Globus-Chef über Erfolg in Koblenz und die Zukunft des Fleischkäsebrötchens

Die Globus-Markthalle in Koblenz ist „Supermarkt des Jahres“. Zur Jahresbilanz verrät Chef Matthias Bruch im großen Interview, wie es um den 1-Euro-Preis des Fleischkäsebrötchens steht, was in Trier geplant ist und wie die Zahlen aussehen.

Globus-Chef über Erfolg in Koblenz und die Zukunft des Fleischkäsebrötchens

Die Globus Gruppe hat am Dienstag eine positive Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr gezogen und gleichzeitig einen Einblick in ihre Zukunftspläne gegeben. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds konnte das Unternehmen sein operatives Ergebnis deutlich verbessern.

Wie das Unternehmen aus St. Wendel (Saarland) mitteilte, lag der Bruttoumsatz im Geschäftsjahr 2024/2025 mit 8,81 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahresniveau. Bereinigt um Sondereffekte wie die Abspaltung des Russlandgeschäfts und die Abgabe von vier Standorten, stieg das operative Ergebnis (EBIT) um 4,3 Prozent auf 254,8 Millionen Euro. „Wir können auf ein operativ und strategisch erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken und die Ergebnisse in allen Sparten steigern“, zeigte sich Matthias Bruch, geschäftsführender Gesellschafter der Globus Gruppe, zufrieden.

Auszeichnung für Koblenz und Produktion vor Ort

Besonders stolz ist man bei Globus auf die jüngsten Auszeichnungen. Die Markthalle in Koblenz wurde von der Fachzeitschrift Lebensmittel Praxis zum Supermarkt des Jahres gekürt (wir berichteten). Für Bruch ist das „eine tolle Auszeichnung für uns, für die Mannschaft vor Ort, für das Koblenzer Team“. Noch mehr Wert als auf Fachpreise lege er jedoch auf die Meinung der Kunden. Beim „Kundenmonitor 2025“, Deutschlands wichtigster Verbraucherbefragung, belegen die Globus Markthallen mit der Gesamtnote 1,88 erneut den Spitzenplatz unter den großflächigen Lebensmittelhändlern. „Die beste Auszeichnung für uns ist immer die, wenn die Kunden uns wertschätzen“, sagte Bruch.

Den Erfolg führt Bruch auf das besondere Konzept zurück, der „lokalste Supermarkt“ zu sein, der sogenannte „Local-Hero-Ansatz“. Dies gelinge durch ein individuell auf die Region und den Standort ausgerichtetes, großes Sortiment, durch besonderes Engagement für die Menschen vor Ort und die eigene Herstellung von Lebensmitteln direkt in den Märkten. „Wir haben an unseren Standorten in der Regel eigene Metzgereien, wo wirklich ganze Tiere jeden Morgen angeliefert werden, zerlegt werden, zu Wurst verarbeitet werden“, sagt der Geschäftsführer. „Das macht in dieser Konsequenz keiner unserer Wettbewerber.“ Ergänzt wird dies durch eigene Meisterbäckereien und Gastronomien, in denen ebenfalls täglich frisch und von Hand produziert wird. „Wir können unseren Kunden damit ein besonderes Preis-Qualitätsverhältnis und wirklich ‚mehr fürs Geld‘ bieten.“ Die Märkte seien Teil der Community vor Ort und damit auch sozialer Treffpunkt. „Das kenne ich selbst noch aus meiner Schulzeit in St. Wendel, , da ging man zu Globus“, erinnert sich Bruch.

Mit sogenannten Metzgergrills rücken die Markthallen noch näher an ihre Kunden heran und erweitern auf kleiner Fläche ihr Angebot aus der hauseigenen Herstellung, etwa in der Koblenzer Löhrstraße, in Wirges und am Schillerplatz in Mainz. Dieses Angebot möchte das Unternehmen weiter ausbauen.

Zukunft des 1-Euro-Fleischkäsebrötchens

Ein Thema, das die Kunden in Koblenz und anderen Städten besonders bewegt, ist die Preisgestaltung des Fleischkäsebrötchens. Trotz gestiegener Energie- und Fleischpreise habe man auch 2025 am Preis von einem Euro festgehalten. „Das Globus-Fleischkäsebrötchen ist ja schon ein besonderer Artikel für uns. Das ist irgendwo eine Institution“, erklärt der Geschäftsführer. Ob das auch 2026 so bleibt, ist noch offen. „Natürlich müssen wir auch beim Fleischkäse wirtschaftlich arbeiten. Daher prüfen wir die Preisgestaltung regelmäßig. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass uns das auch im nächsten Jahr gelingt.“ Eine Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen.

Expansion in Trier und strategische Neuausrichtung

Während der Standort Koblenz seit Jahrzehnten Erfolge feiert, plant das Unternehmen auch andernorts zu wachsen. In Trier wurde zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres der Bauantrag für eine neue Markthalle eingereicht, die Baugenehmigung wird in Kürze erwartet. „Wir freuen uns sehr auf Trier. Wir haben lange daran gearbeitet und sind voller Vorfreude, dass es jetzt irgendwann auch losgehen kann“, sagt Bruch.

Auch strategisch stellt sich das Unternehmen neu auf. Zum Jahreswechsel wurden die russischen Hypermärkte abgespalten und sind nicht mehr Teil der Globus Holding, wie Bruch bestätigt. Die Unternehmensbereiche hätten schon zuvor sehr autark agiert, weshalb die Abspaltung operativ nur wenige Auswirkungen gehabt habe. Die Holding konzentriert sich nun auf ihre Geschäfte in Deutschland, Luxemburg und Tschechien. Zudem bündelt Globus ab dem 1. Dezember in der neuen Einkaufsallianz „Concordis“ sein Einkaufsvolumen mit zwei französischen Partnern, um wettbewerbsfähige Konditionen zu sichern.

Von KI bis Fachkräftemangel: Blick in die Zukunft

Trotz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) bleibe der Mensch im Mittelpunkt. KI werde die Arbeitswelt verändern, aber niemals den Menschen ersetzen, ist Bruch überzeugt: „Der persönliche Kontakt, das ist Empathie, das ist die Begegnung zwischen Menschen.“ Je mehr KI Raum greife, desto wichtiger werde die soziale Interaktion.

Eine zentrale Herausforderung sei jedoch der Fachkräftemangel, besonders in handwerklichen Berufen wie Metzger und Bäcker. „Metzger gibt es heute wenige. Wir bilden daher selber aus“, betont Bruch. Man müsse aktiv in Schulen gehen, um junge Menschen für diese Berufe zu begeistern.

Auch die Baumarkt-Sparte, die zum 14. Mal in Folge als „bester Baumarkt Deutschlands“ ausgezeichnet wurde, investiert in Modernisierungen und digitale Angebote wie eine neue App. Insgesamt blickt Bruch optimistisch in die Zukunft, da die Stärken von Globus – vom besonderen Preis-Leistungs-Verhältnis bis zum persönlichen Kontakt – gut in die heutige Zeit passten, in der sich Menschen „ins Vertraute zurückziehen“.

Hier geht es zum ausführlichen Video-Interview mit Matthias Bruch, geschäftsführender Gesellschafter der Globus Gruppe: