Nach dem Brandanschlag auf die Rüstungsfirma Thales in Koblenz am frühen Dienstagmorgen gibt es neue Erkenntnisse. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz auf Anfrage von SWR und Rhein-Zeitung mitteilte, wird ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen. Im Internet ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht, das derzeit auf seine Echtheit geprüft wird.
In der Nacht zum Dienstag (27. Januar) hatten Unbekannte auf dem Firmengelände im Koblenzer Industriegebiet drei Transporter in Brand gesetzt. Durch die Hitze wurde auch ein Fahrzeug auf einem Nachbargrundstück beschädigt. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden wird auf rund 150.000 Euro geschätzt.
Kurz nach der Tat tauchte im Internet ein Bekennerschreiben auf. Darin heißt es: „Anlässlich des 11. Jahrestages der Befreiung von Kobane haben wir uns in der Nacht vom 26.1. auf den 27.1.2026 Zugang zum Betriebsgelände des Rüstungskonzerns Thales in der Fritz-Ludwig-Straße 1 in 56070 Koblenz verschafft. Mit Hilfe von Brandvorrichtungen haben wir mehrere Fahrzeuge den Flammen übergeben.“ Die Verfasser werfen dem Unternehmen vor, als „8. größter Waffenexporteur weltweit“ von Kriegen zu profitieren, etwa in der Ukraine, in Rojava (kurdisch verwalteter Nordosten Syriens) und in Palästina.
Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen
Aufgrund des Schreibens und des Ziels des Angriffs hat die Landeszentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz die Ermittlungen übernommen. „Eine (vermutlich links)extremistische Tatmotivation kann nicht ausgeschlossen werden“, zitiert die Rhein-Zeitung Oberstaatsanwalt Christopher do Paço Quesado.
Vorerst werde aber nur wegen Brandstiftung ermittelt, teilte die Behörde dem SWR mit. „Ob die Tat durch Angehörige einer terroristischen oder kriminellen Vereinigung begangen worden ist, ist Gegenstand der Ermittlungen und kann derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden.“ Zum genauen Tathergang macht die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.
Thales betreibt Hightech-Zentrum in Koblenz
Die Firma Thales ist ein internationaler Rüstungskonzern. Am Standort Koblenz mit rund 180 Mitarbeitern befindet sich laut Rhein-Zeitung ein Hightech-Kompetenzzentrum für Schießausbildungssimulation. Zu den Kunden gehören unter anderem die Bundeswehr und die Nato.
Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz sucht weiterhin Zeugen, die in der Tatnacht verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Tatorts bemerkt haben. Hinweise werden unter der Telefonnummer 06131/6565517 entgegengenommen.