Studie in Koblenz: Top Lebensqualität, aber unsichtbare Job-Chancen

Die meisten Studierenden in Koblenz würden nach dem Abschluss gerne in der Region bleiben. Eine neue Studie zeigt aber: Viele kennen kaum passende Arbeitgeber und fühlen sich unsicher.

Studie in Koblenz: Top Lebensqualität, aber unsichtbare Job-Chancen

Die Mehrheit der Studierenden in Koblenz möchte nach dem Studium in der Region bleiben, wenn es denn passende und attraktive Jobs gibt. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie der Hochschule und der Universität Koblenz, für die rund 2.300 Studierende befragt wurden. Die Untersuchung offenbart aber auch ein großes Informationsdefizit bei den Jobaussichten.

Grundsätzlich bewerten die Studierenden die Lebensqualität in Koblenz und die Studienbedingungen überwiegend positiv. Besonders zufrieden sind sie laut der am Donnerstag vorgestellten Studie mit der Wohnsituation, den Umweltbedingungen und den Freizeitangeboten.

Verbesserungsbedarf sehen die Befragten hingegen bei der Mobilität und der Gesundheitsversorgung. Zudem gibt es Unterschiede beim Sicherheitsempfinden: Studentinnen fühlen sich nachts in Koblenz deutlich unsicherer als ihre männlichen Kommilitonen. Laut Dr. Marc Hannappel von der Universität Koblenz zeige der Vergleich mit einer früheren Erhebung, dass „in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Sicherheit aus studentischer Sicht keine spürbaren Verbesserungen erreicht wurden“.

Regionale Arbeitgeber kaum sichtbar

Ein Umzug in eine Großstadt ist für die meisten Studierenden keine zwingende Option, viele bevorzugen eine überschaubare Region. Entscheidend für die Absicht, in Koblenz zu bleiben, sind die beruflichen Perspektiven. Hier zeigt die Studie jedoch eine große Unsicherheit bei den Befragten.

Viele Studierende konnten den Wirtschaftsstandort Koblenz nicht bewerten und gaben an, zu wenig darüber zu wissen. „Die Daten deuten weniger auf ein strukturelles Problem hin als vielmehr auf ein Sichtbarkeitsproblem der regionalen Wirtschaftslandschaft“, erklärt Prof. Dr. Heiko Weckmüller von der Hochschule Koblenz. Regionale Arbeitgeber würden zwar als attraktiv eingeschätzt, seien aber oft zu wenig bekannt.

Mehr Kontakt zwischen Studierenden und Wirtschaft gefordert

Die Studierenden wünschen sich daher deutlich mehr Kontaktmöglichkeiten zu Unternehmen in der Region, etwa durch Praktika, Nebenjobs, Karrieremessen oder Projekte direkt während des Studiums. „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, welches Potenzial in der Region steckt: Viele Studierende möchten hier bleiben – entscheidend ist, dass wir ihnen frühzeitig attraktive berufliche Perspektiven und konkrete Kontakte in die regionale Wirtschaft eröffnen“, betont Prof. Dr. Karl Stoffel, Präsident der Hochschule Koblenz.

Die Forscher schlagen deshalb eine engere Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und der regionalen Wirtschaft vor. Unternehmen sollten stärker an den Hochschulen präsent sein. Auch Thomas Brahm, Vorstandsvorsitzender der Debeka und der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz, sieht Handlungsbedarf: „Die vorliegende Studie gibt den Unternehmen der Region quasi den Arbeitsauftrag, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Angebote für Studierende und Absolventen besser zu vermitteln.“