Koblenz als Festungsstadt: Hochtrabende Pläne – aber leider kein Geld

Koblenz soll zur „Festungsstadt“ werden. Ein Konzept sieht vor, Fort Asterstein, Fort Konstantin und die Feste Franz für Millionen umzubauen. Doch die ambitionierten Pläne haben einen großen Haken.

Koblenz als Festungsstadt: Hochtrabende Pläne – aber leider kein Geld

Koblenz soll künftig als „Festungsstadt“ Furore machen. Ein Beratungsbüro hat für den Stadtrat große Pläne für die historischen Bauwerke Fort Asterstein, Feste Kaiser Franz und Fort Großfürst Konstantin entwickelt. Die Sache hat nur einen Haken – für die schönen Pläne fehlen Geld oder Investoren.

Auf dem Papier sieht alles so einfach aus. Koblenz soll sich nicht nur als Stadt an Rhein und Mosel mit Deutschem Eck und Wein präsentieren, sondern in Zukunft auch als „Festungsstadt“. Auf 198 Seiten hat sich ein Berliner Beratungsunternehmen mit bunten Bildchen und großartigen Ideen ausgetobt. „Unser Ansatz basiert auf den innovativen Prinzipien der ‚Visitor Economy‘“, heißt es da in schönstem PR-Sprech. „Die einzelnen Projekte werden als ‚Destinationsorte‘ systematisch in ein vernetztes Gesamtkonzept für Koblenz und die Region integriert.“ Und die Experten versprechen dabei auch noch „eine nachhaltige Stadtrendite und eine attraktive Positionierung von Koblenz“.

Akademie, Genussberg und Vereinspark

Und das sehen die Pläne der Berater vor: Das Fort Asterstein soll zu einem „Refugium“ ausgebaut werden, das Fort Konstantin auf der Karthause zum „Genussberg“ und die Feste Kaiser Franz in Lützel zum „Vereinswerk“. Allein der Ausbau des Fort Asterstein zu einem „Ort der Konzentration, Offenheit und Bildung“ würde dem Konzept zufolge lächerliche 20 Millionen Euro Investitionen erfordern. Aber dafür würde dort eine „Akademie für Rückzug, Reflexion und gemeinsames Lernen“ entstehen – mit Einzelapartments oder Studios in den Kasematten. Nichts gegen hochtrabende Pläne – aber wie sagte schon der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen…“

Das Fort Konstantin soll den Vorstellungen der Planer zufolge ein Ort werden, „der regionale Kultur, kulinarisches Handwerk und Innovationsgeist vereint“. Auf dem künftigen „Genussberg“ sollen Showrooms, Testräume und ein „sensorischer Erlebnisraum“ geschaffen werden. Dabei soll es aber nicht um Konsum gehen, sondern es soll eine „Plattform für Wertschöpfung, Wissenstransfer und kulturelle Identität“ geschaffen werden. Einziger Haken: Es müsste ein Betreiber her, „der durch Mietzahlungen Investitionen ermöglicht“. Bleibt nur die Frage: Wer stürzt sich in diesen Zeiten in solch ein finanzielles Wagnis?

Für die Feste Kaiser Franz sehen die Planer eine Zukunft als „Park für Gemeinschaft, Kooperation und Transformation“. Das künftige „Vereinswerk“ soll als „sozialer Resonanzraum der Stadtgesellschaft“ umfunktioniert werden. Was auch immer das heißen mag. Vorgeschlagen werden unter anderem der Bau eines Amphitheaters, einer Skate-Halle, eines Hostels und eines Karneval-Museums. Wer das alles bezahlen soll, bleibt im Ungefähren. Einzelne Bauwerke könnten an „geeignete Träger vergeben werden“, die auf der Basis von Erbpacht in das Projekt investieren sollen, schlagen die Planer vor.

Große Pläne, aber kein Geld

Tja, und was macht jetzt die Stadt mit den schönen Ideen, die der Bund mit bis zu fünf Millionen Euro fördert? Vorerst landen sie in der Ablage. „Derzeit stehen keine städtischen Haushaltsmittel zur Verfügung, die eine weitere Entwicklung der Standorte befördern könnten“, heißt es in einer Vorlage für den Stadtrat. Aber das Rathaus bleibe „offen für externe Investitionen in die drei Standorte“.

Wie heißt es so schön: Papier ist geduldig…