Sie sind stämmig, haben ein raues Borstenfell und gehören eigentlich in den Wald: Wildschweine. Doch wie eine Merkurist-Leserin bemerkt und uns über die SNIP- Funktion mitgeteilt hat, sind die Wildtiere immer häufiger auf dem Koblenzer Hauptfriedhof anzutreffen.
Wie die Friedhofsverwaltung mitteilt, ist das Problem nicht neu. In den vergangenen Jahren wurden der Stadt immer wieder Schäden durch Wildschweine gemeldet. Seit etwa zwei Wochen sind die Tiere nun erneut auf dem Gelände aktiv. Besonders betroffen sind demnach der obere Bereich des Hauptfriedhofs auf der Karthause sowie die Gegend um den Pulverturm und das Feld 15. Dort hinterlassen die Tiere aufgewühlte Rasenflächen, beschädigte Wege und Grabbepflanzungen.
Offene Tore und reichlich Futter
Der 1820 eingeweihte Hauptfriedhof ist mit mit einer Fläche von rund 36 Hektar nicht nur der größte Friedhof der Stadt, sondern auch der drittgrößte Waldfriedhof Deutschlands. Er erstreckt sich am Nordhang der Karthause bis zum Stadtteil Goldgrube und ist mit seiner parkähnlichen Gestaltung und Lage ein idealer Ort für die Tiere. „Friedhöfe sind nachts wenig frequentierte Bereiche, die durch ihren Bewuchs und die Infrastruktur Deckung bieten“, erklärt Forstamtsleiter Sebastian Schmitz im Gespräch mit Merkurist. Gleichzeitig finden die Tiere dort ein reichhaltiges Nahrungsangebot, vor allem Eiweiß in Form von Käferlarven und Regenwürmern.
Laut dem Forstexperten hat das zunehmende Vordringen von Wildschweinen in städtische Bereiche gleich mehrere Gründe: „Vor allem ist es das gute Nahrungsangebot“, erklärt Schmitz. Neben natürlichen Quellen wie Engerlingen (Käferlarven) können auch Abfälle und Lebensmittelreste ein „leicht gefundenes Fressen“ sein. „Auch eine lokale Überpopulation kann Wildschweine auf der Suche nach neuem Lebensraum in urbane Bereiche ausweichen lassen,“ betont der Forstamtsleiter.
Die Friedhofsverwaltung geht davon aus, dass die Tiere über unverschlossene Tore auf das Friedhofsgelände gelangen. „Trotz Hinweise an den Toren, diese wieder zu verschließen, bleiben sie leider die meiste Zeit geöffnet“, teilt Verena Groß im Auftrag der Stadtgärtner mit.
Keine Gefahr, aber Konzept in Arbeit
Eine unmittelbare Gefahr für Besucherinnen und Besucher geht von den Tieren in der Regel jedoch nicht aus. „Bei normal ausgeprägter Scheu meiden sie Menschen“, erklärt Forstamtsleiter Schmitz. Aufdringlich könnten sie jedoch werden, wenn sie durch Fütterungen ihre Scheu verlieren. Auch Muttertiere mit Frischlingen könnten unberechenbar reagieren. Solche Situationen seien jedoch eine Ausnahme, da es aufgrund ihrer Nachtaktivität nur selten zu Begegnungen zwischen Wildschweinen und Menschen komme. Laut der Friedhofsverwaltung gab es bisher keine Begegnungen mit Besuchern, lediglich Mitarbeiter hätten die Tiere frühmorgens gesichtet.
Um die Schäden in den Griff zu bekommen, wurde bereits der zuständige Jagdaufseher hinzugezogen. „Derzeit wird in enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen ein Konzept zur Vergrämung (Anm. d. Red. gezieltes Vertreiben von Wildtieren und Schädlingen ohne sie dabei zu verletzen) der Wildschweine angestimmt,“ erläutert die Stadt auf Anfrage von Merkurist. Aus Sicht des Forstamtsleiters sind Zäune und Mauern der wirksamste Schutz. „Weitere Maßnahmen sind die Reduktion der Wildschweinpopulation durch eine zielgerichtete Bejagung“, erklärt Schmitz.