Heute vor 15 Jahren: Als eine Katastrophe den Rhein bei Koblenz lahmlegte

Vor 15 Jahren kenterte der Säuretanker „Waldhof“ am Rhein. Das Unglück bei St. Goarshausen forderte zwei Menschenleben und legte die Schifffahrt wochenlang lahm. Ein Rückblick.

Heute vor 15 Jahren: Als eine Katastrophe den Rhein bei Koblenz lahmlegte

Heute jährt sich eines der schwersten Schiffsunglücke auf dem Rhein zum 15. Mal: Am 13. Januar 2011 kenterte das Tankmotorschiff „Waldhof“ bei St. Goarshausen unweit der Loreley. Das mit 2.377 Tonnen Schwefelsäure beladene Schiff war auf dem Weg von Ludwigshafen nach Antwerpen, als es am frühen Morgen gegen 4:42 Uhr verunglückte. Bei der Havarie starben zwei der vier Besatzungsmitglieder.

Die Ursache für das Kentern war eine Kombination aus mehreren Faktoren. Zum Zeitpunkt des Unglücks führte der Rhein Hochwasser, was die Fließgeschwindigkeit erhöhte. Ein späteres Gutachten stellte jedoch fest, dass die Hauptursache eine unsachgemäße Beladung des Schiffes war. Die Schwefelsäure war so auf die sieben Tanks verteilt, dass die Stabilität des Schiffes nicht mehr ausreichte. Als die „Waldhof“ in einer engen Kurve fuhr, verlor sie das Gleichgewicht und kenterte.

Wochenlange Bergung und Sperrung des Rheins

Nach dem Kentern trieb das Wrack kieloben im Rhein, kollidierte mit einem anderen Schiff und kam schließlich am Rand der Fahrrinne zum Liegen. Die Schifffahrt auf dem Rhein musste daraufhin für Wochen gesperrt werden, was zu einem Stau von über 400 Schiffen führte. Die Bergung gestaltete sich äußerst schwierig. In den Tanks hatte sich durch eine chemische Reaktion mit eingedrungenem Rheinwasser explosiver Wasserstoff gebildet.

Da der Schiffsrumpf sich zu verformen drohte, entschieden die Experten, einen Teil der Säure kontrolliert in den Rhein abzupumpen, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Am 13. Februar 2011, einen Monat nach dem Unglück, konnte das Schiff mithilfe von drei Schwimmkränen wieder aufgerichtet werden. Im Wrack wurde die Leiche eines der vermissten Besatzungsmitglieder gefunden. Die Rheinschifffahrt wurde am 14. Februar wieder vollständig freigegeben.

Untersuchung und weitreichende Konsequenzen

Eine Untersuchungskommission bestätigte später, dass die falsche Beladung die entscheidende Ursache für die mangelnde Stabilität und damit für das Unglück war. Der Gesamtschaden wurde von der Reederei auf 3,5 Millionen Euro beziffert.

Als Konsequenz aus der Havarie wurden mehrere neue Regelungen für die Binnenschifffahrt eingeführt. Dazu gehören eine verbesserte Verkehrsleittechnik auf der Gebirgsstrecke des Rheins, angepasste Gefahrgutvorschriften und eine Ausrüstungspflicht mit dem automatischen Identifikationssystem (AIS) für Berufsschiffe. Das Schiff selbst wurde repariert und ist seit April 2012 unter dem neuen Namen „Auriga“ wieder in Fahrt.