Rund 150 junge Menschen sind in Koblenz gegen den neuen Wehrdienst und eine mögliche Wehrpflicht auf die Straße gegangen. Die Aktion ist Teil der bundesweiten Demonstrationen unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“.
„Wir demonstrieren heute gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht“, sagte Abiturient Leo Reinemann, einer der Organisatoren der Demonstration. Bereits Anfang Dezember hatten Schüler in vielen Städten demonstriert. Damals sei es darum gegangen, das Wehrdienstmodernisierungsgesetz zu verhindern. „Jetzt ist dieses beschlossen, alle Karten liegen auf dem Tisch und jetzt müssen wir schauen, wie wir dieses Thema wieder im politischen Diskurs nach vorn bringen, um eben zu verhindern, dass doch eine Wehrpflicht eingeführt werden könnte.“
Während sie durch die Koblenzer Innenstadt zogen, riefen die Jugendlichen in Sprechchören „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“ oder „Hoch mit der Bildung, runter mit der Rüstung“. Vereinzelt schlossen sich ihnen auch besorgte Eltern und Großeltern an.
„Mir macht das schon Angst“
Die Gründe für die Teilnahme sind vielfältig. „Ich hab' keinen Bock darauf“, sagte der 15-jährige Lennart. „Ich würde gern mein Leben leben, ohne in Tarnfarben herumzumarschieren.“ Er möge weder die Bundeswehr noch den Krieg. „Ich habe auch keinen Bock, mich von einem Choleriker anschreien zu lassen, dass ich bitte mehr Liegestütze machen soll.“
Die 15-jährige Luisa äußerte sich besorgt: „Also mir macht das schon Angst. Ich möchte auf jeden Fall auch nicht bei der Bundeswehr sein und auch nicht, dass mein Bruder zum Beispiel bei der Bundeswehr ist.“ Ihrer Meinung nach sollte mehr Geld für Bildung anstelle von Aufrüstung ausgegeben werden.
Seit Anfang des Jahres ist das neue Gesetz zum Wehrdienst in Kraft. Der Dienst ist derzeit freiwillig. Sollten sich jedoch nicht genügend Freiwillige finden, steht eine Reaktivierung der Wehrpflicht im Raum, die seit 2011 ausgesetzt ist. Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die daraufhin geänderten Nato-Ziele.