Koblenzer bauen größtes Recycling-Dorf der Welt in Indonesien

Eine Organisation aus Koblenz hat am Rande des Regenwaldes in Indonesien das weltweit größte Recycling-Dorf gebaut. Für dieses und weitere Projekte wurde Mitgründer Marc Helwing am 8. Juni in Berlin mit einem Wirtschaftspreis ausgezeichnet.

Koblenzer bauen größtes Recycling-Dorf der Welt in Indonesien

In Deutschland ist Palmöl aus Ländern wie Indonesien kaum aus den Supermarktregalen wegzudenken: Laut der Umweltorganisation WWF ist der Rohstoff in etwa jedem zweiten Produkt verarbeitet. Obwohl vielen Menschen die negativen Umweltauswirkungen, etwa durch den Konsum von Palmöl, bewusst sind, handeln die wenigsten im Alltag entsprechend. Dieses Auseinanderfallen von Wissen und Verhalten ist wissenschaftlich belegbar und wird in der Sozialpsychologie als Attitude-Behavior-Gap (Einstellungs-Verhaltens-Lücke) bezeichnet. Die Koblenzer Hilfsorganisation Project Wings geht jedoch einen anderen Weg: Sie will Umweltschutz greifbar und gesellschaftsfähig machen.

Ein Dorf aus Müll als Gemeinschaftsort

„Ich glaube, dass es heutzutage einen Klimawandel gibt müsste jedem Menschen bewusst sein. Wir versuchen aber trotzdem, nicht so sehr mit dem Zeigefinger unterwegs zu sein,“ erklärt Marc Helwing, Mitgründer von Project Wings im Gespräch mit Merkurist. Marc und sein Team sehen bewusst von Forderungen ab: „Nach dem Motto, du musst jetzt vegan sein. Du darfst nur noch mit dem Fahrrad fahren.“ Stattdessen setzt das Team auf Freiwilligkeit: „Wir versuchen, die Menschen über die Situation aufzuklären und dazu zu bringen, Maßnahmen zu treffen, die in ihrem Rahmen umsetzbar sind,“ so der Koblenzer.

Das größte Projekt der Hilfsorganisation befindet sich auf der indonesischen Insel Sumatra. In dem Dorf Bukit Lawang, direkt am Rande des Regendwaldes, baut Project Wings das weltweit größte Recycling-Dorf. Auch wenn die Wahl des Standortes laut Marc eher ein Zufall war, erwies sich dieser als durchaus geeignet: Laut Forschungen der Yale University zählt Indonesien zu den Ländern mit einer besonders kritischen Ökobilanz. Vor allem die starke Plastikverschmutzung, häufig verstärkt durch unzureichende Entsorgungssysteme, sowie die großflächige Abholzung von Regenwald für Palmöl- und Papierplantagen, gehören zu den zentralen Umweltproblemen des Inselstaates.

Im Recycling-Dorf entsteht eine Art Kreislaufwirtschaft: Aus recycelbaren Materialien werden Gebäude errichtet, von denen die Gemeinschaft profitiert. Das Projekt konnte so bereits über 40 Arbeitsplätze schaffen, ein funktionierendes Abfallmanagementsystem etablieren und die lokale Bevölkerung für Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Vom Müllproblem zur Chance für Tausende

Um dieses Kreislaufsystem praktisch umzusetzen, nutzt Project Wings sogenannte Ecobricks: Das sind PET-Flaschen, die fest mit gereinigtem Plastikmüll gestopft werden und als Bausteine dienen. Dahinter steckt ein innovatives Pfandsystem: Die Bewohner sammeln den Müll und bringen ihn zur Trashbank. Im Gegenzug erhalten sie Geld für den gesammelten Müll. Mit diesem System konnten bereits mehrere Gebäude im Recyclingdorf aus über fünf Tonnen recyceltem Plastikmüll errichtet werden.

Ein besonderes Anliegen ist Helwing, der selbst Fußball spielt, ein von der Organisation gegründeter Fußballverein in Indonesien. Zuvor gab es in der Region keinen richtigen Sportplatz. Deshalb hat Project Wings eine überdachte Sporthalle gebaut, die hauptsächlich aus nachhaltigen und regionalen Materialien wie Bambus und Lehm besteht. Sollte die Halle einmal nicht mehr gebraucht werden, kann sie laut des Koblenzers einfach wieder zurückgebaut werden, ohne viel Bauschutt zu hinterlassen. Zusätzlich habe die Organisation Trainer angestellt, sodass die Kinder vor Ort altersgerecht trainieren können. „So können wir hunderten Kindern vor Ort die Möglichkeit geben gegen andere Mannschaften zu spielen und an Turnieren teilzunehmen,“ erklärt er.

Eine Koblenzer Idee geht um die Welt

Auch in der Region Koblenz ist Project Wings aktiv. „Wir fahren an Schulen und klären die Kinder über das Thema Plastikmüll im Meer, Regenwaldschutz und nachhaltigen Konsum auf,“ berichtet Helwing. Ein weiteres Projekt, der „Wings Coin“, hat die Organisation vor vier Jahren in Koblenz gestartet. Heute werden diese bereits in Hotels in über 14 Ländern eingesetzt.

Das System ist einfach: Gäste können per QR-Code auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten und dadurch Ressourcen sparen. Im Gegenzug erhalten sie dafür eine kleine Aufmerksamkeit, wie ein Freigetränk an der Bar, während das Hotel gleichzeitig einen sogenannten Umweltbeitrag an Project Wings spendet.

Anfang Juni erhielt Marc Helwing für seine Arbeit in Berlin den Bundespreis „4x4 unter 40“ der Wirtschaftsjunioren Deutschland in der Kategorie „Wirkung“. Auch zwei weitere junge Unternehmer aus der Region Koblenz, Jonathan Fritz und Lucas Faust, wurden geehrt.