Ware hinter Absperrband: Was bei Galeria in Koblenz los ist

In der Galeria-Filiale in Koblenz sind einige Waren mit Flatterband abgesperrt und dürfen nicht verkauft werden. Grund ist die vierte Insolvenz der Warenhauskette innerhalb von sechs Jahren und die Sorge der Lieferanten um ihr Geld.

Ware hinter Absperrband: Was bei Galeria in Koblenz los ist

Kunden der Galeria-Filiale in der Koblenzer Löhrstraße dürften sich derzeit wundern: Während die Warenhauskette mit Rabatten von 25 Prozent für Besitzer einer Kundenkarte wirbt, sind einige Artikel mit Flatterband abgesperrt. Schilder mit der Aufschrift „Diese Artikel sind vorübergehend vom Verkauf ausgeschlossen“ verbieten den Kauf. Was skurril anmutet, ist eine direkte Folge der erneuten Insolvenz des Konzerns, wie der SWR berichtet. Während bundesweit Filialen von solchen Maßnahmen betroffen sind, handelt es sich in Koblenz aber nur um wenige Waren.

Hintergrund der Verkaufsstopps ist offenbar die Sorge der Lieferanten, dass sie für ihre Ware nicht mehr bezahlt werden. Sie befürchten, dass die Einnahmen direkt in die Insolvenzmasse fließen und sie leer ausgehen. Deshalb machen sie von ihrem Recht auf Eigentumsvorbehalt Gebrauch.

Wie der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn gegenüber dem SWR erklärt, bedeutet dies: Die Produkte im Regal sind noch nicht das Eigentum von Galeria, sondern gehören weiterhin dem Lieferanten, bis sie vollständig bezahlt wurden. Ist dies vertraglich so festgelegt, können die Lieferanten ihre Ware zurückfordern.

Schwindendes Vertrauen nach Insolvenzen

Dass es zu solchen Szenen kommt, ist neu und war bei den vergangenen Insolvenzen von Galeria nicht zu beobachten. Es deutet darauf hin, dass die Lieferanten ihre Verträge angepasst haben. Laut Kortums Einschätzung dürfte das Vertrauen in die Warenhauskette nach der mittlerweile dritten Insolvenz bei vielen Partnern geschwunden sein.

Der Verkaufsstopp betrifft jedoch nicht alle Produkte. Kleinere Marken haben oft nicht die Verhandlungsposition, um solche Forderungen durchzusetzen. Auch die Eigenmarken von Galeria sind ausgenommen, da diese meist schon vor der Lieferung bezahlt werden müssen.

Herber Schlag vor dem Weihnachtsgeschäft

Für Galeria sind die Verkaufsverbote ein herber Schlag, insbesondere so kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Der Konzern ist dringend auf Umsätze angewiesen, auch wenn die Gehälter der Beschäftigten vorerst durch das Insolvenzgeld gesichert sind. Verärgerte Kunden und drohende leere Regale sind dabei nicht hilfreich.

Handelsexperte Kortum geht davon aus, dass die Lieferanten nun versuchen werden, ihre Waren aus den Kaufhäusern abzuholen, um sie anderweitig zu verkaufen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Galeria genug Geld aufbringt, um die Lieferanten direkt auszuzahlen. So oder so rechnet Kortum damit, dass die Hinweisschilder bis Weihnachten wieder verschwunden sein werden.