Ein Spaziergang am Deutschen Eck in Koblenz: Schiffe ziehen über den Rhein, entlang der Uferpromenade spazieren Menschen, Touristen machen Fotos mit ihren Kameras. Ein Schrei durchbricht die Geräuschkulisse: der Ruf einer Möwe. Hier, am Rhein, weit entfernt von der Küste? Genau diese Frage stellte sich auch ein Merkurist-Leser, der uns über die Snip-Funktion auf das Phänomen aufmerksam gemacht hat.
Die Antwort liefert Diplom-Biologe Dr. Ralf Rombach von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. Tatsächlich sind Möwen in Koblenz ein gewohnter Anblick. Häufig handelt es sich hierbei um die Lachmöwe, eine mittelgroße Möwenart. Die Art ist in der Region ganzjährig anzutreffen. Rombach betont, dass in der Winterzeit durchaus mehr als 1000 Tiere gleichzeitig beobachtet werden können.
Ideale Bedingungen an Rhein und Mosel
Die Vogelart passt sich im hohen Maß an die Menschen an, weshalb man sie in Fachkreisen auch als Kulturfolger bezeichnet. Als „quasi Allesfresser“ ernähren sie sich von Fischen, Würmern, Insekten, aber auch von menschlichen Abfällen. Entscheidend für die Art sei jedoch die Nähe zum Wasser, erklärt Rombach.
Auf Grund der direkten Nähe zu Rhein und Mosel bietet Koblenz für die Lachmöwen geografisch ideale Bedingungen. „Ein in Koblenz beliebter Platz zur Ansammlung ist die größere Kiesbank unterhalb der Staustufe Koblenz an der Mosel, wo man an guten Tagen viele Dutzend Tiere antreffen kann,“ betont der Diplom-Biologe. Aber auch am Urmitzer Werth und südlich der Urmitzer Brücke seien des Öfteren Möwen gesichtet worden.
Ein historischer Wandel, kein Verdrängungsprozess
Entgegen der allgemeinen Annahme handelt es sich bei der Ansiedlung der Art im Binnenland nicht um einen Verdrängungsprozess, etwa durch Überfischung. Vielmehr ist es „ein schon lange laufender Prozess“, klärt Dr. Rombach auf. Darüber hinaus beschränke sich dieser Trend nicht primär auf den Rhein, sondern sei an allen größeren Flüssen Europas zu beobachten. Langfristig gesehen könnte jedoch der Klimawandel den Lebensraum der Lachmöwe in West- und Mitteleuropa weiter einschränken.
Damit das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier auch weiterhin gut funktioniert, appelliert der Experte an die Bewohner : „Füttern Sie die Tiere nicht und hinterlassen Sie möglichst wenig organische Abfälle (Essensreste etc.) in Stadt und Natur.“ Eine Gefahr für den Menschen stellen die Vögel laut Dr. Rombach aber nicht dar, sie seien insgesamt eher nicht problematisch.