Das Tierheim in Mayen ist in einer schwierigen Lage: Alle Plätze für Hunde sind belegt, es herrscht ein Aufnahmestopp für Abgabetiere. Um die Situation zu entschärfen, sucht die Einrichtung nun dringend nach Pflegestellen. „Wir haben einen Notstand an Pflegestellen“, erklärt Heimleiterin Kristina Wagner im Gespräch mit Merkurist. „Wir haben im Moment keine Kapazität mehr, einen Abgabehund aufzunehmen.“
Alle Hundezimmer seien besetzt. Zwar sei das Tierheim nicht überbelegt, doch in den Zimmern leben oft mehrere Hunde zusammen. Dieses Problem betreffe nicht nur Mayen, sondern auch andere Tierheime in der Region. Aus diesem Grund sucht das Tierheim nach verlässlichen Einzelpersonen oder Familien, die bereit sind, einen Hund vorübergehend bei sich aufzunehmen, bis er endgültig vermittelt wird.
Ein Zuhause auf Zeit
Vor allem für Tiere, denen der Alltag im Heim zu viel Stress bereitet, ist eine Pflegestelle eine große Hilfe. „Es gibt immer wieder mal Hunde, denen der Tierheimalltag ja zu stressig erscheint, die darunter leiden, mit vielen anderen Artgenossen zusammen zu sein, die mehr Mensch brauchen“, erklärt die Tierheimleiterin.
Wer sich als Pflegestelle engagieren möchte, sollte vor allem Zeit und Flexibilität mitbringen. Wichtig sei auch, dass die potenziellen Helfer im Raum Mayen leben. „Weitere Entfernungen erschweren uns die Betreuung der Pflegestellen sowie das Kennenlernen von möglichen Adoptanten“, so Wagner. Zudem müssen die Gegebenheiten zu Hause zum jeweiligen Hund passen. „Man darf jetzt nicht unbedingt im dritten Stock ohne Fahrstuhl leben“, nennt sie ein Beispiel, wenn es sich um einen älteren Hund handelt.
Manchmal entwickelt sich aus dem vorübergehenden Arrangement auch eine dauerhafte Beziehung. Wenn sich ein Hund gut einlebt, entscheiden sich Pflegefamilien oft, ihn zu behalten. Wagner nennt sie liebevoll „Pflegestellen-Versager“ und sagt: „Da sind wir natürlich die Letzten, wenn alle Umstände passen, dass der Hund auch in der Pflegestelle bleiben darf.“ Für das Tierheim bedeutet das aber auch, dass eine Pflegestelle wegfällt.
Hohe Ansprüche und monatelanges Training
Viele Hunde im Tierheim benötigen spezielles Training, um auf ein neues Leben vorbereitet zu werden. „Da steckt wirklich monatelanges Training dahinter“, betont sie. Die neuen Besitzer müssten bereit sein, dieses Training mit Geduld, Zeit und auch Geld fortzuführen. Ein Tierheimhund sei kein „perfekter und fertiger“ Begleiter.
Gleichzeitig seien die Erwartungen potenzieller Adoptanten in den letzten Jahren gestiegen. Früher sei die Motivation oft gewesen: „Ich will meinen Teil dazu beitragen, ich will was Gutes tun“, erinnert sich Wagner. „Aber mittlerweile werden an die Hunde so viele Ansprüche gestellt, wo ich sage, die können das gar nicht leisten.“
Wer das Tierheim unterstützen möchte oder sich für eine Pflegestelle interessiert, kann sich auf der Webseite des Tierschutzvereins Mayen informieren.