Koblenz sucht Lösung für Nilgans-Problem

Zum wiederholten Mal beschäftigen sich Stadtrat und Verwaltung in Koblenz mit einem tierischen Problem: der zunehmenden Zahl von Nilgänsen in den Rhein- und Moselanlagen. Aber eine Lösung scheint nicht in Sicht.

Koblenz sucht Lösung für Nilgans-Problem

Hübsch anzusehen sind sie: hochgewachsen, braun-graues Gefieder, schwarze Flecken um die Augen. Seit Jahren gehören Nilgänse zum tierischen Repertoire an Rhein und Mosel. Und damit auch ihre ganz und gar nicht possierlichen Hinterlassenschaften auf den Rheinwiesen, dem Oberwerth oder in den Moselanlagen. Um nicht zu sagen: Koblenz hat ein Sch...-Problem mit dem Gefieder.

Stadtrat sucht Lösungen

Wieder einmal greift der Stadtrat das Thema auf. Und wieder einmal versucht er eine nicht gerade freundliche Lösung des Problems zu umschiffen: die intensive Bejagung der Tiere.

In einem Antrag fordern Freie Wähler, SPD und Grüne von der Verwaltung ein „umfassendes Konzept zum tiergerechten Umgang“ mit dem Federvieh. Dabei solle der Fokus auf einer „verstärkten Durchsetzung des Fütterungsverbots“ liegen. Das klingt so, als ob die Nilgänse nur deshalb in Koblenz heimisch geworden sind, weil sie von den Einwohnern massenweise mit Futter angelockt wurden.

Abschuss als letzte Option?

In Wahrheit drücken sich Antragsteller davor, die Tiere zum Abschuss freizugeben. Stattdessen reden sie von „geeigneten Maßnahmen“ und einem „dauerhaft tragfähigen Vorgehen“. Frei nach dem Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“

Dabei werden die Tiere schon heute in Koblenz bejagt – allerdings nur in bescheidenem Rahmen. Innerhalb eines Jahres wurden zwischen April 2023 und Ende März 2024 im Stadtgebiet 143 Nilgänse von Jägern erlegt. Der Population hat das aber nicht merklich geschadet.

Erfolglose Vergrämungsversuche

Andere Versuche, die Tiere zu vergraulen, sind ziemlich in die Hose gegangen. Schon im September 2016 zog die Stadtverwaltung eine ernüchternde Bilanz ihrer tierfreundlichen Bemühungen gegen die Gänse. Weder Flatterbänder, noch der Einsatz von Drohnen oder eines Adlerschrei-Geräts beeindruckten die gefiederten Einwanderer. Und selbst eine Hundemeute im Freibad Oberwerth brachte keinen Erfolg. „Die Gänse flogen auf der Liegewiese und den Becken hin und her, bis die Hunde erschöpft waren“, teilte die Verwaltung damals resigniert mit.

Gefahr für heimische Fauna

Fakt ist, dass die Tiere eigentlich nicht in unsere Breitengrade gehören. Sie stammen aus Afrika. Seit einigen Jahren werden sie in der EU als invasive Art gelistet. Für die heimische Fauna sind sie sogar echt gefährlich, weil sie mit ihren Artgenossen nicht gerade zimperlich umgehen. Gerade erst haben Nilgänse in Wittlich ein brütendes Storchenpaar aus ihrem Nest vertrieben. Es wäre die erste Storchen-Brut seit 70 Jahren in der Region gewesen. Gerne gehen sie auch auf den Nachwuchs anderer Vogelarten vor, ertränken z.B. gezielt kleine Stockenten.

Abschuss als letzte Option?

Bleibt also nur der Abschuss, um der Nilgans bei uns Herr zu werden und unsere heimischen Tiere vor ihr zu schützen? Die Jäger stehen jedenfalls bereit. In einschlägigen Internetforen tauschen sie schon Munitions-Tipps für die Nilgans-Jagd aus. Und Rezepte! Die Tiere sollen zum Räuchern geeignet sein. Ihr Fleisch wird als aromatisch mit leicht nussiger Note beschrieben. Na dann: Waidmanns Heil!