Neuwieder wandert in römischer Rüstung mehr als 100 Kilometer

Conrad Lunar aus Neuwied wandert in voller Römermontur von Bingen nach Trier. Mit 25 Kilo Gepäck will er die Geschichte des römischen Dichters Ausonius für alle erlebbar machen.

Neuwieder wandert in römischer Rüstung mehr als 100 Kilometer

Wer in diesen Tagen zwischen Bingen und Trier unterwegs ist, könnte auf einen Wanderer der besonderen Art treffen: Conrad Lunar aus Neuwied marschiert in der vollen Ausrüstung eines römischen Soldaten aus der Spätantike durch Rheinland-Pfalz. Sein Ziel ist es, die 118 Kilometer lange Strecke nach Trier in sechs Tagesetappen zurückzulegen – mit einem rund 25 Kilogramm schweren Gepäck aus Helm, Schild und Schwert.

Für Lunar steckt dahinter mehr als ein ausgefallenes Hobby, wie er gegenüber dem SWR berichtet. Er brennt für die römische Geschichte und möchte sie für andere greifbar machen. Alles begann, als er römische Überreste in einem Wald bei Neuwied entdeckte. Da er fand, dass die Stadt zu wenig daraus machen würde, entschloss er sich ein eigenes Projekt zu entwerfen: „den Drachenkopf-Weg“. Dadurch ist er in die Szene gelangt und erkannte, wieviel kulturelles Erbe es in Rheinland-Pfalz zu entdecken gibt.

Auf den Spuren des Dichters Ausonius

Für seine aktuelle Tour hat sich der Neuwieder gemeinsam mit einem Gefährten die sogenannte Ausoniusstraße ausgesucht. Diese folgt einer rund 2.000 Jahre alten Militär- und Handelsstraße der Römer. Benannt ist sie nach dem römischen Dichter und Gelehrten Ausonius, der die Strecke im Jahr 368 n. Chr. bereiste und seine Erlebnisse im Werk „Mosella“, dem wohl ersten Reisebericht über das Moselland, festhielt.

Die Rüstung wurde extra für die Reise angefertigt, wobei insbesondere die Schuhe sehr unbequem sein sollen. „Wir sind halt diese Lederschuhe mit den Metallnägeln unter dem Fuß nicht gewohnt“, erklärt Lunar. Auf die Frage, warum er sich das antut, gibt er schmunzelnd zu: „Das frage ich mich selbst manchmal, aber es gehört halt irgendwie zu dem Hobby dazu.“

Leben wie vor 1.600 Jahren

Um die Erfahrung so authentisch wie möglich zu gestalten, übernachtet Lunar nicht im Hotel, sondern in einem Römerzelt. Auch bei der Verpflegung bleibt er nah am Original: Auf den Tisch kommen Obst, Eier, Datteln, Brot und der römische Gewürzwein „Mulsum“.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lunar in historischer Montur durch Rheinland-Pfalz marschiert. Wer ihm auf seiner Wanderung begegnet, ist herzlich eingeladen, ihn anzusprechen. Gerne beantwortet er Fragen zur römischen Geschichte der Region. Wer möchte, kann sich seinem Marsch sogar anschließen – auch ohne Rüstung.