Wenn Menschen ohne festen Wohnsitz zum Beispiel in Parkhäusern, Einkaufspassagen, Bahnhöfen oder anderen öffentlichen Orten übernachten, kann das zu Spannungen führen. Die Stadt Koblenz hat auf Anfrage von Merkurist erläutert, wie sie mit dieser Herausforderung umgeht und dabei versucht, die Bedürfnisse aller Bürger zu berücksichtigen. Dabei unterscheidet die Verwaltung klar zwischen Wohnungslosigkeit, also dem Fehlen eines Mietvertrags, und Obdachlosigkeit, bei der Menschen tatsächlich auf der Straße leben.
Genaue Zahlen, wie viele Menschen in Koblenz wohnungs- oder obdachlos sind, kann die Stadtverwaltung nicht nennen. Erfasst werde lediglich, wie oft die bestehenden Hilfsangebote genutzt werden. Es gebe eine nicht bezifferbare Dunkelziffer von Menschen, die das System nicht erreichen.
Zwei Notunterkünfte für Menschen ohne Obdach
Für Menschen in Notlagen stehen in Koblenz zwei städtische Notunterkünfte zur Verfügung. In Lützel gibt es ein Übernachtungsheim für volljährige Frauen und Männer in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Dort stehen 20 Plätze für Männer und acht für Frauen bereit. Laut Stadt sind davon aktuell acht Männer- und fünf Frauenplätze belegt.
Eine weitere Unterkunft befindet sich auf dem Asterstein, die vom Ordnungsamt betrieben wird. Sie besteht aus vier Wohneinheiten mit mehreren Zimmern, die meist doppelt belegt werden. Zusätzlich gibt es dort nach Geschlechtern getrennte „Kälteschutzräume“ als niedrigschwelliges Angebot für Personen, die nur für eine Nacht eine Bleibe suchen.
Stadt setzt auf ausgleichenden Ansatz
Feste Treffpunkte oder „Hotspots“ für Obdachlose gibt es nach Angaben der Stadt nicht. Die Betroffenen würden wechselnde Orte im Stadtgebiet aufsuchen, die Schutz vor dem Wetter bieten. Die Verwaltung und Hilfsorganisationen weisen die Menschen dort regelmäßig auf das Netzwerk an Hilfsangeboten hin.
Um Konflikte zwischen der Allgemeinheit und obdachlosen Menschen zu entschärfen, verfolgt die Stadt einen ausgleichenden Ansatz. Einerseits würden Hinweise aus der Bürgerschaft ernst genommen, andererseits versuche man frühzeitig, den Betroffenen durch Sozialarbeiter Unterstützung anzubieten.
Regelmäßige Streifen des kommunalen Vollzugsdienstes und die enge Zusammenarbeit mit der Polizei sollen das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum stärken und gleichzeitig Hilfsangebote vermitteln. Zum nationalen Aktionsplan der Bundesregierung, der die Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 überwinden soll, konnte die Stadt keine Angaben machen.