Aerosolforscher über Schillerplatz-Party: Kein Superspreader-Event

Obwohl am 11.11. in Mainz viele Menschen dicht beieinander getanzt und gefeiert haben, dürfte die Party nicht zu einem massiven Anstieg der Corona-Infektionen führen. Warum das so ist, erklärt der Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch.

Aerosolforscher über Schillerplatz-Party: Kein Superspreader-Event

Am Donnerstag vermeldete das Robert-Koch-Institut neue Corona-Rekord-Infektionszahlen in Deutschland, gleichzeitig feierten tausende Menschen den 11.11. am Schillerplatz. Passt das zusammen? Jedenfalls sorgte die Feier zum für massive Kritik in sozialen Medien (wir berichteten). Auch wenn auf dem abgezäunten Feiergelände nur Partygäste mit Impf- oder Genesenennachweis und Ticket zugelassen waren, waren viele Menschen von diesen Bildern irritiert. Einige vermuteten sogar, dass wegen der Feier die Infektionszahlen in Mainz in den kommenden Tagen massiv ansteigen könnten.

Der Aerosolwissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch sieht keine Gefahr, dass die Feier zum 11.11. in Mainz nachträglich zum Superspreader-Event werden könnte. Der Grund: Die Feier fand im Freien statt. „Selbst wenn sich unter den Feiernden ein Infektiöser befunden haben sollte, kann der selbst unter schlechten Umständen nur ein oder zwei ihm sehr nahestehende Besucher infiziert haben“, sagt Scheuch gegenüber Merkurist. „Da sich aber die Aerosolwolke, die von einem Infektiösen ausgeht, nicht anreichern kann und sich im Freien schnell verteilt, ist eine Infektion von vielen Besuchern gleichzeitig nicht möglich.“

Welche Rolle spielt das Wetter?

Auch die oft erwähnte Saisonalität spiele in diesem Fall keine Rolle. Eine Zunahme von Ansteckungen in den kälteren Monaten des Jahres erklärt Scheuch nämlich so: „Zum einen halten sich die Menschen im Herbst oder Winter mehr in Innenräumen auf. Zum anderen begünstigen die klimatischen Bedingungen in Innenräumen in diesen Jahreszeiten das Überleben der Viren in der Luft.“

In einem Punkt gibt der Aerosolforscher den Kritikern Recht: Es sei bei der Feier durchaus der Eindruck entstanden, dass nun alles wieder normal ablaufen könne. Scheuch wünscht sich daher, dass bei vergleichbaren Großveranstaltungen deutlicher kommuniziert wird, dass die Events im Freien stattfinden und dort die Ansteckungsgefahr deutlich geringer sei. „Auch sehr große Räume, die gut belüftet sind, sind sehr gut geeignet, um darin Veranstaltungen auszurichten“, regt er an. Aufpassen müsse man dagegen bei Veranstaltungen in kleineren Räumen, in denen sich viele Personen befinden oder befunden haben. Von diesen Veranstaltungsorten gehe derzeit die Gefahr aus.

Scheuchs Tipps, um das Ansteckungsrisiko zu verringern: Wenn schon in Innenräumen treffen, dann möglichst kurz, häufig lüften, in großen Räumen treffen und wenn möglich, Luftfilter einsetzen und effektiven Mund-Nasenschutz tragen.

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