Zunehmende Regulierung und wirtschaftliche Unsicherheit setzen den privaten Vermietern in Koblenz zu. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Eigentümerverbands Haus & Grund. Die zentrale Warnung: Ein Großteil der Vermieter erwägt einen Rückzug, sollte die Politik weitere Pflichten beschließen. Das könnte den Wohnungsmarkt empfindlich treffen.
Laut der „Vermieterbefragung 2026“ von Haus & Grund denken rund 61 Prozent der privaten Vermieter über einen vollständigen oder teilweisen Verkauf ihrer Immobilien nach, falls es zu weiteren Mietrechtsverschärfungen kommt. Rechnerisch wären davon in Koblenz mehr als 16.000 Wohnungen betroffen. Der Verband betont, dass dies keine Prognose sei, die Zahl aber die große Verunsicherung und das „potenzielle Rückzugsrisiko“ verdeutliche.
Kleine Vermieter prägen den Markt
Die Studie zeigt, dass der Koblenzer Mietwohnungsmarkt stark von Kleinvermietern geprägt ist. Demnach werden 61,1 Prozent aller Mietwohnungen, also rund 26.550 Einheiten, von Privatpersonen angeboten. Mehr als die Hälfte dieser Vermieter besitzt höchstens fünf Wohnungen, für viele ist es ein Teil der Altersvorsorge. Die Hälfte der Befragten erzielt jährlich maximal 18.500 Euro an Mieteinnahmen vor Steuern und Kosten.
„Die politische Debatte über den Wohnungsmarkt orientiert sich häufig an Großunternehmen. Unsere Befragung zeigt jedoch, dass der Mietwohnungsmarkt in Koblenz sowie in Rheinland-Pfalz vor allem von privaten Kleinvermietern getragen wird“, erklärt der Vorsitzende von Haus & Grund Koblenz, Christoph Schöll. Er mahnt, dass neue Pflichten die tatsächliche Struktur des Marktes berücksichtigen müssten.
Hohe Hürden für Investitionen
Obwohl viele Vermieter bereit wären zu investieren, scheitern Modernisierungen oft an den Rahmenbedingungen. Als größte Hürde nennen rund 70 Prozent der Befragten die fehlende Rentabilität. Hinzu kommen komplizierte mietrechtliche Vorgaben und hohe bürokratische Hürden. Fast 60 Prozent der Eigentümer finanzieren Investitionen aus Eigenkapital, nur eine Minderheit greift auf Kredite zurück.
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung verlaufen die meisten Mietverhältnisse laut der Umfrage konfliktfrei. Mehr als die Hälfte der Vermieter hatte im vergangenen Jahr keine Auseinandersetzungen mit ihren Mietern. Wenn es zu Streit kommt, geht es meist um die Hausordnung oder Betriebskostenabrechnungen, seltener um Mieterhöhungen. Für Schöll ist die Botschaft klar: „Wer mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen möchte, darf diejenigen nicht verdrängen, die bereits heute den größten Teil dieses Wohnraums bereitstellen.“ Statt neuer Belastungen bräuchten private Vermieter Rechts- und Planungssicherheit sowie Anreize für Investitionen.