Nach der Schock-Nachricht über den geplanten Abbau von bis zu 320 Stellen beim Koblenzer Fahrradhersteller Canyon gibt es nun einen Hoffnungsschimmer für die Belegschaft. Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch (28. Januar 2026) in der Rhein-Mosel-Halle machte Gründer Roman Arnold ein wichtiges Versprechen. Dennoch bleiben für die IG Metall und den Betriebsrat viele Fragen offen, bevor ergebnisoffene Gespräche beginnen können.
Vor einer Rekordbeteiligung an Mitarbeitenden erklärte Arnold, er wolle gemeinsam mit dem Betriebsrat alternative Lösungen besprechen. Auf Nachfrage sicherte er zu, betriebsbedingte Kündigungen „möglichst verhindern“ zu wollen. Wie viele der ursprünglich angekündigten 320 Stellenstreichungen am Ende tatsächlich umgesetzt werden, ist damit wieder offen. Die ergebnisoffenen Gespräche sollen voraussichtlich im Februar beginnen. Die Belegschaft reagierte trotz Ängsten und Sorgen kämpferisch mit der Botschaft: „Wir packen es an!“
Gewerkschaft fordert Antworten
Bevor jedoch verhandelt wird, befinden sich Betriebsrat und Management in einer formalen Informationsphase. Wie Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, erklärt, wurden dem Management zunächst zahlreiche Fragen übermittelt. „Wir sind ganz am Anfang der Informationsphase“, so Yener. Erst wenn die Antworten vorliegen, seien zielführende Gespräche möglich.
Im Zentrum der offenen Punkte steht für die Gewerkschaft die Rolle des Hauptanteilseigners, der belgischen Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL). „Die im Raum stehende Frage ist aktuell folgende: Ist der geplante Stellenabbau Renditegetrieben, ist damit Outsourcing und Verlagerung beabsichtigt, oder dient es der Absicherung des Unternehmens?“, macht Yener deutlich. Bislang sei die Rolle von GBL in dem Prozess nicht ersichtlich.
Gemeinsame Lösungen statt Kündigungen
Das Ziel der IG Metall ist klar: „Wir arbeiten gemeinsam mit dem Betriebsrat an alternativen Lösungen, zum geplanten Stellenabbau“, sagt Yener. Man wolle die anstehende Konsolidierung mitgestalten, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. „Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.“
Canyon hatte den geplanten Stellenabbau am 20. Januar mit einem herausfordernden Marktumfeld, Überangeboten und aggressiven Rabatten begründet. Auch Qualitätsprobleme bei bestimmten E-Mountainbike-Modellen hätten das Ergebnis belastet. Die kommenden Wochen werden nun zeigen, ob die Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretung zu einem Ergebnis führen, das Kündigungen am Standort Koblenz abwendet.