Als bei einer Rentnerin aus Koblenz das Telefon klingelt und sich ein falscher Polizist meldet, reagiert sie geistesgegenwärtig. Sie spielt mit, alarmiert die echte Polizei und hilft so, die Betrüger zu überführen, wie der SWR Koblenz berichtet. Für Erika Wagner (Name von der Redaktion geändert) war nach eigenen Angaben schon immer klar: „Wenn ich mal so einen Betrugsanruf bekomme, dann spiele ich da mit. Ich möchte mithelfen, dass diese Gangster geschnappt werden.“
Im September 2024 war es dann so weit. Ein vermeintlicher Polizeibeamter behauptete am Telefon, in ihrer Nachbarschaft sei eingebrochen worden und sie müsse ihr Geld in Sicherheit bringen – eine gängige Betrugsmasche. Die Rentnerin Mitte 70 durchschaute den Schwindel sofort und ging zum Schein darauf ein. „Ich habe meine Stimme verstellt und immer wieder gesagt, dass ich Angst um mein liebes Geld habe“, erinnert sie sich. In einer kurzen Gesprächspause wählte sie vom Badezimmer aus mit ihrem Handy den Notruf. „Ich bin bereit da mitzuspielen, aber ich brauche Unterstützung“, sagte sie dem Beamten am anderen Ende der Leitung.
Stundenlanger Psychoterror am Telefon
Kurz darauf trafen drei echte Polizisten über einen Hintereingang in ihrer Wohnung ein. Während die Beamten leise die stundenlangen Gespräche mit den Betrügern aufzeichneten, blieb Erika Wagner am Telefon. Von 10 Uhr morgens bis 16:30 Uhr hielten die Anrufer sie in der Leitung, um sie psychisch unter Druck zu setzen und ihr keine Zeit zum Nachdenken zu lassen.
Immer wieder wurden angebliche Staatsanwälte oder Polizeipräsidenten durchgestellt, um die Geschichte glaubwürdiger zu machen. „Die lassen mich nicht von dem Hörer los“, erzählt die Koblenzerin. „Die setzen einen psychisch dermaßen unter Druck, dass man wirklich jeden Moment denkt, es platzt eine Bombe.“ Währenddessen, sagt Wagner, organisierten die meist im Ausland sitzenden Täter die Abholer für das Geld.
Festnahme bei fingierter Geldübergabe
Nach dem stundenlangen Telefonat wurde eine fingierte Geldübergabe vereinbart. Erika Wagner deponierte eine Stofftasche vor ihrer Haustür. Als zwei Mitglieder der Bande die vermeintliche Beute abholen wollten, schnappte die Falle zu. Zivilbeamte stürmten von allen Seiten herbei und überwältigten die Täter.
„Als ich dann wieder aus dem Haus durfte, standen bestimmt 10 bis 15 Zivilbeamte im Hof und ich dachte: Wo kommen die denn alle her?“, erinnert sich die Rentnerin lachend. Für ihren mutigen Einsatz, den sie inzwischen schon zweimal geleistet hat, wurde sie vom Koblenzer Polizeipräsidium für besondere Zivilcourage geehrt. Einer der beteiligten Polizisten lobte sie mit den Worten: „Morgen können Sie beim Theater anfangen und übermorgen bei uns bei der Polizei.“