Sie sind Familienmitglieder, begleiten ihre Besitzer ins Büro und fahren mit in den Urlaub. Doch wenn der Alarm losgeht, beginnt für sie ein anderer Alltag: Dann werden die Hunde der Rettungshundestaffel Rhein-Mosel zu Lebensrettern. Seit knapp 25 Jahren unterstützt der Verein aus Kottenheim bei Mayen die Suche nach vermissten Menschen in der Region.
Zu den 35 Mitgliedern der Staffel gehört auch Magdalena Molkenthin. Die 34-Jährige ist Hundeführerin, Suchtrupphelferin und Sanitäterin. Gemeinsam mit ihrer vierjährigen Hündin Lotta ist sie seit Anfang 2023 dabei.
Wenn nachts der Melder geht
„Ich kann sagen, dass ich meinen allerersten Einsatz natürlich niemals vergessen werde,“ berichtet die 34-Jährige. „Und auch heute ist jeder Einsatz für mich etwas Bewegendes. Schon allein der Moment, wenn der Melder geht, wir alarmiert werden und zur Einsatzstelle fahren.“
Zum Einsatz kommt die Staffel meistens, wenn ältere Menschen, darunter häufig Menschen mit Demenzerkrankung, vermisst werden. „Wenn die Person zusätzlich auf Medikamente angewiesen ist, dann ist es natürlich besonders kritisch“, berichtet Molkenthin. „Wir wissen natürlich nie, in welchem Zustand wir die Person auffinden werden.“ In solchen Situationen dränge die Zeit, da sich der Gesundheitszustand der vermissten Person, schnell verschlechtern kann. Doch auch bei vermuteter Suizidabsicht sowie anderen psychischen Ausnahmesituationen kommen die Teams zum Einsatz.
Ein Einsatzteam besteht dabei immer aus drei Teilen: dem Hund, dem Hundeführer und einem sogenannten Suchtrupphelfer, der den Funkkontakt hält und bei der Erstversorgung hilft. Bei der Suche nach Vermissten arbeiten die Ehrenamtlichen eng mit Polizei, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen zusammen.
Vom Familienhund zum Lebensretter
Außerhalb der Einsätze und des Trainings leben die Hunde ein ganz normales Leben. „ Es sind unsere privaten Hunde, die alle bei dem jeweiligen Hundeführer zuhause leben. Sie sind unsere Familienmitglieder“, sagt Molkenthin. Erst wenn es ernst wird, wechseln sie in den „Rettungshundemodus,“ wie die 34-Jährige ihn nennt. Dafür ist eine lange Ausbildung nötig, die für die Flächen- und Trümmersuche zwei bis drei Jahre dauert. Voraussetzung ist keine bestimmte Rasse, sondern ein guter Charakter, eine feine Nase und Freude an der Arbeit mit dem Menschen.
Damit die Hunde im Ernstfall zuverlässig sind, findet jedes Wochenende ein anspruchsvolles, oft sechsstündiges Training statt. Eine Frage, die Magdalena Molkenthin bei öffentlichen Auftritten häufig hört, ist: „Wie viel verdient ihr eigentlich?“ Die Antwort überrascht viele, denn die Mitglieder der Rettungshundestaffel engagieren sich rein ehrenamtlich. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden. Um die Arbeit der Staffel bekannter zu machen und das 25-jährige Bestehen zu feiern, veranstaltet der Verein an diesen Samstag (26. September) eine Jubiläumsfeier auf dem Marktplatz in Mayen.