Die Koblenzer Verkehrsbetriebe (koveb) blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück, stehen aber gleichzeitig vor gewaltigen Umbrüchen. Während die Fahrgastzahlen stabil auf hohem Niveau liegen, zwingen neue gesetzliche Vorgaben das Unternehmen zu einer radikalen Neuausrichtung. In einem Pressegespräch geben Lars Hörnig, Geschäftsführer der koveb und des Mutterkonzerns Stadtwerke Koblenz, und Hansjörg Kunz, der seit mehr als zwei Jahrzehnten die Geschäfte der koveb führt, exklusive Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Zukunftspläne.
Erfolgsgeschichte mit attraktiven Preisen
Trotz zahlreicher Baustellen, etwa an der Pfaffendorfer Brücke, die zu längeren Fahrzeiten führten, blieben die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr mit ca. 10,6 Millionen nahezu auf dem Vorjahresniveau. Pro Tag befördert die koveb rund 30.000 Menschen. Besonders bemerkenswert ist die langfristige Entwicklung: Seit 2017 ist der Anteil der ÖPNV-Nutzer in Koblenz um 40 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg der sogenannten „Modal Split“ auf 14 Prozent, ist laut den Geschäftsführern „bundesweit eine echte Marke“.
Auch das Deutschland-Ticket ist für die koveb ein Erfolg. Im Januar 2026 zählte das Unternehmen bereits mehr als 15.100 Abonnenten. Anders als viele Anbieter hält die koveb dabei ergänzend an der Chipkarte, dem e-Ticket fest – ein gefragtes Angebot für Menschen, die nicht online-affin sind oder nur gelegentlich den Bus nutzen. Besonders attraktiv sind die „Netz Koblenz“-Tickets, deren Preise 2025 gesenkt wurden und auch 2026 stabil bleiben. Allein die Tageskarte für 5,50 Euro wurde im Januar knapp 12.000 mal verkauft. Lars Hörnig, der die kaufmännisch-strategische Leitung der koveb verantwortet, betont: „Besonders freut uns, dass die Tickets im ‘Netz Koblenz’ auch 2026 unverändert günstig bleiben. Die Tageskarte kostet weiterhin 5,50 €, die Wochenkarte 20,- €. Das sind absolut attraktive Preise, auch im Vergleich zur PKW-Nutzung.“ Ergänzt wird das Angebot um das sogenannte e-Ticket, mit bis zu 25% Rabatt auf den Einzelfahrschein.
Das E-Mobilitäts-Dilemma: EU zwingt zur Abkehr von Biogas
Die größte Herausforderung liegt in der Antriebstechnik. Jahrelang setzte die koveb erfolgreich auf eine Biogas-Strategie. Mehr als 50 Busse fahren mit dem klimafreundlichen und wirtschaftlich vorteilhaften Antrieb. In der Gesamtbetrachtung fahren diese Busse CO² neutral und sparen gegenüber dem Diesel rund 50 Tonnen CO² je Bus und Jahr. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. Neue EU-Gesetze wie die „Clean Vehicle Directive“ und die Euro-7-Norm zwingen die Verkehrsbetriebe, ab 2029 sukzessive auf emissionsfreie Antriebe umzusteigen. Die CO²-Bilanz des Gesamtsystems wird nicht bewertet. „Das bringt uns jetzt ein bisschen unter Zugzwang“, erklärt Hansjörg Kunz, der als Geschäftsführer für die betrieblichen und technischen Abläufe zuständig ist. Die bisherige Planung, die Biogas-Strategie mindestens bis 2030 fortzuführen, sei damit hinfällig. Künftig sind nur noch Wasserstoffbusse und Elektrobusse bei Neuanschaffungen zulässig.
Ein in Arbeit befindliches Gutachten soll klären, wo genau die Reise hingeht. Wahrscheinlich ist, dass für die koveb aufgrund der Rahmenbedingungen die Elektromobilität am geeignetsten wäre. Doch der Umstieg ist ein gewaltiger Kraftakt. Ein E-Gelenkbus kostet mit rund einer Million Euro etwa das Doppelte eines Gelenk-Gasbusses (ca. 500.000 Euro). Zudem erfordert eine E-Flotte eine komplett neue und teure Ladeinfrastruktur. Der jetzige Betriebshof ist für die gesamte Flotte ungeeignet, weshalb die koveb nach einem neuen Grundstück sucht. Das ist eine schwierige Aufgabe, da es wenig geeignete Grundstücke gibt und die benötigte Anschlussleistung am Stromnetz nicht überall verfügbar ist. Bis ein neuer E-Betriebshof in den 2030er-Jahren einsatzbereit ist, muss die koveb eine mehrjährige Übergangsphase überbrücken.
Die Transformation auf die E-Mobilität wird erhebliche Investitionen bedingen. Zudem werden die Betriebskosten um ca. 1/3 steigen. Systemimmanent benötigt die E-Busflotte im Verhältnis mehr Personal, mehr Busse und ein teures Lademanagement. Dies ist angesichts der Unterfinanzierung des ÖPNV und einer unzureichenden Förderung eine Herausforderung.
Millionen-Investitionen und ein überraschender Personal-Trend
Unabhängig von der Antriebswende investiert die koveb kräftig in die Modernisierung. Allein in diesem Jahr fließen rund sechs Millionen Euro in neue Busse, da Lieferungen aus dem Vorjahr nachgeholt werden müssen. Weitere fünf Millionen Euro sind für die Haltestelleninfrastruktur eingeplant. Zu den Großprojekten der nächsten Jahre gehört die komplette Neugestaltung des Busbahnhofs am Löhr-Center, der barrierefrei ausgebaut und mit einer begrünten Mittelinsel deutlich aufgewertet werden soll.
Eine überraschende Entwicklung gibt es auf dem Arbeitsmarkt. Während es wie in vielen Branchen schwierig ist, hochspezialisierte Fachkräfte zu finden, hat die koveb bei den Busfahrern keine Nachwuchssorgen. Im Gegenteil: „Wir haben beim Fahrerpersonal die Entwicklung, dass wir zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Warteliste haben“, berichten die Geschäftsführer. Von den rund 300 Beschäftigten der koveb sind etwa 220 im Fahrdienst tätig. Mit ihrem Leitspruch „Wir bewegen Koblenz“ will das Unternehmen auch in Zukunft für alle Menschen in der Stadt ein verlässlicher und attraktiver Mobilitätsanbieter sein.