Was als innovatives Klimaschutzprojekt begann, entwickelt sich laut Bund der Steuerzahler zu einem millionenschweren Fiasko: Eine 2018 in Betrieb genommene Klärschlammvergasungsanlage in Koblenz steht seit Januar 2023 still. Das Projekt wurde nun in das aktuelle Schwarzbuch aufgenommen.
Die Geschichte habe bereits 2006 begonnen, als die Stadt Koblenz nach Wegen gesucht habe, die Entsorgung des eigenen Klärschlamms sicherzustellen. Ziele seien dabei stabile Entsorgungskosten sowie eine Senkung des Energiebedarfs und der CO2-Emissionen des Klärwerks gewesen. Nach einer Zusage von EU-Fördermitteln in Höhe von rund zwei Millionen Euro im Jahr 2008 sei die Entscheidung für das Projekt "LIFE+ SusTreat" gefallen.
Zu wenig Klärschlamm für den Betrieb
Das Hauptproblem sei laut dem Bund der Steuerzahler der fehlende Klärschlamm für den Dauerbetrieb. Während die Anlage auf eine Normallast von 3.350 Tonnen Trockenmasse pro Jahr ausgelegt sei, produziere Koblenz nur etwa 2.400 Tonnen. Im Jahr 2022 sei die Anlage daher nur rund 1.000 Stunden gelaufen – das entspreche weniger als 42 Tagen.
Externes Personal kündigte Vertrag
Anfangs habe die Stadt kein zusätzliches Personal einstellen wollen und einen externen Dienstleister beauftragt. Dieser habe jedoch den Vertrag zum 31. Dezember 2023 gekündigt. Grund seien die wenigen Betriebsstunden gewesen, die laut Dienstleister „ein nicht kalkulierbares Risiko für die Haltbarkeit der Anlagentechnik“ dargestellt hätten.
Wartung kostet jährlich 220.000 Euro
Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich laut der Mitteilung auf rund 17,5 Millionen Euro, davon entfielen etwa 7,8 Millionen Euro auf die eigentliche Vergasungsanlage. Obwohl die Anlage seit über zwei Jahren stillstehe, fielen jährlich etwa 220.000 Euro an Wartungskosten an, um sie betriebsfähig zu halten.
Die Stadt betone zwar, dass die Außerbetriebnahme nur „vorläufig“ sei. Man arbeite an Lösungen wie dem Umbau von Silos für eine „Fremdschlammannahme“ und der Suche nach Fachpersonal. Doch besonders die Personalsuche gestalte sich sehr schwierig.
Bund der Steuerzahler fordert Verkauf
Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Projekt scharf. In seinem aktuellen Schwarzbuch heißt es, Koblenz habe sich „an einem teuren Energieprojekt“ verhoben. Die Organisation fordert die Stadt auf, einen Verkauf der Anlage zu prüfen, um die Verluste zu begrenzen. Ob wirklich in Eigenregie ausreichend Fachpersonal und Klärschlamm für den Betrieb akquiriert werden könnten, sei „höchst zweifelhaft“.