Koblenz' Fußball-Sehnsucht: Wann kommt das nächste Wunder?

Koblenz sehnt sich nach Profifußball wie zu den Glanzzeiten der TuS. Doch die Realität heißt Oberliga.

Koblenz' Fußball-Sehnsucht: Wann kommt das nächste Wunder?

Koblenz ist eine Stadt, die nach großem Fußball lechzt. Tausende Fußballfans in der Region wünschen sich Profifußball, so wie in Kaiserslautern für die Pfalz oder in Mainz für Rheinhessen. Dass Fußball dort mehr ist als nur das pure Verlangen nach dem Besonderen, sondern dass er auch einen wirtschaftlichen und kulturellen Wert hat, ist unbestreitbar. Und wenn die Vereine sportlich schwächeln, so wie das einige Jahre für den FCK galt und aktuell bei Mainz 05, dann leidet eine ganze Region mit.

In Koblenz leiden nur die wirklichen Fans, die vielen intensiven der TuS und die weit weniger vorhandenen bei Rot-Weiss oder Cosmos. Anfang des Jahrtausends, als die TuS Koblenz mit Trainer Milan Sasic in der Saison 2005/2006 in die zweite Bundesliga aufstieg, da war das Sommermärchen auch in der Rhein-Mosel-Stadt. In einem vollen Stadion Oberwerth, dem verbliebenen Mythos großer Tage und Spiele von TuS Neuendorf. Einem Verein mit Nationalspielern wie Jupp Gauchel, Karl Adam und Köbes Milz, mit Rudi Gutendorf, der später als Trainer die Welt eroberte, und vielen anderen. Aus Neuendorf wurde 1982 die TuS Koblenz.

Erinnerungen an das TuS-Wunder

Wie sehr Fußball, manchmal auch unabhängig von der Ligazugehörigkeit, elektrisieren kann, zeigte sich in der Saison 2003/2004, als die TuS Koblenz in die Regionalliga Süd aufstieg. Vor allem in der Vorrunde war das Team ein Favoritenschreck, schlug vor 10.000 Zuschauern auf dem Oberwerth die Amateure von Bayern München und auch den SV Darmstadt 98, den FC Augsburg und die Kickers aus Offenbach. Es war der vorweggenommene Beginn des TuS-Wunders, das in Liga 2 seine Fortsetzung fand.

Das ist eine Zeit her. Heute bewegt sich der Fußball im Norden des Rheinlandes zwischen der Regionalliga, wo die TuS und Rot-Weiss waren, und der Oberliga Südwest, wo auch die Eisbachtaler Sportfreunde, der FV Engers und Emmelshausen-Karbach spielen. Hier finden sie sich jetzt wieder, die Vereine, die einst in den 1940er und 1950er Jahren in der damaligen höchsten Liga, eben auch der Oberliga Südwest, hinter dem 1. FC Kaiserslautern und zusammen mit dem 1. FC Saarbrücken für Glanz sorgten: der FK Pirmasens, Wormatia Worms und der Koblenzer Verein, einst Neuendorf, heute die TuS. Und auch Engers war nach dem Krieg schon mit dabei.

Realität heißt Oberliga

Ob in Koblenz eine Fusion der Vereine helfen würde, ist eher fraglich. Das muss nicht immer die beste Rezeptur sein. Die TuS mit Trainer Michael Stahl und Präsident Christian Krey ist gut aufgestellt und auch bei Rot-Weiss und Cosmos läuft es im Rahmen des Gegebenen gut. Es reicht für die Oberliga, wohl eher nicht für mehr, vor allem für die beiden Letztgenannten.

Immer noch ist es die TuS, die Erwartungen weckt. Und vielleicht kommt ja bald das kleine Wunder, so wie zu Beginn dieses Jahrtausends. Regionalliga, Dritte Liga …, träumen ist erlaubt in einer Stadt, die nach großem Fußball lechzt.