Zoo Neuwied hält als einziger in Deutschland seltene Primaten

Der Zoo Neuwied hat zwei neue, sehr seltene Bewohner: Alaotra-Halbmakis. Es ist die erste und einzige Haltung dieser vom Aussterben bedrohten Primatenart in ganz Deutschland.

Zoo Neuwied hält als einziger in Deutschland seltene Primaten

Im Zoo Neuwied gibt es jetzt eine zoologische Besonderheit zu sehen: Erstmals leben dort zwei Alaotra-Halbmakis. Wie der Zoo mitteilt, handelt es sich um eine der seltensten und am stärksten bedrohten Primatenarten der Welt. Die beiden anderthalb Jahre alten Brüder stammen aus dem niederländischen ZooParc Overloon.

Die Tiere haben ihr neues Zuhause im umgebauten Bereich des Menschenaffenhauses bezogen, wo sie sich derzeit an ihre Innen- und Außenanlagen gewöhnen. „Mit den Alaotra-Halbmakis zeigen wir eine Tierart, die selbst viele Zoo-Fachleute noch nie live gesehen haben“, erklärt Zookurator Florian Bonenkamp. „Dass wir die erste und bislang einzige Haltung dieser Art in Deutschland übernehmen dürfen, ist für uns etwas ganz Besonderes und gleichzeitig eine große Verantwortung.“

Lebensraum am Alaotra-See massiv bedroht

Die auch als Alaotra-Bambuslemuren bekannten Primaten gelten laut der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“. Sie kommen ausschließlich am Alaotra-See auf Madagaskar vor. Ihr Name ist dabei etwas irreführend: Ihre Hauptnahrung besteht nicht aus Bambus, sondern aus Schilf und Papyrus. Im Zoo erhalten sie vor allem Laub und Chicorée.

Der Lebensraum der Halbmakis ist massiv gefährdet. Große Teile der Sumpfgebiete am See wurden trockengelegt oder abgebrannt, um Reisfelder anzulegen. Abgeholzte Wälder führen zudem zur Bodenerosion, wodurch der See zunehmend verlandet. Schätzungen aus dem Jahr 2013 gingen von nur noch rund 2.500 Tieren im natürlichen Lebensraum aus. Zusätzlich werden die Tiere wegen ihres Fleisches gejagt oder als Heimtiere gefangen.

Einzige Lemurenart, die über dem Wasser lebt

Der Alaotra-Halbmaki ist die einzige Lemurenart, die direkt über dem Wasser lebt. Zur Fortbewegung klettern die Tiere an Schilfstängeln empor, bis diese umknicken, und gelangen so zur nächsten Pflanze. Sie können auch springen und schwimmen. In ihrer Heimat leben sie meist in kleinen Familiengruppen.

„Gerade weil diese Tiere so stark bedroht sind und ihr Lebensraum immer kleiner wird, sind moderne Zoos wichtig für den Erhalt der Art und für die Sensibilisierung der Besucher“, betont Bonenkamp. Europaweit gibt es nur knapp 60 Alaotra-Halbmakis in 16 Zoos. Mit der Aufnahme der beiden Brüder beteiligt sich der Zoo Neuwied nun am europäischen Erhaltungszuchtprogramm für diese Art.