Durchbruch bei ZF in Koblenz: Standort bis 2031 und Jobs bis 2029 gesichert

Nach langen Verhandlungen gibt es einen Durchbruch bei ZF in Koblenz: Der Standort ist gesichert, betriebsbedingte Kündigungen sind für etwa 1700 Beschäftigte bis Ende 2029 ausgeschlossen.

Durchbruch bei ZF in Koblenz: Standort bis 2031 und Jobs bis 2029 gesichert

Nach rund einem Jahr intensiver Verhandlungen gibt es bei ZF in Koblenz einen Durchbruch. Darüber haben die IG Metall Koblenz und der Betriebsrat des Unternehmens Medienvertreter bei einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen (23. September) vorab informiert. Die Gewerkschaft, der Betriebsrat und die Arbeitgeberseite haben sich auf ein umfassendes Paket zur Standort- und Beschäftigungssicherung geeinigt. Rund 1.700 Mitarbeiter können aufatmen.

Die Eckpunkte der Einigung war den Beschäftigten bereits zuvor bei einer Betriebsversammlung vorgestellt worden. Die Mitglieder der IG Metall bei ZF Koblenz stimmten am Mittwochnachmittag dem dazu nötigen Tarifvertrag mit 99 Prozent final zu.

Die Verhandlungen waren nötig geworden, nachdem das Unternehmen im September 2025 einen Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen angekündigt hatte. Die Einigung, die unter dem Titel „Bündnis Koblenz“ steht, sichert den Standort bis mindestens Ende 2031 und schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 aus. Die IG Metall-Mitglieder bei ZF stimmten dem Tarifvertrag am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit zu.

Niemand muss ZF verlassen

„Mit den nun geschlossenen Vereinbarungen ist uns nach langen Verhandlungen ein Ergebnis gelungen, das den Standort sichert und auf unterschiedliche Interessenlagen der Beschäftigten Antworten findet“, sagt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Die Beschäftigten entscheiden selbst, wie ihre Zukunft weitergeht. Niemand muss ZF verlassen, der das nicht möchte. Diejenigen, die sich für einen Wechsel entscheiden, erhalten dafür die bestmöglichen Bedingungen.“

Für einen freiwilligen Personalabbau sieht die Einigung ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungen sowie eine Transfergesellschaft vor. Diese soll Beschäftigten, die sich neu orientieren möchten, für bis zu zwölf Monate 85 Prozent des Nettoentgelts sichern und sie bei der Jobsuche unterstützen. Für ältere Beschäftigte gibt es zudem ein Altersteilzeitprogramm und eine „Rentenbrücke“ für den Übergang in den Ruhestand.

Zukunftsperspektive für den Standort

Um dem Standort eine verlässliche Perspektive zu geben, wird ein neues Zielbild erarbeitet. Dieses legt fest, welche Projekte künftig in Koblenz entwickelt und produziert werden. „Für den Produktionsstandort steht das Zielbild ZF Koblenz bereits fest“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Erdal Tahta. „Am Zielbild für die Entwicklung wird noch gearbeitet.“ Beschäftigte konnten bei einer Betriebsversammlung und in Workshops eigene Ideen einbringen.

„Das Zielbild macht deutlich, welche Rolle Koblenz künftig im Konzern einnehmen soll, und gibt den Beschäftigten eine konkrete Perspektive“, so Tahta weiter. Um notwendige Personalanpassungen sozialverträglich zu gestalten, wurden außerdem flexible Instrumente wie die Umwandlung von Sonderzahlungen in freie Tage, erweiterte Teilzeitoptionen und eine Sabbatical-Initiative vereinbart.

Verhandlungen seit September 2025

Der Weg zur Einigung war lang: Die Verhandlungen begannen bereits im September 2025. Im Juni 2026 zog die Arbeitgeberseite eine bereits weit fortgeschrittene Einigung kurzfristig zurück. Daraufhin drohte die IG Metall mit einer Eskalation bis hin zu Arbeitskampfmaßnahmen. In weiteren Runden gelang schließlich eine Lösung.

Der Druck der Belegschaft sei entscheidend gewesen, betont der Betriebsrat. „Die Einigung war nur möglich, weil sich viele Beschäftigte, insbesondere aus dem Entwicklungsbereich, der IG Metall angeschlossen und damit den Druck für eine Lösung erhöht haben“, so Tahta. „Ohne die Möglichkeit, notfalls auch in einen Arbeitskampf zu treten, wäre diese Bewegung auf Arbeitgeberseite nicht zustande gekommen.“