranstaltung in einem eingezäunten Bereich nur für Genesene und Geimpfte stattfinden zu lassen (wir berichteten). Merkurist-Leserin Gundula Müller berichtet nun von ausbleibenden Einlasskontrollen der 2G-Regel auf dem Schillerplatz:

„Keine Kontrolle der Impfnachweise am 11.11. in Mainz am Schillerplatz – absolute Katastrophe in der jetzigen Situation.“

So lief die Einlasskontrolle ab

Für die Einlasskontrolle zum Veranstaltungsgelände beauftragte der MCV dieselbe Firma, die schon in den vergangenen Jahren für die Sicherheit auf dem Schillerplatz gesorgt hatte. Der Chef der zuständigen Sicherheitsfirma Peter Geiger bestätigt: Die Einlasskontrollen am Schillerplatz erfolgten zeitweise nur stichprobenartig. Schon ab 8 Uhr ließen die Sicherheitsbeauftragten Leute mit einem Ticket für 12 Uhr auf den Schillerplatz. So sei es vor allem in den frühen Stunden der Veranstaltung zu einem besonders hohen Aufkommen an den Eingängen zum Gelände gekommen. „Das würden wir beim nächsten Mal anders machen“, räumt Geiger gegenüber Merkurist ein.

Zeitweise wurde so nur jede zehnte Person auf ihren Impfnachweis sowie ihren Personalausweis geprüft. Ab 11 Uhr habe man dann jedoch weitestgehend jede oder zumindest jede zweite Person kontrollieren können.

Die Sicherheitsbeauftragten vor Ort hätten abwägen müssen, wo das Risiko einer Corona-Infektion höher war – in der Warteschlange an den Eingängen oder auf dem Schillerplatz selbst. „In den Warteschlangen war es nicht möglich, die Abstände einzuhalten und das Tragen einer Maske war keine Pflicht. Deshalb war das Risiko einer Ansteckung hier größer als auf dem Schillerplatz selbst“, so Geiger. Auf dem Gelände hätte die Menschenmenge entzerrt werden können, da die Kapazität von 7500 Personen nicht ausgeschöpft worden sei. Zu keinem Zeitpunkt hätten sich mehr als 5400 Personen auf dem Schillerplatz befunden.

Der MCV hätte genauso wie die Sicherheitsbeauftragten entschieden: „In der Warteschlange standen die Leute Körper an Körper ohne Schutz, auf dem Gelände des Schillerplatzes gab es mehr Platz und weniger Gedränge“, sagt MCV-Pressesprecher Bernd Funke. Ohnehin sieht der Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch bei Veranstaltungen im Freien kein großes Ansteckungsrisiko (wir berichteten).

Erschwerte Kontrollen

Da das Land Rheinland-Pfalz erst gut eine Woche zuvor die Lockerungen für Veranstaltungen im Freien bekannt gegeben hatte, habe die rechtliche Grundlage für schärfere Kontrollen gefehlt, so Geiger. Die Sicherheitsfirma musste kurzfristig umplanen und hatte weniger Personal zur Verfügung. Zwar hätte man immer noch genügend Kapazitäten gehabt, um jede einzelne Person am Einlass zu kontrollieren, doch in dem Fall wäre es zu sehr langen Wartezeiten und somit wiederum zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko gekommen. Eine Maskenpflicht in den Warteschlangen oder auf dem Party-Gelände hätte man mit dem neuen Landesbeschluss gar nicht mehr rechtfertigen können. Trotz der erschwerten Kontrollen habe man jedoch einen „Großteil der Personen ohne Impfnachweis abgefischt“, so Geiger. Außerdem konnten die Sicherheitsbeauftragten drei gefälschte Impfausweise entlarven.

Vor der Veranstaltung mussten sich zudem alle Besucher beim Kartenkauf registrieren und ihre Anschrift und Telefonnummer abgeben. Dadurch habe man eine gute Datengrundlage bekommen, so Geiger. So habe man ein „Chaos“, wie es zeitweise in Köln zu sehen gewesen sei, in Mainz verhindern können.

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