Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Hauptsitz in Koblenz steht vor einer grundlegenden Reform. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am Mittwoch Pläne vorgestellt, die das Beschaffungswesen der Bundeswehr schneller und agiler machen sollen. Die Koblenzer Behörde spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die „Reformagenda Rüstung“ ist eine Reaktion auf das anhaltend hohe Auftragsvolumen und soll die Zusammenarbeit mit der Industrie verbessern. Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, basieren die Pläne auf über 600 Vorschlägen von Mitarbeitenden des BAAINBw sowie auf Impulsen einer externen Expertengruppe aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Flexiblere Strukturen für Koblenzer Behörde
Im Kern der Reform steht eine neue Binnenstruktur für das Amt in Koblenz. Es soll künftig auf ein sogenanntes Matrixsystem umgestellt werden, das starre Abteilungen („Röhren“) verhindert. Stattdessen können Projektteams flexibel und agil zusammengestellt werden, ausgerichtet an den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum.
Zudem soll die Behörde neue Handlungsschwerpunkte setzen. Dazu gehören eine verstärkte Marktbeobachtung, ein aktives Lieferantenmanagement sowie der Ausbau der Fähigkeiten zur Lieferketten- und Preiskontrolle. Laut Ministerium ist eine sorgfältige Kostenkontrolle angesichts der erheblich gestiegenen Rüstungsinvestitionen unerlässlich.
Beschaffungsamt expandiert in andere Städte
Um enger mit Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten, wird das BAAINBw seine Präsenz in der Fläche ausbauen. Geplant ist ein neuer Ableger in Bremen, der sich am dortigen Raumfahrtstandort auf die Dimension Weltraum konzentrieren soll. Die bestehende Außenstelle in Dresden, bekannt als „Silicon Saxony“, wird erweitert, um den Bereich Cyber und Informationstechnik zu stärken.
Eine weitere Repräsentanz in Brüssel soll die Vernetzung mit EU- und NATO-Partnern verbessern und die Koordination multinationaler Programme erleichtern. Auch die Beschaffungsprozesse selbst werden optimiert. Je nach Dringlichkeit und Komplexität sollen Projekte künftig als „Fast Track“, „Innovation“ oder „Komplex“ eingestuft werden. Begleitend wird ein „Wissenschaftlicher Beirat Beschaffung“ eingerichtet.
Darüber hinaus wird das Anfang des Jahres eröffnete Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding durch einen weiteren Standort in Kiel ergänzt. Die Stadt an der Ostsee gilt als wichtiger Standort der deutschen Verteidigungsindustrie mit Schwerpunkten im Schiffbau und der Marineelektronik. Der Aufbau des neuen Zentrums in Kiel soll noch in diesem Jahr beginnen.