10-Jähriger studiert im zweiten Semester an der Hochschule Koblenz

Während Gleichaltrige die Schulbank drücken, sitzt der 10-jährige Michel Pietsch aus Kadenbach bereits im Hörsaal der Hochschule Koblenz. Bereits im zweiten Semester belegt er dort Kurse wie Physik, Programmierung und Cybersecurity.

10-Jähriger studiert im zweiten Semester an der Hochschule Koblenz

Für die meisten Studierenden an der Hochschule Koblenz ist Michel Pietsch ein ungewöhnlicher Anblick. Mit nur zehn Jahren ist er der Jüngste unter ihnen. Als sogenannter Frühstudent nimmt er bereits seit dem vergangenen Semester an regulären Vorlesungen teil. Während er im ersten Semester Kurse wie „Grundlagen des Maschinenbaus“ und „Technische Physik 1“ belegte, stehen in diesem Wintersemester „Technische Physik 2“, „C-Programmierung“ und „Cybersecurity“ auf seinem Stundenplan.

Vom unterforderten Schüler zum Frühstudenten

Der Weg in den Hörsaal war für Michel die Konsequenz aus jahrelanger Unterforderung in der Schule. Der Junge aus Kadenbach im Westerwaldkreis ist hochbegabt, sein Intelligenzquotient liegt bei über 160. Schon als Kleinkind verschlang er Lexika und besuchte mit seiner Familie sämtliche Museen in der Umgebung. In der Schule fühlte er sich jedoch oft fehl am Platz und langweilte sich. „Er ist wie ein alter Mann, gefangen in einem Kinderkörper“, beschreibt seine Mutter Simone Pietsch die Situation gegenüber der Rhein-Zeitung.

Um seinen Wissensdurst zu stillen, hat Michel bereits vier Klassen übersprungen und besucht aktuell die neunte Klasse eines Gymnasiums. Doch selbst das reichte nicht immer aus. Die wiederkehrende Unterforderung führte zu Frustration und psychischer Belastung. „Alle denken, Springen ist eine Spaßaktion. Springen ist aber eine Letzte-Hoffnung-Aktion. Ich weiß in dem Moment keinen Ausweg mehr“, erklärte Michel im Interview mit der Rhein-Zeitung.

Ein voller Terminkalender für den Wissensdurst

Auf das Frühstudium an der Hochschule Koblenz wurde die Familie bei einem Tag der offenen Tür aufmerksam. Dort findet Michel nun die geistige Herausforderung, die ihm zuvor gefehlt hat. „Nach einer Vorlesung habe ich immer das Gefühl, stark ausgelastet zu sein, was mir enorm hilft“, erzählt er gegenüber Merkurist. Sowohl die Hochschule als auch seine Schule unterstützen ihn dabei. Für die Vorlesungen verbringt Michel einen Vormittag und drei Nachmittage pro Woche an der Hochschule. Diese Zeit wird ihm als Schulveranstaltung angerechnet. Auch die Reaktion von Studierenden und Dozenten sei bisher stets positiv gewesen: „Alle nehmen mich als vollständiges Mitglied auf. Ich frage andere Studierende um Rat und werde andersrum auch selbst gefragt, da man mein Wissen hier zu schätzen weiß.“

Auf dem Campus ist Michel bereits selbstständig unterwegs. Seine Eltern bringen ihn lediglich zur Hochschule und holen ihn anschließend wieder ab. Trotz seines vollen Stundenplans bleibt Michel noch genügend Zeit für seine Hobbys Schwimmen und Bouldern. Samstags besucht er außerdem das Kinder-College in Koblenz, eine Fördereinrichtung für hochbegabte Kinder und Jugendliche. Was er später einmal beruflich machen möchte, weiß Michel noch nicht. An Interessen mangelt es dem Zehnjährigen jedenfalls nicht: Von Kunst über Physik und Mechanik bis hin zur IT begeistert sich Michael für ganz unterschiedliche Bereiche.