Von Fernost nach Vallendar: Wenn aus Kollegen ein Team wird

Natalia Krug arbeitet seit 14 Jahren in der BDH-Klinik Vallendar. Sunilkumar Ramachandran Nair kam vor rund eineinhalb Jahren aus Indien nach Deutschland. Zwei unterschiedliche Wege in die Pflege aber gemeinsamen Ziel.

Von Fernost nach Vallendar: Wenn aus Kollegen ein Team wird

Im ersten Teil unserer Serie haben wir gezeigt, wie internationale Pflegekräfte ihren Weg in die BDH-Klinik Vallendar finden. Es ging um Bewerbungsgespräche über tausende Kilometer hinweg, um Sprachkurse, Anerkennungsverfahren, Behördengänge und die Frage, wie Integration gelingen kann.

Doch irgendwann sind die Formulare ausgefüllt, die Reise nach Deutschland ist geschafft und der erste Arbeitstag steht bevor. Dann beginnt der Teil, über den sich auf dem Papier nur schwer etwas erzählen lässt: Wie wird aus Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Ausbildungen und kulturellen Erfahrungen ein Team?

Darüber haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die diese Zusammenarbeit aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erleben.

Seit 14 Jahren in der Pflege in Vallendar

Für Natalia Krug stand schon früh fest, wohin ihr beruflicher Weg führen sollte.

„Schon als Kind wusste ich, dass ich Krankenschwester werden möchte“, erzählt sie. Ein Vorbild sei ihre Patentante gewesen, die selbst als Krankenschwester arbeitete. Besonders deren fürsorgliche Art und die Möglichkeit, für andere Menschen da zu sein, hätten sie geprägt.

Seit inzwischen 14 Jahren arbeitet Krug in der BDH-Klinik Vallendar. Für ihre Entscheidung für die Klinik sei damals unter anderem deren Leitbild ausschlaggebend gewesen: der Gedanke, dass der Mensch im Vordergrund stehen soll.

Wer Krug nach einem typischen Arbeitstag fragt, bekommt allerdings schnell eine Antwort, die viel über die Pflege erzählt: Einen wirklich typischen Tag gebe es nicht.

Jeder Patient sei anders, jeder Dienst bringe neue Situationen mit sich. Gerade diese Unvorhersehbarkeit gehört für sie zum Beruf – ebenso wie die Verantwortung, möglichst vielen Bedürfnissen gleichzeitig gerecht zu werden.

Die größte Herausforderung sei für sie deshalb häufig die Zeit. „Man möchte den Beruf besonders gut ausüben“, sagt Krug. Im Alltag sei es jedoch nicht immer möglich, jedem Patienten so viel Zeit zu geben, wie man es sich selbst wünsche.

Wenn ein Patient Monate später wieder vor einem steht

Warum sie ihren Beruf dennoch nach all den Jahren gerne ausübt, zeigt eine Begegnung, an die sie sich bis heute erinnert.

Vor einigen Jahren wurde ein junger Mann nach einem schweren Autounfall in der Klinik behandelt. Als er nach Vallendar kam, wurde er beatmet. Seine Rehabilitation dauerte Monate, die Fortschritte kamen Schritt für Schritt.

Am Ende konnte der Patient die Klinik laufend verlassen, nach Hause zurückkehren und später sogar wieder arbeiten.

Einige Zeit danach kam er noch einmal auf die Station – um sich bei den Menschen zu bedanken, die ihn während dieser Zeit begleitet hatten.

Für Krug sind es solche Begegnungen, die ihr zeigen, weshalb sie sich für die Pflege entschieden hat. Die Dankbarkeit von Patienten gebe ihr immer wieder Motivation. Eine wichtige Rolle spiele für sie außerdem die Wertschätzung durch ihre Vorgesetzten.

Ein neuer Kollege, ein anderes Ausbildungssystem

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur der Pflegeberuf verändert. Auch die Teams in deutschen Kliniken werden internationaler. In Vallendar arbeiten inzwischen Pflegekräfte aus verschiedenen Ländern zusammen.

Für erfahrene Mitarbeiterinnen wie Natalia Krug bedeutet das ebenfalls, sich auf Neues einzulassen.

Gerade am Anfang gebe es Herausforderungen, erzählt sie. Sprache sei dabei ein wichtiger Punkt. Hinzu kämen Unterschiede in den jeweiligen Ausbildungssystemen. Tätigkeiten, die in der deutschen Pflegeausbildung selbstverständlich vermittelt werden, seien beispielsweise in der Ausbildung der indischen Kolleginnen und Kollegen anders verankert.

Das bedeute zunächst Arbeit für beide Seiten.

Krug beschreibt diese Unterschiede aber nicht nur als Schwierigkeit. Für sie steckt darin auch die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu lernen.

Besonders eine Eigenschaft ihrer indischen Kolleginnen und Kollegen fällt ihr immer wieder auf: ihre Gelassenheit.

„Immer mit einem Lächeln, immer herzlich“, beschreibt Krug ihre Wahrnehmung. Sie sei immer wieder davon beeindruckt, wie ihre Kollegen auch mit belastenden Situationen umgingen. Von dieser Haltung nehme sie selbst etwas für ihren Arbeitsalltag mit.

Integration funktioniert damit nicht nur in eine Richtung. Nicht nur die neuen Mitarbeiter müssen lernen, wie Pflege und Arbeitsalltag in Deutschland funktionieren. Auch ein bestehendes Team verändert sich durch die Menschen, die hinzukommen.

Von Indien über Dubai nach Vallendar

Einer dieser Kollegen ist Sunilkumar Ramachandran Nair.

Er stammt aus Indien, bringt langjährige Berufserfahrung mit und hat unter anderem in Dubai gearbeitet. Deutsch lernte er bereits vor seinem Wechsel nach Deutschland online.

Dennoch war die Ankunft in Vallendar eine Umstellung. Neue Sprache, neue Kultur, neuer Arbeitsplatz: Gerade die ersten Wochen seien eine Herausforderung gewesen, erzählt er.

Dass Pflege grundsätzlich Teamarbeit ist, kannte er bereits. Vieles im Arbeitsalltag musste er trotzdem neu kennenlernen. Dabei, berichtet Ramachandran Nair, hätten ihm die Kolleginnen und Kollegen geholfen.

Auch nach rund eineinhalb Jahren gehört die Sprache weiter zu den Bereichen, in denen er sich verbessern möchte. Auf die Frage, wie er heute auf seine Entscheidung für Deutschland zurückblickt, fällt seine Antwort eindeutig aus: Er bereue den Schritt nicht. Für seinen Beruf sehe er hier gute Möglichkeiten und berufliche Perspektiven.

Gleichzeitig bedeutet ein Umzug in ein anderes Land mehr als einen neuen Arbeitsplatz.

Wenn Integration nach Feierabend weitergeht

Das zeigt sich besonders bei Ramachandran Nairs Familie.

Während er und seine Frau bereits in Deutschland lebten und arbeiteten, war ihre Tochter zunächst noch in Indien. Rund eineinhalb Jahre lagen zwischen dem Neustart der Eltern und dem Zeitpunkt, an dem die Familie schließlich wieder vollständig zusammen sein konnte.

Inzwischen lebt auch die Tochter in Deutschland und besucht einen Kindergarten.

Damit entstehen sofort die nächsten ganz alltäglichen Fragen. Die bisherige Wohnung der Familie ist nach Angaben der Klinik inzwischen zu klein geworden. Nun werde nach einer größeren und bezahlbaren Wohnung gesucht.

Genau an solchen Punkten zeigt sich, was die BDH-Klinik unter Integration versteht. Integrationsbeauftragte unterstützen internationale Mitarbeitende nach Angaben der Klinik nicht nur bei beruflichen Fragen, sondern auch bei Themen wie Mietverträgen, Handyverträgen oder der Suche nach einem Hausarzt.

Pflegedienstleiter Jörg Biebrach macht im Gespräch deutlich, dass für ihn der Umzug einer internationalen Fachkraft erst dann wirklich gelungen ist, wenn auch das Leben außerhalb der Klinik funktioniert.

Bei Mitarbeitenden mit Familie gehöre deshalb auch die Frage dazu, wie Partner und Kinder in Deutschland ankommen.

Kultur nicht an der Kliniktür abgeben

Zusammenarbeit bedeutet in Vallendar nach Angaben der Beteiligten außerdem nicht, die eigene Herkunft am Eingang der Klinik zurückzulassen.

Das Team hat beispielsweise gemeinsam das indische Erntedankfest „Onam“ gefeiert. Die Idee sei zusammen mit den Mitarbeitenden entstanden, berichtet Biebrach. Es gab unter anderem Tänze und Videos, durch die Kolleginnen und Kollegen mehr über die Kultur erfahren konnten.

Für Ramachandran Nair sind solche Momente wichtig. Denn natürlich gibt es Dinge, die ihm aus seiner Heimat fehlen – etwa traditionelles Essen oder die Art, wie bestimmte Tage und Feste begangen werden.

Deutschland erlebt er in manchen Situationen als deutlich ruhiger. Einen Sonntag empfinde er hier beispielsweise ganz anders als einen vergleichbaren freien Tag in Indien.

Für ihn gehört deshalb beides zum Ankommen: die neue Kultur kennenzulernen und sich an bestimmte Dinge anzupassen, ohne die eigene Herkunft aufgeben zu müssen.

Auch die Pflege selbst verändert sich

Natalia Krug hat in ihren 14 Jahren in Vallendar gleichzeitig erlebt, wie sehr sich ihr Beruf unabhängig von internationalen Teams verändert hat.

Pflege sei anspruchsvoller geworden, sagt sie. Technischer Fortschritt, Digitalisierung und umfangreichere Dokumentation gehörten heute stärker zum Alltag als zu Beginn ihrer Laufbahn.

Was sie sich für die Zukunft wünscht, ist deshalb erstaunlich einfach: mehr Zeit für die Menschen.

Mehr Zeit für Patienten könne aus ihrer Sicht nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte.

Und vielleicht liegt genau darin die Verbindung zwischen zwei Berufswegen, die zunächst kaum unterschiedlicher erscheinen könnten.

Auf der einen Seite Natalia Krug, die seit 14 Jahren in derselben Klinik arbeitet und schon als Kind wusste, dass sie Krankenschwester werden wollte. Auf der anderen Seite Sunilkumar Ramachandran Nair, der mehrere Länder, Sprachen und einen aufwendigen Anerkennungsprozess hinter sich hat, um heute in Vallendar zu arbeiten.

Im Alltag stehen beide vor derselben Aufgabe: Menschen zu versorgen, Verantwortung zu übernehmen und als Teil eines Teams zu funktionieren.

Dass dabei nicht alles vom ersten Tag an selbstverständlich ist, verschweigt in Vallendar niemand. Sprache muss gelernt werden, Abläufe unterscheiden sich, Ausbildungssysteme sind nicht identisch und auch kulturelle Gewohnheiten treffen aufeinander.

Doch genau dort beginnt Zusammenarbeit: wenn Unterschiede nicht ignoriert werden, sondern Kollegen sich gegenseitig erklären, unterstützen – und manchmal etwas voneinander übernehmen.

Arbeiten bei der BDH-Klinik Vallendar

Wer sich für eine Ausbildung, einen Berufseinstieg oder einen beruflichen Wechsel in die Pflege und das Gesundheitswesen interessiert, findet auf der Karriereseite der BDH-Klinik Vallendar Informationen zu aktuellen Stellenangeboten und Ausbildungsmöglichkeiten.

Hier geht es zum ersten Teil unserer Serie: Von Fernost nach Vallendar: Wie eine Klinik in der Region internationale Pflegekräfte integriert